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Interview: Main Concept (2/2) News

Bumbanet: Falls Stoiber der nächste Kanzler werden würde, gibt es vielleicht auch wieder eine stärkere Gegenbewegung.

DavidPe: Ich glaube nicht, dass Stoiber der nächste Kanzler wird, weil ich nicht glaube, dass er noch mal kandidiert. Der ist glücklich in Bayern.

Bumbanet: Gut, mit Merkel würde sich auch nichts an der generellen Richtung ändern.

DavidPe: Doch, schon. Die ist eine Frau und geht anders an die Sachen ran. Aber es hängt natürlich nicht nur von einer Person ab. Die Gegenbewegung kann keine Gegenbewegung sein, die mit Masken auf Demos geht und Eier schmeißt. Die Gegenbewegung ist eine geistige Gegenbewegung. Man muss halt Nein sagen und mit den Mitteln des Staates das Ganze bekämpfen. Wenn du von außen das System zerstören willst, würde das Krieg bedeuten. Die haben doch am Ende immer noch das Militär und wir halt nicht. Man muss seinen Standpunkt ändern, bei den HipHoppern zum Beispiel ist das symptomatisch. Da dreht sich wirklich alles plakativ und klischeehaft um Geld, Frauen, Ansehen, Berühmtheit, Schönheit und die ewige Jugend. Das ist auch bei den Popstars und Werbegrafikern so. Das ist der momentane Zeitgeist von Leuten zwischen 20 und 35. Jeder sieht im Endeffekt nur sich selbst. Alle sind gegen den Krieg, aber haben ihre kleinen Kriege direkt vor der Haustür. Um die kümmern sie sich aber nicht, sondern um den großen, exotischen Krieg irgendwo im Orient. Die Leute sehen immer nur die Fehler der anderen. Sie beschweren sich dauernd über die „Scheiß-Amis“, aber in ihrer kleinen Welt benehmen sie sich genauso. Sie sind voller Vorurteile, reden nicht mit jedem und hören nicht zu. Man muss erst mal versuchen, den anderen zu verstehen, um sich überhaupt ein Denkschema zurechtlegen zu können.

Bumbanet: HipHop hierzulande wird auch irgendwann wieder die Nase voll haben vom Gangsta-Getue.

DavidPe: Es ist natürlich nicht das erste Mal, dass das Gepose, Gebite und auf Gangsta machen so modern ist. Als ich 1988 angefangen habe zu rappen, waren alle auf NWA, 1989 ist das echt explodiert. So um 1991 sind dann viele auf Deutsch umgestiegen und haben das englischsprachige Gangsta-Ding hinter sich gelassen. Dann kamen Advanced Chemistry und die Fantas hatten ihre große Erfolgsphase. Man muss dabei bedenken, dass Rap auf Deutsch was wirklich neues ist. Die „Popstars“ singen immer noch auf Englisch. Fettes Brot und Tobi & Bo haben es so eingeleitet und dann ging es richtig los mit Freundeskreis, den Beginnern, den Massiven, Samy und einer kam nach dem anderen. Irgendwann hat sich die Welle nur noch selbst gefeiert und wirklich dekadente, poserhafte Scheiße fürs Fernsehen gemacht. Dann ging das ganze Gedisse innerhalb der Szene los. Die Leute haben begriffen, dass man sich durch das Gedisse ein Forum schaffen und Medienpräsenz bekommen kann. Das ganze Mutterficken war ja am Anfang noch ganz lustig, aber es wird halt von allen nachgemacht genauso wie sie davor alle Samy nachgemacht haben. Das Problem ist, ich sehe gerade keine Perspektive. Es gibt für mich derzeit eigentlich keine coole junge Gruppe zwischen 18 und 25, die mit neuem Shit ankommen, der fresh ist, wo man echt überrascht ist. Das Inspirierende kommt immer noch von den Gruppen, die schon länger dabei sind. Dieser dahingerotzte Aggrofilm ist mir ein wenig zu lieblos.

Bumbanet: Wo du dich gerade über Klischees beschwerst: Was geht in dir vor, wenn du „Cruisin“ von den Massiven im Fernsehen siehst?

DavidPe: Ich freue mich halt, dass ich Gesichter, die ich kenne, im Fernsehen sehe. Das Video gewinnt mir schon ein Lächeln ab, aber ein liebevolles Lächeln. Ich lache nicht drüber, weil ich es Scheiße finde. Es ist nicht das, was ich mache, aber das ist ja bei jedem Rapper in Deutschland so. Die Beginner, Samy, die machen alle etwas anderes und die dürfen das auch. Das hat seine Existenzberechtigung, wenn der Sound cool ist.

Bumbanet: Die Massiven allerdings liefern den Kids mit diesem Track genau das, was du eben noch kritisiert hast.

DavidPe: Ich kenne sie, die sind so, die stehen nun mal jiggy, Clubs und Partybreaks. Das war schon immer so und ist nichts neues. Es ist für mich die logische Konsequenz, wenn sie ihren Lifestyle mit einem fetten Video ins Fernsehen bringen. Jeder macht das, was er macht so gut er kann. Die geben sich ja auch Mühe.

Bumbanet: Es heißt, du unterrichtest Rap an einer Münchener Hauptschule.

DavidPe: Ich bin bei so einem Kids-Projekt von der Stadt München dabei. Da werden Künstler, also Rapper, Trommler, Batiker, Schauspieler, Breaker, Sprüher, Flamenco-Tänzer, Bastler und so weiter gefördert und ich mache da die Rap-Workshops. Die Kids haben eigentlich immer Spaß und es kommt endlich mal einer, der ihnen sagt, was Sache ist.

Autor:
Paul Schlagk
Photos:
Marcus Hering

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