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Interview: DNW Der Notorische Wahnsinn News

„Oft wurde über uns geschrieben, dass wir normalen Battle-Rap und somit nichts besonderes machen. Da glaube ich, dass diejenigen, die das geschrieben haben, in unsere Songs nur kurz reingehört und auf die Battle-Passagen geachtet haben, die in unseren Songs auf jeden Fall auch vorhanden sind. Meistens steckt aber einfach mehr dahinter“, behauptet Lingo, der zusammen mit Ben und Stroh die Berliner Rapcrew DNW bildet. Nachprüfen kann man das auf „Schizophren“, ihren zweiten EP, die sie abermals in Eigenregie veröffentlichten. Ähnlich wie beim Vorgänger „Unseriös“ vermischen sich hier fiktive Stories und Rollenspiele mit Battle-Raps und kurzen Gesangspassagen, so dass einem eine Zuordnung wirklich nicht leicht fällt.

Ob sich das nun zu ihrem Vorteil oder Nachteil auswirkt, sei erst mal dahingestellt, Ben jedenfalls kennt diese Schubladen-Diskussion schon länger. „Mit ein paar Vergleichen haben wir bereits leben müssen, auch wenn sie meiner Meinung nach meistens nicht zutrafen.“ Stroh, der sich um die Beats kümmert, orientiert sich laut eigener Aussage ausschließlich an den amerikanischen Vorbildern, ohne das jedoch allzu hoch einstufen zu wollen. „Was mir am besten gefällt ist sicher dass, was den meisten Leuten gut gefällt, halt Dr. Dre und andere Westcoast-Sachen. Es ist natürlich immer die Frage, ob man das, was man selber gerne hört, in seinen eigenen Sachen auch gut umsetzen kann oder überhaupt möchte. Ich meine, wir sind eine Band und da packt jeder verschiedene Einflüsse dazu.“ Dieser Band-Gedanke und auch -Sound wird seit einiger Zeit durch den Gitarristen Carsten verstärkt, der das Trio sowohl live als auch im Studio verstärkt. „Wenn man mit Musikern zusammenarbeitet, die ihr Instrument gut beherrschen, kann man die musikalischen Ideen, die man hat, einfach besser umsetzen. Man kann sich durch Musiker, die einen verstehen, mehr verwirklichen“, berichtet Stroh. „Dadurch geht die EP im Gegensatz zu unseren älteren Sachen auf jeden Fall in eine eher melodiöse Richtung. Das wird sich wahrscheinlich auch verstärken“, fügt Lingo hinzu.

Dass DNW, obwohl sie schon bald nach ihrem Zusammenkommen im Jahre 1997 sich mit bekannteren Berliner Kollegen die Bühnen teilten und auch auf dem Tape-Klassiker „Berlin No. 1 Vol. 1“ mit einem Track vertreten waren, nicht vom Berlin-Rap-Hype profitierten oder dieser Szene zugeordnet wurden, stört sie wenig. „Der Berliner Stil, der bekannt ist, ist halt punkiger und vom Sound her schmutziger. Sie finden aber sicherlich ähnliche Sachen aus Amerika gut wie wir und ich denke auch, dass sie ähnlich klingen wollen“, vermutet Stroh und Ben ergänzt: „Wir haben uns relativ früh dazu entschlossen, einen anderen Weg zu gehen und schon mehr auf die Produktion zu achten. Hinzu kommt vielleicht, dass mit dem ein oder anderen eine Kollabo für uns nicht in Frage kam, weil es allein auf der menschlichen Basis nicht so funktioniert.“ Mit der Zeit kamen trotzdem einige Features zusammen, so findet man ihre Strophen auf Tapes von Gauner, Die Sekte und S-Roc. Ben geht dennoch auf Distanz mit einem Großteil der Leute aus der Berliner Battle-Rap-Ecke. „Wir für unseren Teil können nur weiter hoffen, dass es irgendwann auch mal bei uns knallt.“

Momentan stehen allerdings erst mal andere Pläne an der Tagesordnung: Lingo veröffentlichte vor kurzem sein Solodebüt „Leben und leben lassen“, bei dem die Anderen von DNW natürlich fleißig mithalfen. „Ich glaube, besonders die Backspin fand das Album grandios“, lacht Lingo und spielt damit auf die Rezension von Sebastian Winkler an, in der dieser ihm vorwarf, „wie ein Milchbubi“ zu flowen. „Jeder hat seine eigenen zwei Ohren, ich habe auch viel Lob gehört. Es ist halt sehr sick geworden und sowohl Hamburger und Stuttgarter als auch New Yorker und Rostocker dürften sich freuen. DJ Graffiti aus Michigan hat einen Beat und die Cuts dazu gemacht, Rhymin Simon ist auf einem Track mit drauf und ein kleiner Nachwuchs-Rapper von uns namens Echo ist auch dabei.“ Ben, der ebenfalls mit einem Solowerk um die Ecke kommen will, probiert hingegen, „jetzt auch ernsthaftere Sachen zu machen, mit denen sich vielleicht Leute unabhängig vom Musikgeschmack identifizieren können. Ob die Geschichten real sind oder nicht, sei mal dahingestellt.“ Um die Resonanz macht er sich allerdings ebenso wenig Sorgen. „Meiner Erfahrung nach sind wir für viele zu kompliziert, weil man bei uns schon sehr genau hinhören muss. Es gibt einfach ein Gros von Kids, die kein Englisch verstehen, aber dieses Cool-Sein-Wollen trotzdem bevorzugen. Das ist manchmal frustrierend, obwohl wir den Spaß an der Musik dadurch natürlich nicht verlieren.“

www.dernotorischewahnsinn.de
www.lingoland.de


Autor:
Paul Schlagk
Photos:
Jessica Wotke

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