Bad Religion. Man kann sich jetzt darüber streiten, sie als lebende Punklegende zu bezeichnen, und vielleicht ging dies auch zu weit. Dennoch gibt es kaum eine erfolgreichere aktive Punkband, und auch kaum eine, die sich über 13 Alben so beständig hält. Das 13. ist „The Empire Strikes First“, in den heutigen Tagen der massiven Kritikstürme gegen Bush und seine Patrioten kaum falsch zu verstehen, und laut Aussage von Bad Religion Gitarrist Greg Hetson auch ihr bislang politischstes.
Greg Hetson ist sonst nicht der, der das Blitzlichtgewitter auf sich zieht, das große Interesse gilt Sänger Greg Graffin und Epitaph-Chef Brett Gurewitz. Vielleicht ist das auch deshalb so, weil Hetson 1980 nicht zu den Gründungsmitgliedern der Band gehörte, damals in L.A. waren es mit Jay Bentley drei. 1987 kam dann Hetson von den Circle Jerks, immer noch rechtzeitig zu „Suffer“. Es folgten die wohl am meisten prägenden Jahre der Band, Jahre die Generationen von Jugendlichen beeinflussten. Danach kam das, was nach solchen Jahren immer kommen musste und eigentlich noch keine Band verschont hat, denn nie können alle Fans mitwachsen und nie kann man mit gleichen musikalischen Ansätzen dann auch die „erwachsene Schicht“ erreichen. Die Konsequenz war die Flucht nach vorne, doch im kommerziellen Massenmarkt konnten Bad Religion ihr Heil nicht finden, zum Glück folgte jedoch ein Ende ohne Schrecken. Nach dem 2000er Werk „The New America“ kam der Split von Sony. Es war nicht das Ende einer Band, sondern nur das Ende einer Irrfahrt und gleichzeitig die Rückbesinnung auf alte Werte. Mit dem Album „The Process Of Belief“ auf Epitaph und Gurewitz zurück am Rude gelangen zwar keine neuen Jahrhundert-Punkrock-Hymnen, die Fan-Basis war aber gesichert, die Kritiker beruhigt. Im sicheren Fahrwasser schiffen Bad Religion jetzt weiter und zeigen Versuche, ihr musikalisches Fundament zu festigen, die Arrangements auf „The Empire Strikes First“ dürften auch die Älteren unterhalten, die Texte samt Gasteinlagen vom Rappoeten Francis auch die Nachdenkenden zufrieden stellen.
Im Jahr 2000 sah das noch anders aus. Es ging wohl weniger um die Inhalte, die Politik oder den Punk, es ging um den Hype. 2000 sah die Weltwirtschaft noch rosig aus. So wurde man damals zum Interview ins Kölner Luxushotel Hyatt geladen, Blick auf Dom und Rhein inklusive. Und um den Kreis zu schließen, Gesprächspartner damals war Greg Hetson. Vier Jahre später regnet es, Bad Religion ist auf Tour kurz vorm Erscheinen ihres neuen Albums. Essen heißt der Stopp, größte Stadt des Potts und NRW's Bewerber für die Kulturhauptstadt 2010. In den grauen Himmel ragt die Grugahalle, Kulturträger und trotzdem trist. Dass hier heute Bad Religion spielen verrät nur das Parkleitsystem, für die 50 Fans die sich gegen 18 Uhr bereits vor der Halle eingefunden haben, hätte man es wohl kaum gebraucht. Im Bauch der Grugahalle geht es hinter die Bühne, ein großer Raum wartet zum Interview, größer als die Lounge des Hyatt's, wenngleich auch nicht so schick und wesentlich lauter. Auf der Bühne startet der Soundcheck, perfektes Timing, dumpfe Bässe lassen den Tisch erschaudern als Greg Hetson eiligen Schrittes den Raum betritt. 10 Minuten gibt es.