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Interview: Beatsteaks (1/2) News

Sie gehören schon lange zu den deutschen Ausnahmebands. Gesignt bei dem Kult-Punkrock Label Epitaph erreichen sie eine Zielgruppe von jung bis alt, die auf jeden Trend scheißt, und auch selbst machen sich die sympathischen Berliner keine Gedanken, in welcher Ecke des Rocks sie zuhause sind. Berüchtigt sind ihre Live-Shows, ausverkauft die Hallen und mit ihrem vierten Album "Smacksmash" dominieren sie jetzt auch Video- und Radio-Rotationen. Ein neues deutsches Aushängeschild in Sachen Rockmusik, das wir jetzt auf Tour in Köln trafen...

Bumbanet: „Smacksmash“ ist euer neues Album und klingt irgendwie anders als die Vorgänger, habt ihr bewusst etwas anders gemacht?

Beatsteaks: Auf jeden Fall, wir haben es dieses Mal wirklich das erste Mal so gemacht, dass wir es live aufgenommen haben, wir sind also zu fünft in einem Raum rein, haben mit Moses, unserem Produzenten, alle Instrumente richtig platziert, und haben dann einfach alle Songs im Studio so gespielt. Da war also alles noch dabei, Schalter klicken, Bass dröhnt in die Gitarre, alles drum und dran. Wir haben dafür drei Studios gemietet, ein kleines Keller-Studio, ein großes mit einem Saal wo auch Orchester aufgenommen werden und ein normales Studio, wo auch schon unsere zweite Platte „Launched“ aufgenommen wurde. Jeden Song haben wir in jedem Studio einmal aufgenommen und am Ende haben wir dann geguckt, wo welcher Song am besten klingt. Das haben wir dann wirklich so durchgezogen, am zweiten Tag hatten wir so dann schon zwei fertige Nummern. Im Grunde haben wir das so gemacht, damit das Album dann hoffentlich so klingt, wie wir auch live klingen. Früher war es immer das Problem, dass die Leute gesagt haben, geile Platte aber live seid ihr echt der Hammer. So haben wir jetzt versucht diese Energie auf die Platte zu bekommen und ich denke wir haben den richtigen Weg eingeschlagen.

Bumbanet: Das live spielen ist also für euch auch das erste Standbein und eure Platten stehen hinten an?

Beatsteaks: Ja, aber natürlich ist die Platte auch wichtig. Man ist ja auch stolz auf die Platte. Aber du musst das Album zwei Jahre lang ausbaden, wir müssen damit ja jetzt zwei Jahre rum fahren, und deshalb ist das Spielen schon wichtiger. Wir sind jetzt gerade den vierten Tag unterwegs und das ist einfach das Größte. Klar hat uns das Album auch Spaß gemacht, aber es ist eben noch geiler wenn wir abends vor 300 Leuten, oder heute Abend vor 1600 Leuten stehen, und die alle grinsen.

Bumbanet: Gibt es deshalb vielleicht auch mal die Überlegung ein Live-Album zu machen?

Beatsteaks: Meine Meinung ist, dass ich das eher blöde finde. Ich weiß, dass mich Live-Platten wirklich nur von den großen Jungs beeindruckt haben. Ein Live-Album von Depeche Mode z.B. ist vor 70.000 Leuten entstanden, das ist dann schon was Besonderes. Wenn wir eine Live-Platte aufnehmen wäre das im größten Fall in der Columbiahalle. Außerdem ist es noch etwas früh für eine Live-Platte und ich glaube sowieso nicht, dass es jemals von uns eine geben wird. Man muss ein Konzert auch gesehen haben, man entzaubert die ganze Sache, wenn man da einfach nur ein bisschen Musik hinpacken muss. Wenn Arnim vom Boxenturm springt muss man das einfach sehen, das Hören und Sehen müssen in dem Fall zusammengehören.

Bumbanet: Habt ihr denn Ideen eure Live-Show auch noch etwas größer auszubauen?

Beatsteaks: Wir haben so ein paar kleine lustige Sachen am Start. Ich meine wir haben keine Pyros oder keine fette Lichtshow, dafür haben wir kleine, einfache, geile Ideen, also einfach Sachen die große Wirkung zeigen, darauf stehe ich total. Bei Rammstein oder anderen Bands sind große Effekte sicher angebracht, aber für uns? Wir machen immer noch eine Punkrock-Show, da sind fünf Bengels die da holzen und schwitzen, wenn da dann Pyros ankommen sind das ganz schnell albern aus.

Bumbanet: Seht ihr euch denn selber als Punkrock Band?

Beatsteaks: Ich weiß nicht, wenn ich uns so manchmal höre, wie wir live rüberrumpeln, dann ist das schon eher Punkrock. Im Grunde mag ich diese Schubladen aber sowieso nicht, bei uns ist es Bass, Schlagzeug, Gitarre, Gesang, also ganz klassisch eine Rockband. Wenn da dann noch jemand das Attribut Punkrock drin finden will, soll er es ruhig machen, von mir aus. Manch einer sagt auch der Song klingt nach Ska, der andere nach Reggae, mir ist das eigentlich scheiß egal. Wenn ich mir selber Konzerte angucke und anderen Leuten erklären muss, was das für Musik ist, sage ich auch immer nur, das ist eine Rockband.

Bumbanet: Euer neues Album wurde von Epitaph in Zusammenarbeit mit dem Major WEA veröffentlicht, war das eine Sache die auch von euch ausging?

Beatsteaks: Auf jeden Fall, wir mussten ja auch einen Vertrag mit der WEA unterschreiben. Die hätten die Platte ohne unser Einverständnis ja nicht deutschlandweit herausbringen können. Es gab das natürlich schon öfter, dass die großen Firmen gefragt haben, wie es denn bei uns aussieht, schon seit der ersten Platte. Die Jungs, damals war ich noch nicht in der Band, haben aber gesagt, nö, wir machen das erstmal bei nem kleinen Label. Jetzt war aber die Zeit, wo wir in Deutschland den nächsten Schritt machen mussten oder machen konnten, und da bot sich die WEA halt an. Die Leute die da für uns arbeiten haben das so ein bisschen begriffen, wir haben kaum Reibereien, wir konnten uns bei allen Fragen immer relativ friedlich einigen, dafür müssen wir natürlich auch immer viel mit denen reden. Die ganzen Chartsgeschichten die jetzt kursieren und das ganze Airplay im Radio resultiert natürlich auch aus dieser Zusammenarbeit, die tragen da ihren Teil zu bei. Deshalb kann mir im Nachhinein auch keiner an die Karre pissen, von wegen Major oder so, die WEA tut was für uns, wir können größere Sachen spielen als letztes Mal, wir haben nen eigenen Bus und die Karten sind bisher alle ausverkauft. Das ist doch einfach geil, worüber soll ich mich da aufregen.

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Autor:
Bumbanet
Photos:
WEA

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