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Interview: Olli Banjo (2/3) News

Bumbanet: Könnte es sein, dass Sido und du einen gemeinsamen Feind habt: Die eingefahrene, alte HipHop-Szene in Deutschland?

Olli Banjo: Ja, das stimmt schon ein bisschen. Ich finde auf jeden Fall sehr viel unfresh. Auf dem Track „Ich kotz doch“ nenne ich da auch mal ein paar Namen. Sido geht es aber gar nicht darum, der beste Rapper zu sein. Er möchte einfach einen gewissen Lifestyle vermitteln, und das macht er meiner Ansicht nach auf eine sehr lustige Weise. Wir rappen mehr aus Spass miteinander. Ich denke eigentlich eher nicht, dass es etwas mit einem gemeinsamen Feind zu tun hat. Wir haben ja auch noch keinen Battle-Track zusammen gemacht.

Bumbanet: Bisher hast du namentliche Disses ja vermeidet. Warum also jetzt auf einmal doch?

Olli Banjo: Das ist einfach aus dem Bauch heraus passiert. Roman und ich sitzen regelmäßig zusammen vor dem Fernseher, schauen Viva und MTV und kotzen. Wir kotzen richtig, ja? Den Ausspruch „Ich kotz doch“ haben wir übrigens von diesem Box-Prinzen aus Hamburg, diesem Hells-Angels-Typen. Wir haben einen Bericht über den gesehen, und da meinte der nach einem verlorenen Kampf zu dem Reporter wörtlich: „Ich kotz doch!“ Das hat in dem Moment einfach alles ausgedrückt. Mir hat es einfach gelangt. Ich wollte ein paar Sachen einfach mal aussprechen. Dass Raptiles Platte nur gekauft wird, weil Xzibit drauf gefeatured wird, musste mal gesagt werden. Oder Creutzfeld & Jakob, dieses Scheiß-Gangster-Gelaber, „Bling Bling ist mein thing-thing“ und so, „Click clock macht die Glock“, das geht mir voll auf den Sack.

Bumbanet: Die einzige Aussage, die ich nicht wirklich verstanden habe, war „Brothers Keepers featuren mich nicht / denn ich bin Adolf Hitler“. Was sollte das?

Olli Banjo: Erst mal muss ich sagen, dass ich das ganze Brothers-Keepers-Ding ein bisschen zwiespältig sehe. Die Kritik ist ja schon oft angebracht worden, dass dort nur Schwarze vertreten sind. Außerdem fand ich es musikalisch auch richtig Kacke. Die Leute, die das machen, wie dieser Ade zum Beispiel, der immer so komisch singt, die mögen mich auch nicht wirklich. Die sehen mich als Freak, weil ich Lieder wie „Du und mein Penis“ gemacht habe. Darauf bezieht sich der Text dann. Diese Nazi-Provokation ist halt mein Ding, ich bin ja auch auf dem Splash mit einer Hitler-Maske aufgetreten. So etwas schockt die Leute, weil sie nicht zwischen den Zeilen lesen können. Satire im „Titanic“-Stil raffen die einfach nicht.

Bumbanet: Es hat natürlich einen anderen Kontext, wenn du als Schwarzer so eine Geste bringst.

Olli Banjo: Genau, aber das verstehen die eben nicht. Die können das nicht einordnen. Wir machen auch privat gern Hitler-Witze. Ich denke, dadurch, dass man das tut, führt man sich eigentlich die ganze Sache noch mal so richtig vor Augen. Neulich habe ich zum Beispiel eine Super-Titanic-Ausgabe gelesen, wo eine Foto-Love-Story über Hitler und Goebbels drin war. Goebbels und Hitler spielen Mensch-Ärgere-Dich-Nicht, und Hitler schreit dann: „Wenn ich noch einmal verliere, dann vergifte ich meine Familie!“ Ich lag am Boden vor Lachen, und dann merkte ich aber, was da eigentlich passiert ist: Hallo, der hat seine Familie wirklich vergiftet! Das ist aber so die Art von Humor, die ich mag. Natürlich ist das eine Gratwanderung.

Bumbanet: Das war ja auch ursprünglich der Hintergrund für die Einführung des N-Wortes im HipHop. Wie stehst du dazu?

Olli Banjo: Weißt du, ich habe damit überhaupt kein Problem. Das Problem ist vielmehr, dass viele von uns Afro-Deutschen einfach komplexgestört sind. Die haben einen Stock im Arsch. Manche von denen, die sich über so etwas beschweren, kommen aus Frankfurt und haben noch nie in ihrem Leben einen Nazi gesehen. Wo ist das Problem? Ich meine, wenn mich einer so nennt, dann regele ich das schon auf meine Weise... nein, quatsch, Gewalt ist natürlich keine Lösung. Ich kann solchen Rappern wie MOR nicht böse sein, weil die das N-Wort ja nicht benutzen, weil sie jemanden angreifen wollen. Die benutzen das ja schon fast eher aus Solidarität. Man muss da halt auch mal wieder zwischen den Zeilen lesen.

Bumbanet: Taktloss gehörte ja auch zur MOR-Formation, und der ist immerhin auch ziemlich schwarz.

Olli Banjo: Genau. So etwas wird ja immer heißer gekocht als gegessen. Das ist doch überhaupt kein Thema für mich.

Bumbanet: Kommen wir mal zurück zur Musik: Ich fand „Erste Hilfe“ irgendwie deeper und vertrackter als „Sparring“. Da geht es schon ziemlich auf die Zwölf.

Olli Banjo: Ja, ich habe die Texte bei „Sparring“ auch viel schneller geschrieben als bei „Erste Hilfe“. Auf meinem zweiten Soloalbum wird es dann wieder deeper. Ich habe meinen Style auf jeden Fall noch stark verbessert. Inzwischen mag ich aber auch die ganz einfachen Sachen gern. Es gibt jede Menge Varianten, die ich auspacken kann.

Bumbanet: Wieder ist dein gesamtes Album von Roe Beardie aus dem Headrush-Camp produziert worden. Ihr seid ein unschlagbares Team, aber willst du nicht auch mal über andere Beats rappen?

Olli Banjo: Eigentlich nicht. In Deutschland fällt mir ernsthaft überhaupt niemand ein, mit dem ich auf Produzentenseite gern arbeiten würde. Die einzige, die ich cool finde, ist die Melbeatz von Optik Records, weil die meiner Meinung wirklich eigene Beats macht. Man hört meistens sofort, dass ein bestimmter Beat von ihr ist. Ich kann halt überhaupt nichts damit anfangen, wenn jemand meinetwegen die Neptunes bitet oder Premo oder so. Ich mag Leute, die eine eigene Handschrift haben, und da fällt mir außer Melbeatz niemand ein.

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Autor:
Stephan Szillus / Classic Media
Photos:
Headrush

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