Dass viele Soundsystems nach teilweise jahrelanger Dancehall-Activity anfangen selbst zu produzieren und ein Label gründen, ist längst nicht mehr die Ausnahme. Wirft man einen Blick über den großen Teich, sieht man etwa Stonelove, King Jammys oder Black Scorpio. Auf Jamaica sind die ehemaligen Selectors längst auch zu Produzenten geworden, mit internationalem Erfolg, wie man sieht.
Schnitt und Schwenk nach Hamburg. Big tings a gwaan inna di city! Hier machen nämlich seit einiger Zeit Oliver Schrader und David Meyer, vielen wohl besser bekannt als Silly Walks, nicht nur in der Dancehall auf sich aufmerksam.
Die beiden Hamburger zählen hierzulande wohl zu den ganz wenigen, die sich als Veteran Sound bezeichnen dürften, auch wenn sie von solchen Betitelungen selbst nicht viel halten. Bereits 1991 starteten Silly Walks ihre Geschichte als Soundsystem mit dem Anspruch, Reggae Music in ihrer ganzen Bandbreite der Hamburger Massive nahe zu bringen. Nachdem sie in ihrer Heimatstadt schon zu Lokalmatadoren in Sachen Reggae und Dancehall geworden waren, ging es in den nächsten Jahren – mit Gentleman als Deejay – daran auch die restliche Republik für die Reggae Vibes zu sensibilisieren.
„Seit ´98 haben wir uns nebenbei dann auch schon mal mit dem Remixen beschäftigt. Wir wollten mehr über die Technik lernen und uns das nötige Handwerkszeug aneignen. Anfang 2000 haben wir dann unser eigenes Studio eingerichtet und beschlossen, den Spieß mal umzudrehen. Das heißt also, kein bereits schon vorhandenes Material mehr zu bearbeiten, sondern lieber selbst die Grundlagen zu schaffen, um mehr Einfluss auf die Musik nehmen zu können.“ (Olli)
2002 war dann das Jahr der ersten eigenproduzierten Silly Walks LP, auf der nationale wie internationale Artists vertreten sein sollten. Das Ergebnis hieß „Songs of Melody“, war rootsgewandter Modern Reggae und featurete neben deutschen Artists wie Gentleman, Patrice und Martin Jondo auch jamaikanische Größen wie Tanya Stephens, Buccaneer, Jah Mason, Turbulence oder Lutan Fyah. Das war 2002.
Ein Jahr später folgt jetzt der nächste Streich der beiden Hamburger. Und als Unterstützung haben sie sich keinen geringeren ausgesucht als den Sänger und Songwriter Patrice. „Silly Walks Movement meets Patrice“ lautet der Titel der gemeinsamen Produktion und ist eine Zusammenarbeit der ganz besonderen Art. Die einzigartige Stimme des 23jährigen verschmilzt mit den kräftigen neo-klassischen Roots Riddims aus der Silly Walks Schmiede so elegant, als hätte man schon immer zusammengearbeitet.
„Es gibt immer Leute, die man im Auge hat und mit denen man sich eine Zusammenarbeit gut vorstellen kann. Patrice war einer von denen, auf die wir musikalisch einfach total Bock hatten. Für ihn sprach zudem, dass wir uns wunderbar verstehen und er gleichzeitig ein großartiger Songwriter ist. Die Zeit für die EP war sehr knapp bemessen, aber weil er so kreativ ist und ständig mit neuen Ideen ankommt, war das alles gar kein Problem.“ (Olli)
Mit Patrice’s Backingband „Sashamani“ sowie Gitarristen und Bläsern aus dem Umfeld von Silly Walks wurden dann die Riddims eingespielt und gemeinsam mit der Arbeit begonnen. Am Ende entstanden zehn Tracks, die sich wirklich sehen lassen können. Ob das kräftig treibende „Truth no more“, das wunderschöne Akustikstück „Truly Majestic“ oder die eingängigen Hooklines bei „Moonrise“ und „Everyday Good“ - Patrice überzeugt auf ganzer Linie und zeigt, dass er auch auf Strictly Reggae Riddims zu Hause ist.
„Mir selbst geht es in der Musik nicht um Genres. Hauptsache ist, dass die Songs und meine Texte die Leute berühren und Ausdruck haben. Es müssen Sachen sein, die authentisch sind und etwas bei den Menschen bewegen. Es geht dabei von reinen Liebesliedern über Songs mit sozialkritischen oder religiösen Texten. Themen, die die Leute immer beschäftigen werden. “ (Patrice) Die gemeinsame EP „Silly Walks Movement meets Patrice“ erschien am 15. September bei Four Music.