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Interview: The Get Up Kids (2/3) News

Bumbanet: Was kannst du denn sagen?

Get Up Kids: „Ich bin James. Ich bin 26 Jahre alt...“ Ich kann Kaffe bestellen und nach dem Weg fragen.

Bumbanet: Nicht schlecht für nen Amerikaner. Ich dachte die meisten können keine Fremdsprachen; zumindest kein Deutsch.

Get Up Kids: Ja, das stimmt leider. Als ich zurück in Kansas war, konnte ich meine Deutschlehrerin damit begeistern nach Deutschland gegangen und die Sprache anwenden gekonnt zu haben.
Ab dann haben wir jährlich getourt und waren dementsprechend regelmäßig auch in Deutschland. Anfangs war das alles noch so unglaublich; erfolgreich zu sein mit der Band und neue Orte zu sehen. In Europa zu touren macht so viel mehr Spaß als nach Los Angeles zu gehen.

Bumbanet: Warum?

Get Up Kids: Die Menschen hier haben irgendwie mehr Ahnung von allem. Es gibt nicht nur eine Szene in der es darauf ankommt wie Du aussiehst und was Du anhast.

Bumbanet: Sind die Leute hier offener?

Get Up Kids: Ja; alle hier sind offener. Zum Beispiel kommen die Leute hier an, sagen Dir dass sie Deine Band nicht mögen und laden Dich auf ein Getränk ein. In L.A. würden sie noch nicht mal mit Dir reden. Eine witzige Anekdote: vor vier Jahren haben wir in dem Club hier gespielt und das Mädchen an der Bar meinte: „..der neue Leadsänger von euch ist aber nicht so gut wie der alter!“ Worauf ich erwidern musste, dass es immer derselbe ist.

Bumbanet: Sind die Fans in Europa anders als in den USA?

Get Up Kids: Ja; euch kann man mehr begeistern. Die Kids in den USA gehen auf ein Konzert und wollen unterhalten werden, sitzen danach an der Bar und wollen Mädchen kennenlernen. Hier ist jedesmal ne richtige Party auf dem Konzert.

Bumbanet: Lass uns ein wenig über das Label reden. Es hat sich jede Menge geändert in letzter Zeit; Ihr habt das Label geändert. Was kannst Du darüber erzählen?

Get Up Kids: Ja, als wir zuerst bei Vagrant waren, konnten wir alles von Angesicht zu Angesicht mit denen regeln. Wir waren deren größte Band. Sie hatten ein winziges Büro. Heute haben sie jede Menge Bands und das Label ist riesig geworden. Es ist zwar schön das mitzuerleben. Bei Vagrant ist es wirklich wie in ner großen Familie, weil wir mit den anderen Bands auch lange befreundet sind und oft zusammen in der Kneipe sitzen. Das ist ein seltsames Bild für Fans, die uns zufällig sehen und staunen, dass die „Bands“ zusammen ausgehen.

Bumbanet: Was wär anders gewesen, wenn Ihr bei einem großen Label gearbeitet hättet?

Get Up Kids: Wir hätten sicherlich irgendwann aufgehört.

Bumbanet: Wegen dem Druck den Sie gemacht hätten?

Get Up Kids: Das auch. Die haben einfach nicht die Zeit um sich um Dich als Künstler zu kümmern. Wenn Mariah Carey, Britney Spears und Christina Aguilera auf dem selben Label sind...Es ist wie EMINEM – GET UP KIDS...EMINEM ist ganz oben und wir hängen irgendwo weiter unten. Wenn man den Blick auf EMINEM richtet ist eigentlich klar: den braucht man nicht mehr zu unterstützen, sondern eher die kleinen Bands, wobei die meiste Zeit natürlich dafür drauf geht die großen größer zu machen.

Bumbanet: Jetzt kommen wir zum neuen Album. Ihr habt mit Scott Litt zusammengearbeitet; dem Produzenten, der auch für den Erfolg von z.B. NIRVANA, HOLE, INCUBUS verantwortlich war.

Get Up Kids: Also, es ist definitiv ein ganz anderes Album. Wir wollten auf keinen Fall ein zweites „four minute mile“ machen.

Bumbanet: Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Zumindest waren alle überrascht weil sie was anderes erwartet haben.

Get Up Kids: Das stimmt; die Leute lehnen es entweder direkt ab oder müssen sich erstmal reinhören. Wichtig ist uns aber nicht die Musik zu machen, die die Fans unbedingt hören wollen. Die Leute müssen offener für andere Musikrichtungen werden.

Bumbanet: Was war alles neu bei der Arbeit an dem Album, außer, dass Ihr einen Super- Produzenten hattet und die Texte zum ersten Mal gemeinsam geschrieben habt?

Get Up Kids: Das war allerdings neu; wir saßen zusammen und jeder hat durch seine Ideen und Verbesserungsvorschläge zu den Texten beigetragen. Vorher hatte nur einer ein Konzept und die anderen mussten einfach spielen.

Bumbanet: ...Und Ihr hattet so viel mehr Zeit für das Album.

Get Up Kids: Wir haben fünf Tage die Woche gearbeitet. Da kam so viel zusammen, dass wir den Großteil der Songs wegschmeißen mussten. Aber wir spielen immer noch Sachen aus der „four minute mile“. Langsame Stücke wie „Intimate“ und die schellen Rocksongs. Für uns gehört das alles zu GET UP KIDS. Das sind immer noch wir. Wir haben uns nicht verändert. Wir sind immer noch alberne Kids. Natürlich wird jeder älter. Wir sind keine 21 mehr.

Bumbanet: Habt Ihr so lange für das Album gebraucht, weil Ihr euch mehr Gedanken als früher um euer Leben gemacht habt? Es hat sich ja einiges getan. Inzwischen habt Ihr alle geheiratet, und einige sind schon Väter.

Get Up Kids: Ja, solche Dinge beeinflussen natürlich Deine Gedanken. Plötzlich muss man sich um Steuern und Rechnungen kümmern.

Bumbanet: Das reale Leben?

Get Up Kids: Ja; Dinge aus dem Erwachsenen-Leben. Das ist etwas, was man nach Möglichkeit vermeiden möchte. Deswegen engagiert man sich einen Tourmanager und Gitarrestimmer um einen Teil der Verantwortung loszuwerden. Was sich noch geändert hat; ich gehe nicht mehr jeden Abend in ne Bar. Außer wenn wir touren. Aber diese ganze erwachsen-werden-Sache ist bei mir extrem stark vorbeigegangen. Ich bin immer noch sehr albern, vergesse Rechnungen zu bezahlen...Ich lerne zwar dazu, doch momentan bin ich noch weit davon entfernt. Wobei bei diesem erwachsen-werden-Prozess ja nicht jeder genau dieselben Dinge durchlebt, so dass der Einfluss eines jeden Bandmitgliedes auf die Musik anders ist.

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Autor:
Ilknur Ergec
Photos:
Motor

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