| Maylay Sparks a.ka. Rasheed war Mitte bis Ende der neunziger Jahre mit seiner Crew Rasheed & Ill Advised in der lebendigen Underground-HipHop-Szene von Philadelphia aktiv. Mitte März erscheint auf dem Independent-Label Rapster sein Solodebüt „Graymatter“, das an die glorreichen Zeiten mehr als nur anknüpfen kann. Klassischer Eastcoast-Stuff, gepaart mit skandinavischen Einflüssen, die daraus resultieren, daß Maylay mittlerweile seit einigen Jahren in Kopenhagen lebt. Meinen Fragen stellte er sich am Telefon, kurz vor seiner Abreise zur Europatour im Februar, auf der ihn neben Louis Logic ursprünglich auch M.F.Doom begleiten sollte, was jedoch daran scheiterte, daß Doom wohl keine nachweisbare Nationalität besitzt.
Bumbanet: Erstmal muß ich dir ein Kompliment machen. Auf ein Album wie „Graymatter“ habe seit längerem gewartet. Es erinnert mich an meine Jugend, die goldene Ära von Rap, Anfang der neunziger Jahre.
Maylay Sparks: „Danke. Das ehrt mich. Ich trage die Erinnerung an diese Zeit auch immer noch in mir. Allerdings habe ich selbst damals nicht gerade viel geschafft, deshalb will ich es jetzt wissen. Insgesamt ist zu beobachten, daß viele Leute wieder zurück zum traditionellen Sound gehen. Der DJ steht wieder im Mittelpunkt, man benutzt seltene Samples, und selbst die Leute, die überhaupt keine Samples benutzen, gehen zurück zum alten Boom-Bap-Sound. Das sind meine Wurzeln und die Wurzeln vieler HipHop-Hörer.“
Bumbanet: Wenn du dir die heutige Mainstream-Szene anschaust: Hat das noch irgend etwas mit dem zu tun, was dir HipHop bedeutete, als du damit anfingst?
Maylay Sparks: „Überhaupt nicht. Kein bißchen. HipHop war für mich einfach alles. Heute ist alles sehr oberflächlich. Die Leute sind nicht mehr wirklich mit der Kunst verbunden. Sie haben kein spirituelles Verständnis der HipHop-Kultur. Sie ernten jetzt die Früchte, obwohl ihnen Leute den Weg geebnet haben, die ein anderes Verständnis davon hatten. Niemand konzentriert sich mehr wirklich auf den Fakt, daß HipHop eine wachsende Bewegung ist. HipHop stagniert, und das war nie etwas, was HipHop ausgemacht hat. Im HipHop ging es immer um Individualität und Anderssein. Sogar deine kleine Crew vom Block war anders als die Crew vom nächsten Block. Ein anderes Problem ist, daß es nicht mehr um Skills geht. Wenn jemand das Geld hat, braucht er keine Skills um voranzukommen. Früher mußte man gut sein, um im HipHop etwas zu werden.“
Bumbanet: Deine Platte ist perfekt um sich zurückzulehnen, nachzudenken, in Erinnerungen zu schwelgen. Hast du selbst in letzter Zeit solche Musik vermißt?
Maylay Sparks: „Definitiv. Deshalb habe ich mein Album so gemacht, wie ich es selbst gern hören wollte. Ich mache Musik hauptsächlich für mich selbst. Ich wollte das Gefühl zurückbekommen, das ich hatte, als ich zum ersten Mal solche Musik gehört habe. Ich habe ein paar sentimentale Tracks auf dem Album, und ich mag es selbst, mich dabei zurückzulehnen und zu relaxen. In diesen Tracks erzähle ich eine Menge über meine Person und was mir in den letzten Jahren widerfahren ist.“
Bumbanet: Wo ist der grundsätzliche Unterschied zwischen dem Sound, den du früher mit Rasheed & Ill Advised hattest, und deinem Sound heute?
Maylay Sparks: „Es gibt keinen. Ich habe mich natürlich lyrisch weiterentwickelt, weil ich inzwischen eine Menge gesehen und erlebt habe. Das verarbeite ich in meiner Musik. Ich kann jetzt vielleicht noch andere Leute erreichen, die ich früher nicht angesprochen habe. Ich bin gereift, und auch der Business-Aspekt interessiert mich heute mehr als früher. Aber das ist es auch schon. Grundsätzlich ist es der gleiche, rohe Street-S***, den wir den Leuten seit zehn Jahren versuchen zu bringen.“
Bumbanet: Hast du noch Kontakt zu deinem alten Partner Baby Blak?
Maylay Sparks: „Ja, wir sehen uns noch, wenn ich drüben in Philly bin. Unser Split hatte auch nichts mit persönlichen Entscheidungen zu tun. Wir sind immer noch Freunde und haben überhaupt keinen Beef. Es war eine Management-Entscheidung, daß wir uns besser trennen sollten. Vielleicht machen wir in der Zukunft mal wieder etwas zusammen.“
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