| 1998 sorgte Die Firma mit ihrem ersten Album "Spiel des Lebens/ Spiel des Todes" in ganz Deutschland für Furore und setzte mit ihrem Mafia-Style zuvor ungekannte Akzente. Und auch mit ihrem zweiten Album "Das zweite Kapitel" gehörten Fader Gladiator (Daniel), Tatwaffe und Def Benski zu den erfolgreichsten HipHop-Gruppen, sie landeten ganz oben in den Charts. Nach "Das Dritte Auge" erscheint jetzt das vierte Album "Krieg und Frieden"...
Bumbanet: In einem Interview zu dem letzten Album „Das dritte Auge“ habt ihr gesagt es würde höchstens 1,5 Jahre bis zum nächsten Album dauern. Jetzt sind es doch über 3 Jahre geworden. Womit hängt das zusammen, Business?
Tatwaffe: Die Sache ist ja, anderthalb Jahre nachdem wir das gesagt hatten kam mein Mixtape, dann kam mein Solo-Album und jetzt kommt das Firma Album. (Die anderen lachen im Hintergrund) Wir haben ja zwischendurch viel getan, ich habe meine Sachen gemacht und wir haben bestimmt zweieinhalb Jahre an dem Album gearbeitet. Dadurch konnten wir auch viele Sachen neu machen, wenn man die Tracks nach einem Jahr nochmal hört kann man sagen, „die Hook ist nicht stark genug“, „die Strophe muss nicht sein, die werfen wir raus“. In dem Sinne sind wir auf jeden Fall nicht traurig, dass es solange gedauert hat. Vielleicht hätte man strategisch gedacht etwas eher kommen müssen, ein Jahr vorher, aber jetzt sind wir wirklich zufrieden mit dem Album und das denke ich ist das Wichtigste.
Bumbanet: Also sind einige Songs auf dem Album schon einige Jahre alt?
Tatwaffe: Wir haben insgesamt 30 Songs, davon sind nur 22 auf dem Album. Die ganz Alten sind zum größten Teil gar nicht auf das Album gekommen, die kommen vielleicht irgendwann mal auf unsere Website. Bei den Songs die jetzt ursprünglich schon zwei Jahre alt sind, ist z.B. die Hook vor einem halben Jahr neu gemacht oder eine Strophe ausgewechselt worden. Es lag also kein Song zwei Jahre irgendwo rum. Musikalisch hat Daniel bis zum Ende hin an jedem Song noch rumgemacht, jeder Song hat irgendein aktuelles Element.
Bumbanet: Hatten denn Business-Sachen keinen Einfluss auf die lange Zeit, z.B. der Wechsel der Plattenfirma?
Daniel: Ich habe ja ein Label, wenn ich etwas rausbringen will dann kann ich morgen dann anrufen, sagen „hier kommt die CD, seht zu dass im Lager eine Europalette frei ist“. Selbst wenn es ein Grund wäre würde ich das jetzt nicht im Interview erzählen, denn bei Leuten bei denen es gut läuft gibt es nie ein Problem mit dem Business.
Tatwaffe: Unterschwellig spielt das natürlich alles da mit rein. Aber eher in dem Sinne dass du sagst „in diesem Monat müssen wir einen neuen Plattendeal finden“ und in dem Monat produzierst und schreibst du dann nicht soviel wir normal. Wir haben uns aber keine Sorgen gemacht wo wir jetzt landen und deshalb ein halbes Jahr nichts gemacht, das wäre auch gar nicht möglich bei uns, dass wir kreativ nicht das Bedürfnis haben etwas zu schreiben oder zu produzieren.
Bumbanet: „Krieg und Frieden“ ist euer erstes Album ohne das Label V2, bringt das für euch Unterschiede bei eurer Arbeitsweise mit sich?
Tatwaffe: Nein, wir sind ja immer unsere eigene Gruppe gewesen in dem Sinne dass wir Bandübernahmeverträge hatten. Wir haben ja nie unseren Namen und unsere Gruppe verkauft, sondern wir haben immer nur unser Album angeboten. So ist es diesmal auch, wir haben ein Demo abgegeben und gefragt „wollt ihr oder wollt ihr nicht“. So hat sich am eigentlich Arbeitsprozess nichts geändert.
Def Benski: Wir brauchen kein Label um Musik zu machen.
Bumbanet: Kann man sagen dass ihr den Weg, den ihr auf „Das Dritte Auge“ eingeschlagen habt, jetzt konsequent weiterverfolgt? Dass z.B. alles etwas bounciger ist?
Tatwaffe: Ne, wenn du jetzt von bouncig sprichst würden wir sagen, dass wir das letzte Album etwas zu bouncig fanden, etwas zu sehr im Battle/Club Kontext. Daher haben wir eigentlich versucht mit diesem Album zurück zum ersten Album zu gehen, also harte Sachen, melancholische Sachen und Sachen die Emotionen hervorrufen. Das Einzige was clubmäßig so richtig funktionieren würde ist „So läuft das“, das hat einen Rock’n’Roll Beat und lateinamerikanische Einflüsse. Also eigentlich weg von dem wie wir sonst gearbeitet haben wenn wir ein Partylied gemacht haben. Ansonsten sind wir wirklich größtenteils auf Inhalt gegangen. Und selbst die Battletracks wie „Die durch die Hölle gehen“ sind wie ein Brett und nichts für zum nebenbei Hören, das ist einfach monumental groß und klingt bedrohlich. Wir wollten allem unseren Stempel aufdrücken und haben versucht so eine Brücke zum ersten Album zu schlagen, sowohl von den Texten als auch von der Produktion her. Das heißt ich würde jetzt nicht sagen, dass wir „Das Dritte Auge“ fortsetzen, aber wir haben auch nicht mit „Das Dritte Auge“ „Das Zweite Kapitel“ fortgesetzt. Es klingt nicht genauso wie das letzte Album aber man findet natürlich gewissen Elemente drin die man von uns kennt. Wir versuchen auch ständig unsere Arme auszustrecken wo wir noch nicht waren.
Bumbanet: Gab es sonst noch gewollte, bzw. geplante Veränderungen auf dem Album?
Tatwaffe: Ich meine es ist kein Lied so wie ein Lied schon vorher war. Zum Beispiel „Krieg und Frieden“, wir hatten „Kein Ende in Sicht“, das war aber konsequent auf den 11. September beschränkt und alles was damit zu tun hat, „Krieg und Frieden“ ist da wieder ein ganz eigener Song, der zwar ähnlich ist, aber das Thema insgesamt und global angeht. Vor drei Jahren hatten wir schon überlegt ob wir unser Album „Krieg und Frieden“ nennen, damals haben wir aber noch gedacht das ist zu hoch gegriffen, so ist die Zeit noch nicht. Jetzt wo wir sehen wie es sich entwickelt auf der ganzen Welt, die Bedrohung nimmt nicht ab, Krieg ist immer noch im Irak, im Sudan, Tschetschenien oder wo auch immer, da haben wir gesagt, jetzt können wir ein Lied und ein Album wie „Krieg und Frieden“ machen. Der Nährboden für Krieg ist überall da. Wir haben versucht für das Album neue Themen aufzugreifen, so auch „Tränen“, so ein Lied hat man vorher auch nicht gefunden, wo wir einfach nur eine Emotion, also die von Trauer und Schmerz, aufgreifen.
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