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Interview: Kevin Lyttle (2/3) News

8. Flashing

Hast Du noch nie ein Konzert von 50Cent gesehen, bei dem alle Girls in der ersten Reihe ihre Hemden hochreißen und ihn flashen? Das passiert bei mir auch, oft sogar. Die haben einfach nur ihren Spaß. Man kann es sich ansehen, aber nicht anfassen.

9. Erfolg

Ich wusste, dass ich es geschafft hatte, als ein Publikum von vielleicht 30.000 Amerikanern, und eben keine karibischen Einwanderer, sondern echte, eingeborene Amerikaner, meinen Song bei dieser Show in Rhode Island Wort für Wort mitsangen. Der Song wird schon sehr oft im amerikanischen Radio gespielt, obwohl er noch gar nicht „mainstream“ veröffentlicht ist. Ich habe eine große Gefolgschaft, allein im Underground. Sogar Hot97 hat den Song gespielt, wenn auch nicht in Tagesrotation, sondern eher am Wochenende in den Dancehall-Sendungen. Andere, kleinere Sender, die nicht so strengen Reglements unterliegen wie etwa Hot97, haben den Song ständig gespielt. Auch in Kanada haben mich die großen Sender längst gespielt, bevor ich überhaupt einen Plattenvertrag hatte. Das kam ja erst nach dieser Show mit 50 Cent (in Rhode Island, s.o.). Ich war überrascht von meinem Erfolg in Amerika, obwohl ich wusste, dass man mich dort kennt. Immerhin hatte ich schon etliche Auftritte gemacht, auch Hip Hop-Shows mit Wayne Wonder oder Mr. Easy. Ich wusste, dass sie den Song kennen, aber diese Reaktion in Rhode Island, dass eben 30.000 Leute den Song mitsingen, habe ich nicht erwartet. Das lag einzig daran, dass der größte Radiosender in Rhode Island den Song rauf und runter spielte. Ich dachte nur: „Gimme some props, gimme some props“.

10. Soca vs. Dancehall

Die meisten karibischen Künstler und die meisten Soca-Künster wollen nicht, dass ihr Zeug verwechselt wird, dass man Soca als Dancehall bezeichnet oder so. Ich bin mir sicher, dass auch Hip Hop-Künstler nicht wollen, dass man ihr Zeug R&B nennt. Man könnte doch nicht sagen, dass „P.I.M.P.“ R&B wäre? Da würde 50 Cent durchdrehen! Wie alle anderen Künstler auf der Welt auch, sind wir sehr empfindlich, was unsere Musik angeht, wir verstehen keinen Spaß damit. Es ist, was es ist. Und deshalb sollte es auch so genannt werden. Ich bin hier um den Leuten zu sagen, dass meine Musik eben nicht Dancehall ist, sondern SOCA. Der Vibe ist ein ganz einzigartiger und anderer. Dancehall ist langsamer als Soca. Dancehall mag auch festlich und partymäßig sein, aber nicht genug, nach Soca-Maßstäben. Calypso und Soca sind sehr partymäßig, es geht darum, zu lachen, Spaß zu haben, zu tanzen, herum zu springen, ein Kostüm anzuziehen, in dem man hässlich oder gut oder schlecht aussieht, und einfach Spaß zu haben. Darum geht es bei Calypso und Soca. Bei Reggae und Dancehall ist alles etwas ernster. Es ist eher ein Club-Ding. Man geht das ganze Jahr über in einen Club, um Dancehall zu hören. Unsere Musik passiert eigentlich nur beim Karneval. Aber ich versuche auch das zu ändern, die Musik von dieser Saison-Äbhangigkeit zu befreien, weil es ja wirklich eine sehr schöne Musik ist. Und es wäre gut, wenn die Leute auf der ganzen Welt sie das ganze Jahr über hören, genießen, und in ihren Plattenläden kaufen könnten. Sie könnten die Künstler erleben und kennenlernen. Meine Mission ist es, Soca international bekannt zu machen. Damit die Leute wissen: Das ist Soca, nicht Dancehall.

