| Ein Großmaul war er schon immer. Mit seinem grandiosen Debüt wollte Olli Banjo „Erste Hilfe“ für den Problempatienten Deutschrap leisten. Bei seinem neuen Feature-Projekt „Sparring“ lässt er die deutsche HipHop-Elite als Sparringspartner antreten: Kool Savas, Curse, Ercandize, Separate, Jonesmann und Tatwaffe sind nur ein paar der Namen, die normalerweise jeden Battle-Gegner erzittern lassen...
Bumbanet: Denkst du, dass deine „Erste Hilfe“ für die deutsche Rap-Szene etwas genutzt hat?
Olli Banjo: Das kann man so und so sehen. Ich denke schon, dass meine Erste Hilfe gefruchtet hat, weil mich viele Leute darauf ansprechen, dass ich ihr musikalisches Verständnis geweckt habe. Leider gab es bei dem Album gewisse Vertriebsprobleme, so dass es nicht ganz die Auswirkungen hatte, die ich mir davon versprochen habe.
Bumbanet: Ich denke trotzdem, dass dein Album zur Anhebung des gesamten Levels im deutschen Rap beigetragen hat.
Olli Banjo: Das mag schon sein. Ich weiß das natürlich nicht so genau, weil die Kollegen jetzt nicht unbedingt zu mir kommen, um mir zu sagen, dass sie von mir beeinflusst worden sind. Ich merke aber bei den neuen Platten, die in den letzten Monaten herausgekommen sind, dass es nicht mehr nur um irgendwelche komischen Vergleiche geht, sondern auch um Technik, Inhalt und Style.
Bumbanet: Du wirst aber natürlich auch extrem viel gehatet. Wie gehst du damit um?
Olli Banjo: Vor zwei, drei Jahren hat mich so etwas noch extrem genervt. Aus diesem Grund habe ich damals ja auch den Track „Pickel“ mit Roey Marquis geschrieben. Inzwischen lässt mich das Ganze aber richtig kalt. Ich sage mir einfach, dass es immer Leute gibt, die es nicht raffen, wenn man etwas vollkommen neues macht. Diesen Leuten muss man Zeit lassen, um von ihren Hörgewohnheiten wegzukommen. Die meisten Hörer sind einfach zu stark Ami-beeinflusst.
Bumbanet: Wonach hast du deine Sparringspartner für das neue Album ausgewählt?
Olli Banjo: Erst mal fand ich es wichtig, dass gerade die Kombination mit mir interessant sein musste. Außerdem musste ich die Rapper logischerweise auch irgendwie gut finden. Da gibt es dann die Leute, mit denen ich immer etwas mache, wie Jonesmann oder Savas, aber ich habe auch beispielsweise zum ersten Mal mit Eißfeldt gearbeitet, der einen absoluten Hammertext geschrieben hat. Ich habe auch einen Track mit Moses P gemacht, weil der Typ immer eine Art Held für mich war. Dieses Stück wird aber auf mein im Herbst erscheinendes zweites Soloalbum kommen und nicht auf „Sparring“. Dann gibt es noch ein paar Rapper wie Separate oder Ercandize, mit denen ich vorher noch nicht gearbeitet hatte, die ich aber einfach für gute Rapper halte. Entweder also Leute, die schon am Start sind, oder „Youngbloods“, wie der gute Max ja auch sagt.
Bumbanet: Wie lief die Zusammenarbeit mit den einzelnen Rappern ab?
Olli Banjo: Das war sehr unterschiedlich. Manche Leute sind zu uns nach Düsseldorf ins Studio gekommen, andere haben ihre Parts geschickt, weil es zeitlich einfach zu knapp war.
Bumbanet: Gibt es bei dir im Studio einen Ehrenkodex, wie zum Beispiel ein Punch-In-Verbot oder zeitliche Vorgaben zum Schreiben der Texte?
Olli Banjo: Nein, wenn MCs zu uns ins Studio kommen, dann gibt es für sie absolute Freiheit. Die können arbeiten, wie sie es gewohnt sind und wie sie es wollen. Ich finde das irgendwie blöd Leute einzuschränken, denn die besten Performances kommen dabei heraus, wenn die Gäste sich wohlfühlen bei uns... Aber ich habe schon mal so einen Track mit Zeitvorgabe gemacht, und zwar mit Savas und Reno zusammen. Da haben wir uns mal gesagt: Der Text muss in zehn Minuten stehen.
Bumbanet: Du meinst „Ready to rumble“ von der „Deutschland“-Single.
Olli Banjo: Genau, aber da bin ich auch extrem unzufrieden mit meiner Strophe. Die finde ich voll Kacke (lacht).
Bumbanet: Gibt es irgendwelche herausstechenden Kollaborationen auf „Sparring“?
Olli Banjo: Der Text von Eißfeldt ist halt ein absoluter Knaller. Auf Kommando fällt mir jetzt aber nichts ein. Sehr krass war schon die professionelle Einstellung von Xavier Naidoo, aber der Track mit ihm wird ebenfalls nicht auf „Sparring“ kommen, sondern auf mein zweites Soloalbum. Der Typ ist ein absoluter Vollprofi. Der braucht sich auch nicht warm singen, sondern kommt ins Studio, geht in die Kabine, singt das Ding ein und fertig. Dann ist Savas natürlich einer meiner Lieblingsrapper aus Deutschland. Mit Sido ist die Zusammenarbeit auch immer cool, weil der sich nicht so den Kopf um alles mögliche macht, sondern einfach nur versucht, ein lustiges Ding zu schreiben. Außerdem fand ich es sehr schön, einen richtigen Track mit meinen Homies Leetow und DJ Flow zu machen. Leetow ist mein Backup-MC.
Bumbanet: Sido hat ja auch einen großen Teil seines Albums „Maske“ bei euch in den Headrush-Studios aufgenommen. Wie siehst du diese ganze Aggro Berlin-Geschichte?
Olli Banjo: Ich finde es unfassbar krass, was Aggro an den Start gebracht hat. Unabhängig von der Musik ist es einfach businessmäßig sehr heftig, was die sich aufgebaut haben, und das mit den geringen Mitteln, die auch jedem anderen Independent-Label zur Verfügung stehen. Die leben natürlich von ihrem krassen Image. Das polarisiert sehr stark, liegt ja auf der Hand. Die Medien differenzieren da aber nicht genug, was man von ihnen auch nicht unbedingt verlangen kann, mit Ausnahme der Juice meinetwegen. Aggro Berlin ist ja nicht ein einziger Brei. Sido macht zum Beispiel etwas ganz anderes als Bushido. [der inzwischen nicht mehr bei Aggro Berlin ist, Anm.d.Verf.]
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