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Interview: Marcello (2/2) News

Bumbanet: Bei melancholischen Tracks wie „Regen/Mein Bruder“ und „Leider vergessen“ schwingt immer dezent dieses „vom Leben enttäuscht sein“-Gefühl mit, finde ich.

Marcello: „Leider vergessen“ ist in meinen Augen ein Track, der schon fast vor sich selbst kapituliert. Wenn du glücklich bist, dann siehst du das Negative nicht, aber wenn es dir schlecht geht, halt schon. Gerade Leute in meinem Alter haben es sehr schwer, ihren Weg zu finden. Will man studieren, soll man eine Ausbildung machen, bekommt man überhaupt eine Ausbildung? „Leider vergessen“ ist auf jeden Fall einer meiner Lieblingstracks vom Album. Bei „Regen/Mein Bruder“ geht es eher um die Fehler, die ich in meinem Leben begangen habe. Ich will mich nicht mit dem Zeigefinger hinstellen und so etwas sagen wie: „Ihr dürft nicht rauchen!“ Macht was ihr wollt, aber versucht zu verstehen, was ihr da überhaupt macht. Es ist nicht cool zu rauchen, es ist einfach giftig und teuer zu rauchen. Das gleiche gilt für Drogen: Das sollte jeder selbst wissen, aber ich find es nicht cool, Drogen zu nehmen.

Bumbanet: Bei einem weiteren Stück sagt du, dass du kein „krasser MC“ bist.

Marcello: “Ich bin kein krasser MC, sondern nur eine Batterie” sagt aus, dass ich auch ein ganz normaler Typ bin. Ich sag nicht, „ich habe eine Hoe“, sondern „ich habe eine Freundin“. Ich sag auch nicht, dass ich deine Mutter ficke oder dich abballere. Ich kann halt rappen, ich hab es mir so ausgesucht, aber trotzdem bin ich immer noch ich selbst. MC steht ja eigentlich für „Move The Crowd“, also Entertainer. Ich stell mich aber nicht hin und hampel rum. Dieses „ihr könnt noch viel lauter schreien“ mache ich einfach nicht. Ich sag den Leuten live nie, was sie zu tun haben. Wenn Leute wirklich Bock auf ein Konzert haben, dann werden sie schon von alleine darauf kommen. Das funktioniert auch. Wie viele Amis enttäuschen mich, wenn ich hier ihre Konzerte sehe. Dieses ewige Rumgebrülle.

Bumbanet: Hauptkritikpunkt bei deinem Album dürfte für die meisten sein, dass du deinen Flow und deine Reimstrucktur während des gesamten Album nicht sonderlich variierst. Das hat auch unter anderem auch Sebastian Winkler in der Backspin kritisiert.

Marcello: Reimtechnisch? Nee, wieso? Der von der Backspin fand die durchweg melancholische Stimmung zu eintönig. Ich muss mein Album aber nicht künstlich verstümmeln, nur um irgendwelche Party-Klischees zu bedienen. Ich finde meine Reimschemen schon sehr komplex, ich habe Triple- und Assonanzreime mit dabei. Da lass ich mir nichts erzählen. Klar gibt es immer krassere Leute und ich will mich auch nicht selbst loben, aber das ist doch alles subjektiv. Wenn jemand die ganze Zeit Eminem oder 50 Cent hört, wird er mein Album höchstwahrscheinlich nicht mögen. Manche geben sich damit zufrieden, nur Partymucke, Nuttenverherrlichungen und Drogenscheiß zu hören. Aber das ist nicht meine Welt. HipHop ist Deutschland einfach ein großes Konsumding geworden. Die Kaufkraft liegt dabei eindeutig bei den Jüngeren. Meine Leute müssen ihre Miete bezahlen, ihre Existenz sichern. Die haben kein Geld für große Platteneinkäufe.

Autor:
Paul Schlagk
Photos:
Thomas Krüger

Bumbanet Magazine

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