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Interview: The Faint (1/2) News

1994 fanden sich The Faint in einem Ort, der allen Orten in den USA ziemlich ähnlich ist, zusammen. Herausgekommen ist dabei eine Band, die jeder anderen ziemlich unähnlich ist. Wir unterhielten uns im Kölner Prime Club mit Clark, dem Drummer von The Faint...

Bumbanet: Gerade ist euer neues Album „Wet from Birth“ erschienen und wieder ist es musikalisch anders als das vorherige. Wie lässt sich das erklären? Gehört es zu eurem Konzept euch immer weiter zu wandeln?

The Faint: Nun, jedenfalls wollten wir tatsächlich nicht das gleiche machen wie im letzten Album (Danse Macabre, 2001, Saddle Creek), doch wir haben kein richtiges, festgesetztes Bild, in welcher Musikrichtung wir uns sehen. Wir möchten eigentlich nicht, dass man eine Melodie hört und sofort sagt „hey, dass hört sich an wie THE FAINT“.

Bumbanet: Was ich sehr interessant finde ist, dass, wenn man sich eure Musik seit den späten 90ern anhört, ihr euch erst von einer melodischen Gitarrenrockband immer mehr zu einer Elektrorock Band entwickelt habt, was seinen Höhepunkt in „Danse Macabre“ hatte. Das Album „Media“ (erschienen 1998, Saddle Creek) ist ein gutes Beispiel dafür. Für mich war das immer melancholischer Indi-Rock mit einem 80er Touch. Doch bereits ein Jahr später wandelt sich eure Musik mit „Blank-Wave Arcade“ zu mehr Synthesizer, weniger Gitarre, ist weniger melancholisch und hört sich auch Popigger an. An sich war es auch nicht geschlossen wie „Media“-die Stücke sind unterschiedlicher und alles hört sich experimenteller an. Das alles gipfelt in „Danse Macabre“, welches kaum mehr Gitarren vernehmen lässt sondern sich wie eine düster anmutende, in sich völlig geschlossene rockige Elektro-Ausarbeitung anhört. Und das wieder sehr im Stil der 80er. Was mich jetzt an „Wet from Birth“ so verwundert hat, ist dass ihr nicht die Bewegung weg vom instrumentalen zum Elektronischen hin weiterverfolgt, sondern etwas anderes gemacht habt. Beschreib das mal:

The Faint: Ja, also unsere bisherige Richtung von Independent Rockmusik hin zu Elektro ist richtig und hat damit zu tun, dass wir eben zum einen nicht immer gleich klingeln wollten und zum anderen einfach was neues machen wollten.

Bumbanet: Wart ihr der Auffassung, dass man mit Gitarrenmusik nichts neues mehr bieten kann?

The Faint: Ja aber vor allem waren wir nicht gut genug, um was Neues machen zu können. Wir waren einfach durchschnittliche Musiker, daher haben wir so gern mit Synthesizern gespielt, da man unbegrenzte Möglichkeiten hat, Elemente zu kombinieren.
Zu der Frage, warum wir nicht im Stil von „Danse Macabre“ geblieben sind kann ich nicht genau sagen; es war in sich abgeschlossen und wären wir dabei geblieben, hätten wir uns nur wiederholen können.

Bumbanet: „Wet from Birth“ hat sehr unterschiedliche Stücke; die letzteren sind wieder instrumentaler und die ersten Stücke sind elektronisch mit neuen Elementen. Es scheint wieder ein experimentelleres Album zu sein, das kein genaue Struktur hat und das vielleicht den Weg für das nächste vorbereitet, das reifer sein wird. Kann das sein und wisst ihr bereits in wo ihr euch demnächst festigen werdet?

The Faint: Es stimmt - diesmal sind wir wieder etwas instrumenteller geworden. Das mag auch an all den neuen Möglichkeiten liegen, die wir im technischen Bereich haben. Wir haben viel mit Streichern gearbeitet - daher die neuen Elemente. Insgesamt würde ich sagen, dass „Wet from Birth“ musikalisch freier ist. Dadurch, dass jeder auch mal andere Instrumente ausprobieren konnte, da man bestimmte Sequenzen einspielen, verändern und auch nach Belieben schneiden kann, sind wir als Musiker nicht nur an praktisches Können gebunden. Es macht so einen Spass, wenn man eine Idee hat, z.B. klassische Instrumente hier oder da einzusetzen und man sieht das Gesamtbild erst im Nachhinein und es passt wirklich. Manchmal waren wir nämlich skeptisch, da man sich bestimmte Dinge nicht vorstellen kann. Du hast einen elektronischen Song auf der einen Seite und spielst die Sequenz der Streicher ein. Du bist zwar offen dafür, sowas zu probieren, aber was nachher dabei rauskommt und was man alles für Möglichkeiten hat, sieht man erst nachher. Und das finde ich das spannende.

Bumbanet: Ihr kommt aus Omaha, Nebraska, wo auch Bands wie „Bright Eyes“, „Cursive“, „The Good Life“ etc. herkommen. Habt ihr eine Art Community, die sich untereinander hilft? Connor Oberst von „Bright Eyes“ hat ein Projekt mit euch; „Desparacidos“. Ist das üblich, dass ihr auch mal bei dem anderen mitspielt, obwohl eure Musikrichtungen ganz anders sind.

The Faint: Ja, wir sind eigentlich alle gut befreundet und sehen uns sehr oft. Man kennt sich halt auch von früher. Mal ein Projekt zusammen zu machen oder generell zusammen zu arbeiten ist nichts Außergewöhnliches. Außerdem ist es praktisch, dass alle ein bisschen was anderes machen, da man dadurch verschiedene Leute kennen lernt. Wir tauschen auch mal Nummern aus, die vielleicht dann die jeweils andere Band über Wasser halten. Diese Verbindungen sind schon sehr wichtig.

Bumbanet: Woran glaubst Du liegt es, dass ihr in Europa weniger erfolgreich seit als in den Staaten.

The Faint: Zum einen bestimmt, da Saddle Creek ja auch als Label zu unserer Omaha-Community gehört. Das Label ist sehr klein und wir werden quasi von unseren Freunden produziert.

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Autor:
Ilknur Ergec
Photos:
Saddle Creek, Ilknur Ergec

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