11. Soca vs. Dancehall II

Reggae ist das Fundament für Dancehall. Ich liebe Dancehall, aber zu viel davon kann ich nicht vertragen. Denn ich bin ein Soca-Tier. Wir Soca-Musikfreunde feiern anders. Eine Dancehall-Party geht so: Alle Männer und Frauen kommen in den Club und die toll angezogenen und sexy Frauen fangen an, ganz allein in der Gegend herum zu tanzen. Die Männer posen am Rand und haben noch nicht mal die Chance, die Frauen nach einem Tanz zu fragen. Sie müssen all diesem Herumgetanze, diesen Windungen und Verrenkungen tatenlos zusehen. Die wollen einfach nicht mit ihnen tanzen! Bei den Soca-Leuten ist das so: Es gibt eine „Fete“! Und von dem Moment an, an dem die Party beginnt, tanzen Männer und Frauen zusammen. Sie springen in die Luft, winden und grinden wie verrückt, haben Spaß und werden sehr intim. Wir sind nicht anti-sozial, sondern sehr gesellig! Soca ist anders, da gibt es viel Energie, Spaß, Unterhaltung. Aber wenn es um Energie und Unterhaltung geht, ist ein Soca-Publikum nicht einfach glücklich zu machen. Man muss diesem Publikum echt etwas bieten. Trinidad ist die Heimat des Soca und das Publikum dort kann einen entweder berühmt machen oder vernichten. Sie kommen mit der Intention zu feiern und man muss sie sofort überzeugen, sofort mit voller Energie kommen. Der Karneval fängt am Montag an. Da springt man den ganzen Tag herum und nachts gibt es „Fetes“, bis zum nächsten Morgen. Dann gehen die Leute kurz nach Hause um sich umzuziehen und frisch zu machen, um dann wieder den ganzen Tag lang zu feiern. Bis vielleicht 12 oder 1 Uhr am nächsten Mittag, bis die Regierungsbehörden kommen und die „Fete“ schließen. Wenn sie das nicht tun würden, würden die Leute weiter feiern, bis keiner mehr stehen kann. Alle feiern, betrinken sich. Es ist verrückt. Und macht viel Spaß!

12. Violence

Wie in jeder anderen Gesellschaft und in allen anderen Ländern der Welt, gibt es auch bei uns (bei solchen Festivitäten) Gewalt. Es ist traurig. Ich hasse das. Viele andere Soca-Künstler machen Songs darüber und versuchen, Frieden zu propagieren. Wir versuchen Positivität zu propagieren. Wenn die Leute feiern und aufgebracht sind, reicht es manchmal, dass einer Jemandem auf den Fuß tritt, damit der durchdreht. Manchmal hat die Polizei Barrikaden um die ganze Stadt herum errichtet und durchsucht alle Autos und Menschen, die zum Karneval in die Stadt wollen nach Waffen. Wenn die Temperamente aufgebracht sind, können sie leicht durchdrehen. Vor allem, wenn dann noch Alkohol im Spiel ist. Aber abgesehen davon ist es alles ein verrückter Spaß. Karneval ist eines der besten Mittel zum Stress-Abbau, die es gibt.

13. Album

Er (Salaam Remi) ist der „Executive Producer“ meines Albums. Er ist tatsächlich zur Hälfte Bajan (bedeutet: eines seiner Elternteile ist aus Barbados). Wir haben das Album in zwei Monaten gemacht. Dabei haben wir uns erst Ende Oktober richtig ernsthaft hingesetzt und angefangen. Die Ergebnisse sind absolut unglaublich. Wir haben über 30 Songs und haben jetzt echt Probleme, die besten auszusuchen. Die Leute können wirklich ein sehr schönes Album von Kevin Lyttle erwarten. Ich will es ihnen recht machen, nicht unrecht! Bitte kauft es, wenn es herauskommt. Ich bin genauso Konsument wie Künstler. Und ich weiß, wie frustrierend es sein kann, wenn man ein Album kauft, auf dem vielleicht zwei Songs gut sind. Aber glaubt‘s mir: Ich habe jede Menge gute Songs. Vielleicht kann ich alle davon als Singles veröffentlichen und Videos dazu machen. Kauft das Album, ihr werdet nicht enttäuscht sein. Keine Angst.

14. Features

Wir haben anfangs mal daran gedacht, viele große Namen als Features auf das Album zu bringen. Aber wir wollten es dann doch lieber echt SOCA halten, bevor wir es mit Hip Hop, Dancehall oder R&B mischen. Obwohl ein paar Dancehall-Künstler auf dem Album sein werden, nehmen sie nichts von dem Soca-Vibe weg. Mein Plan ist es, nach dem Album mit einigen großen Künstlern zusammen zu arbeiten. Im Moment will ich nicht zu sehr von Kevin ablenken. Erstmal müsst ihr mich kennenlernen, weißt Du? Wenn wir zum Beispiel Janet Jackson auf einem Track hätten, würden die Leute vielleicht nur diesen Track hören wollen und alle anderen vergessen. Bei diesem Album muss der Fokus auf Kevin sein, okay? Keine Künstler mit zu großen Namen, neben denen meiner nicht mithalten kann. Alle Songs auf dem Album werden von der Art wie „Turn Me On“ sein, in dem Sinne, dass es derselbe Style und dieselbe Art von Kevin Lyttle ist, in die sich die Leute verliebt haben. Wartet’s ab und freut euch drauf!

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Autor:
eastwest
Photos:
eastwest

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