| Der
10. Februar 2003, ab heute steht das fünfte Album der Braunschweiger
Band Such a Surge in den Läden. Ist so ein Release-Tag eigentlich
noch etwas Besonderes für eine Band, die wie kaum eine andere
über 10 Jahre lang einen maßgeblichen Einfluss auf die
deutsche Crossover Szene hatte?
Sänger Olli beantwortete uns diese Frage bei einem Gespräch
im Kölner Mediapark, bei dem auch noch Drummer Antek anwesend
war. Für eine Band mit soviel Routine wie Such a Surge, deren
Mitglieder auch noch in so vielen Nebenprojekten engagiert sind,
wie die bandeigene Hardcore-Punk Variante Pain in the ass, Olli’s
HipHop Ausläufer Originalton oder Antek’s Brachialrock
Revolver, ist so ein Tag kaum mit Lampenfieber verbunden. Durch
den Berg an Promotionarbeit die Wochen zuvor ist man zu sehr abgelenkt.
Ein besonderer Tag ist eher der, an dem man das Album vollendet
hat, die musikalische Arbeit abgeschlossen, oder der Tourstart,
wenn man auf die Reaktionen der Fans trifft. Bevor das neue Album
„Rotlicht“ erschien, verging eine längere Pause,
die mit den diversen Nebenprojekten gefüllt wurde, und dem
Jubiläumsalbum zum 10-Jährigen, einer Art Best-Of Doppel-CD.
Eine Sache, die nicht so recht zu der sonst normfreien Band passen
will. Das finden auch Antek und Olli, der den Hauptteil der Fragen,
wie es sich für den Sänger einer Band gehört, beantwortete.
Und so wurde die Idee auch nicht in den Bandköpfen geboren,
sondern in den Verträgen mit ihrer Plattenfirma Sony Music,
die ihnen ansonsten nicht reinredet, ein Release zu diesem Zeitpunkt
aber vorschrieb.
10 Jahre sind eine Menge Zeit, gerade im heutigen kurzweiligen
Musikgeschäft. Wirklich bewusst wird das der Band aber nicht,
dafür verging die Zeit zu schnell und eine neue Ära hat
mit dem 11. Jahr auch nicht begonnen. Stolz kann man trotzdem darauf
sein, das wurde Olli vielleicht spätestens klar, als 4 Lyn
Sänger Ron ihm auf einem Festival mitteilte, dass Such a Surge
immer sein großes Vorbild war. Und dennoch liegt eine unglaubliche
Distanz zwischen diesen beiden Bands. Das wäre möglicherweise
nicht so wenn beide Bands zu gleichen Zeit geboren worden wären.
Such a Surge glauben aber selber nicht, dass sie ihren Erfolg in
der heutigen Zeit wiederholen könnten, dafür hat sich
das Geschäft zu sehr verändert. Newcomer bekommen kaum
eine Chance, und wenn dann nur für eine Single. Danach hört
man nie wieder von den unzähligen kleinen Bands. Selbst ein
Platz im Vorprogramm eines bekannten Acts ist heute keine Garantie
mehr für den Durchbruch. Daher ist es auch fast Ironie, dass
das Video zu ihrer neuen Single „Fremdkörper“ von
MTVIVA abgelehnt wurde, Begründung man bräuchte neue Gesichter.
Aber
auch Such a Surge sind nicht dieselben geblieben, nicht die „Gegen
den Strom“ Rebellen, auch wenn dieser Song immer noch zu ihrem
festen Live-Repertoire gehört. Das hört man spätestens
seit „Rotlicht“, auch wenn sich schon vorher von Album
zu Album eine Wandlung vollzog. Aber will die Band nicht heute auch
noch provozieren, der Titel des Albums legt das ja nahe? Das wäre
jedoch zu einfach und jeder wird wohl auch etwas anderes mit dem
Begriff verbinden. So ist es auch gewollt, freie Bahn für Spekulationen
und Assoziationen, einen tieferen Sinn gibt es nicht zu finden.
Nun kann man auch sagen, das neueste ist ihr bisher reifstes und
meist erwachsenes Album. Aber das ist ja auch logisch. Nur kann
man damit noch die gleichen Leute wie mit krachenden Hüpf-Songs
ansprechen? Natürlich ist diese Frage auch Olli und Antek bewusst.
Aber erst seit dem sie mit den Aufnahmen fertig waren, beim Schreiben
macht man sich über so was keine Gedanken, da konzentriert
man sich auf die Musik und auf sonst nichts. Die Band ist sich sicher,
dass die alten Fans auch weiterhin zu den Konzerten kommen werden,
das haben sie nach den letzten Alben ja auch immer getan.
Ob das neue Material jedoch eine neue Hörerschaft erreicht
ist fraglich, zu viele Leute haben ein zu festgefahrenes Bild von
Such a Surge im Kopf. Das Crossover Image werden sie halt doch nie
los – aber das ist ja auch nicht schlecht. Die Band sieht
sich jedoch abseits solcher Eingrenzungen. Spätestens durch
die Nebenprojekte, die nun wirklich in jede erdenkliche Musikrichtung
zielten, ist klar geworden, dass es sich hier um fünf eigenständige
Musiker handelt. Und so hatte die Surge Auszeit auch bestimmt keinen
unerheblichen auf die neuen Songs. Inhaltliche Gründe gibt
es nicht für das rockigere und komplexere neue Material, es
steckt „nur“ eine musikalische Weiterentwicklung dahinter.
So lautet zumindest die offizielle Aussage der Band. Jedoch haben
sich auch die Texte verändert. Es wird nur noch auf Deutsch
gesungen, kein Französisch, kein Englisch und auch kein (kaum)
Rap mehr. Aber auch hierfür gibt es offiziell keinen Grund,
Olli und Michel schreiben die Texte frei aus dem Kopf heraus, und
da sind halt keine anderen Sprachen zwischengerutscht.
Eine Band, die über 10 Jahre erfolgreich mitmischt und mitbeeinflusst
braucht für so was aber auch keine besonderen Gründe.
Musik wird immer das Hobby und Leben von Dennis, Antek, Michel,
Olli und Axel bleiben. Weitere Such a Surge Alben sind dabei nicht
ausgeschlossen.
Such
a Surge Statements 1
Such
a Surge Statements 2
Such
a Surge Statements 3
|