| „Sieh in meine Augen, erblicke dein wahres Gesicht“, fordert der Berliner Rapper Marcello den Hörern seines Albums „Innercity Kinder“ (MK ZWO Records) auf. „Ich habe nichts zu verbergen, eine Fassade ist nichts“, heißt es weiter. „Ehrlich“ trifft als Umschreibung für Marcello´s Texte wohl am besten zu. Mal geht es um die „Jungs hinter Gittern“ und um scheinheilige Politiker, mal um seinen früh verstorbenen Bruder und um andere persönliche Tiefschläge. Oft geht es auch um seinen ehemaligen Wohnbezirk Berlin-Mitte, der sich nach dem Fall der Mauer zur Spießerhochburg entwickelte. Etwas weiter nördlich, in Prenzlauer Berg, trafen wir uns zum Plausch.
Bumbanet: Wann und mit wem hast du angefangen?
Marcello: Angefangen habe ich 1996 durch einen Jam in Hellersdorf. Damals habe ich ziemlich viel gefreestylt. Mit der Zeit haben sich ein paar Leute gruppiert. Wir waren dann als Stiftung Reimetest und als Flowniveau unterwegs, halt so anfängliche Crew-Namen. V-Mann hat mit Serch Skripts gemacht, DJ V-Räter hat produziert und Platten aufgelegt und ich habe mein Marcello-Soloding gemacht. Funkviertel habe ich dann 1999 gegründet. Einfach als Crew-Namen für die ganzen Leute in meinem Umfeld, die etwas machen. 1999 kam auch unser erster Tape-Sampler „Funkviertel 1“ raus und 2001 der Nachfolger. Angefangen habe ich also eigentlich wie jeder: Ich wurde irgendwann angesteckt. Bumbanet: Wie kam der Kontakt zu MK ZWO Records zustande?
Marcello: Mein Album hatte ich schon im April 2003 fertig und habe es dann an alle Plattenfirmen geschickt, bei denen es Sinn gemacht hätte. Ronny von MK ZWO Records hat mir erst mal einen Verlagsdeal vorgeschlagen. Er fand das Album cool, wollte es aber erst mal Ganjaman, seinem Partner bei MK ZWO Records, zeigen. Dieser fand es dann auch geil und so meinten sie, das könnte der erste HipHop-Release auf MK ZWO Records werden. Im November ist es dann rausgekommen. Bumbanet: Bisher erschienen auf MK ZWO Records mit „Resonanz“ und „Die Brandstifter“ zwei von Ganjaman produzierte Reggae-Alben. Wo siehst du da die Parallelen?
Marcello: Das ist vor allem eine Sache der Mentalität. Wir leben alle sehr bewusst und legen viel Wert auf den Inhalt. Genauso wie mein Album transportieren auch Ganjamans Platten ein Gefühl und beziehen eine gewisse Position. Wir schweben nicht irgendwo rum oder sind Träumer. Alle bei MK ZWO Records wissen, dass das Geld nicht vom Himmel fällt und wir alle dafür arbeiten und zusammenhalten müssen. Es ist wie eine kleine Familie. Das verbindet uns. Klar, ich mache Rap, Ganjaman macht Reggae und Ronny kommt auch aus der Reggaeszene, aber es funktioniert. Bumbanet: Bist du zufrieden mit den Reaktion auf dein Album?
Marcello: Die Resonanz ist eigentlich durchweg positiv. Es gab nur ein, zwei Reviews, die neutral waren. Ich habe dadurch sehr viele Leute kennen gelernt und viele von ihnen wollen auch noch mehr mit mir machen. Da kann man echt zufrieden sein.
Bumbanet: Was hattest du für ein Ziel vor Augen, als du an „Innercity Kinder“ gearbeitet hast?
Marcello: Ich wollte mir einfach den Frust von der Seele schreiben. Das war alles. Wenn es einem Scheiße geht, versucht man, viel zu arbeiten. Daher dachte ich: Okay, ich mache jetzt ein Album. Bis dahin hatte ich drei, vier Tracks fertig. Beim ersten Tag im Studio haben wir gleich drei Tracks aufgenommen.
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