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Interview: Flowin Immo (1/2) News

Flowin Immo ist in der deutschen HipHop-Szene sicher kein Frischling mehr, aber immer noch so frisch, dass er manch anderen MC in Sachen Originalität, Style und musikalische Abwechslung locker in die Schranken weist. Durch seine Vielseitigkeit konnte man ihn zwar auf verschiedensten Veröffentlichungen als Gast antreffen, der Nachfolger seines Solo-Debüts lässt aber weiter auf sich warten. Bumbanet und Immo selbst nahmen sich die Zeit, über Vergangenes und Zukünftiges zu sprechen...

Bumbanet: Wie kam der Umzug nach Berlin zustande?

Flowin Immo: Ich hatte ´99 eine ganz tolle Freundin, die von Bremen nach Berlin gezogen ist. Da musste ich also öfter mal vorbeigucken. 2000 habe ich mit rap.de wegen meinem Album zusammengearbeitet, also war ich wieder viel in Berlin. Ich habe lange genug in Bremen gewohnt, nämlich eigentlich mein ganzes Leben. Durch Konzertreisen und irgendwelchen Zusammenarbeiten war ich oft bundesweit unterwegs, so dass ich es auch weiterhin in Bremen ausgehalten hätte, aber ich suchte eine neue Herausforderung. Bremen ist nicht so die Stadt, wo zig Künstler einfach mal hinfahren und der Zuzug hält sich auch in Grenzen. Ich musste einfach mal raus, ich bin Hanseat und Hanseaten müssen reisen. In Bremen hatte ich meinen Ruf und meine Position in der Szene, in der ich mich bewegt habe, weg. Der Reiz, mit anderen Leuten zusammen zu arbeiten war in Bremen nicht mehr so groß. Ich könnte dort auch mit dem Nachwuchs zusammenarbeiten, aber Leute, die mich kicken und aus der Reserve locken, sind halt woanders. In Berlin gibt es sehr verschiedene Szenen und eine höhere Dichte an Firmen, die mit Musik arbeiten. Ende August 2002 bin ich dann nach Berlin gezogen.

Bumbanet: Ich habe gehört, dass die Band Mia bei einer Studentendemonstration in Berlin mit Eiern beschmissen und von der Bühne gejagt wurden. Du sollst danach im schwarz-rot-goldenem Gewand die Bühne geentert haben.

Flowin Immo: Das ist richtig. Es hat sich am 15. Januar 2004 am Anhalter Bahnhof abgespielt, das Festival hieß „Bildung rockt“ und fand im Rahmen der Studentenstreiks statt. Ich hatte im Vorfeld e-mails bekommen, in denen stand, dass antifaschistische Gruppen eine Initiative namens „Mia ist übel“ gegründet hatten und den Auftritt von Mia verhindern wollten. Den Deutschland-Anzug habe ich mir mal in Thailand anfertigen lassen, wo ich sozusagen als deutscher Musikbotschafter war. Dort habe ich einen anderen Bezug zu meiner Nationalität bekommen, da ich dort eine von 120 Nationalitäten präsentierte. Als ich das Gefühl bekam, bei diesem Festival gibt’s Stunk, packte ich mir den Anzug ein. Was ist schöner, als da noch Öl ins Feuer zu gießen und die Leute noch weiter aus der Reserve zu locken. Lassen sie sich von der Verpackung blenden oder hören sie auf den Inhalt? Im Endeffekt wurden Mia dann von der Bühne gebombt und ich bin im Deutschland-Anzug auf die Bühne und habe meine Statements dazu abgelassen. Es ist doch wirklich ein Unding, durch solche Grabenkämpfe sich das eigentliche Ziel kaputt zu machen, nämlich etwas für die jungen Menschen und deren Bildung zu erreichen.

Bumbanet: Wie stehst du persönlich zu Mia?

Flowin Immo: Ich kann nicht genau nachvollziehen, worum es denen geht. Aber ich finde, in den Zeilen, um die es geht, haben sie alte Unworte neu eingebunden und es sehr bildlich verpackt. Ich finde es gut, die alte Lähmung aufzubrechen und ein neues Bild von „deutschen Werten“ nach außen zu tragen. Nur über das Alte heulen bringt gar nichts, wenn man nichts Neues erfindet, verstärkt nach außen trägt und eine Alternative anbietet.

Bumbanet: Die Frage ist doch eher, ob so etwas wie ein Nationalgefühl überhaupt noch gefördert werden muss.

Flowin Immo: Es muss im Endeffekt nichts mit einer Nationalität zu tun haben, aber sich selbst zu definieren hat auch etwas mit der Herkunft zu tun. Unsere Welt besteht noch aus unterschiedlichen Nationen und unsere deutsche Nation hatte eben in dem letzten Jahrhundert eine sehr intensive Geschichte. Ich halte es für einen guten Ansatz, einen Weg für die Zukunft zu suchen, um von dieser Opfer- oder Täterrolle wegzukommen.

Bumbanet: Zurück zur Musik: Du bist ja inzwischen der heimliche Feature-König (Sam Ragga Band, Die Firma, Main Concept, Dejavue, Spezializtz, Fader Gladiator, Zentrifugal, Die Lyriker, DJ Friction, DJ Stylewarz, DJ Derezon, DJ Rick Ski etc.) - wie zahlt sich das für dich aus?

Flowin Immo: Das frage ich mich auch. Es gab eine Phase, wo sich das auch finanziell ausgezahlt hat, als die Acts, mit denen ich zusammengearbeitet habe, noch unter hochdotierten Verträgen gelitten haben. Da gab es dann Vorschüsse, die Zeiten sind aber vorbei. Es zahlt sich hoffentlich für mich so aus, das die Leute, die mich noch nicht kennen, vielleicht durch solche Features auf mich aufmerksam geworden sind. Und ich mag natürlich die Zusammenarbeit mit anderen Leuten.

Bumbanet: Du produzierst auch viel. Was ist diesbezüglich in letzter Zeit bei dir passiert?

Flowin Immo: Ich habe vor allem für meine kommende Scheibe produziert. Ansonsten habe ich einen Song für die zweite Platte von Mellow Mark produziert, einen Remix für Martin Jondo, etwas für Tokyo Tower, einem Dubprojekt aus Stuttgart, Vocals für Matchboxing, einem Elektroprojekt aus Berlin, einen Track für Dean von den Spezializtz und auch einiges vom Culcha-Cundela-Album wurde bei mir aufgenommen. Konkrete Veröffentlichungen sind aber noch nicht so viele bei rausgekommen.

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Autor:
Paul Schlagk
Photos:
Ben Georg

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