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Feature: Sean Paul News

Bislang war der 27-jährige Jamaikaner nur in der Reggae & Dancehall Szene bekannt, seit seiner Single "Gimme The Light" kennt ihn die ganze Welt. Und auch sein Album "Dutty Rock" wird den Dancehall in die Köpfe der Leute pushen....

Wofür steht der Albumtitel "Dutty Rock"?

Mein Album heißt "Dutty Rock". Also "Schmutz Rock". Das steht dafür, wie ich bin, wie der "Schmutz-Typ" eben so ist, wie wir rocken. So heißt das Album: "Dutty Rock".

Wenn man es genau nimmt, ist dein neues Album, mit all seinen Hits, fast schon ein "Best of", oder?

Das mache ich gerne. Ich arbeite jetzt schon am dritten Album, indem ich neue Singles mache. Neue Songs, die ich jetzt schon liebe und von denen ich weiß, dass es gute Songs sind. So erarbeite ich ein Album: Ich bringe ein paar Singles raus und die, die am besten funktionieren, packe ich dann mit ein paar neuen für ein Album zusammen. Bei diesem Album sind natürlich die Skits neu und auch die Songs mit Tony Touch, Rahzel und der Remix mit Busta Rhymes. So gefällt es mir. Ach ja, und dann habe ich noch eine Produktion mit den Neptunes gemacht. "Gimme The Light" war ursprünglich nur eine Single, eine 45er (Vinyl 7"). Nur so. Aber das gilt für ein paar Songs auf dem neuen Album, auch für "Like Glue". Die neuen Songs sind die mit Tony Touch, Rahzel, Busta Rhymes. So mache ich Alben. Lange Rede, kurzer Sinn.

Dein Manager hat mir eben erzählt, dass "Gimme The Light" schon vor über einem Jahr ein Hit auf Jamaika war. Wieso hat es so lange gedauert, bis der Song hier in die Charts kam?

Auf Jamaika produzieren wir so viele Platten. Und dann finden wir heraus, dass der Rest der Welt die erst später mitbekommt. Es gibt auch andere Songs, die gleich auf der ganzen Welt funktionieren, wie die von Shaggy zum Beispiel. Shaggy kam auf Jamaika mit etwas, das kurz darauf auch im Rest der Welt akzeptiert wurde. Aber es geht auch anders. Wir produzieren so viele Songs in einer Woche, in einem Monat, dass die Leute da manchmal nicht mitkommen. Die Leute hören etwas, das sie mögen und das sie gewohnt sind. Aber wir haben inzwischen schon drei weitere Sachen produziert (sind schon drei Schritte weiter). So war es auch mit "Deport Them" und "Hot Gal Today", den beiden Songs von meinem ersten Album, die groß wurden, zuerst in New York. Wie war das noch? Die beiden waren gleichzeitig in den Billboard-Charts und wurden beide im Hip Hop-Radio gespielt. Und die Leute verstanden immer noch nicht, was ich sage. Die Leute dachten: "Was ist das? Wie meint er das, "Deport Them"?" Es braucht etwas Zeit, es zu verstehen. Es braucht Zeit, zu wachsen und zu gedeihen. Und es hat fast zwei Jahre gebraucht, um vom jamaikanischen Markt zum amerikanischen zu reifen. Bei "Gimme The Light" ging das schon etwas schneller. Der Erfolg in Amerika kam schon ein knappes Jahr nach dem auf Jamaika. Es ist ein großes Ding geworden. Auch weil das Video überall läuft, mit der ganzen lebhaften Energie, dem Tanzen und so. Dafür bin ich Little X (dem Videoregisseur) echt dankbar. Und auch den Tänzerinnen und der ganzen Crew.

Nochmal für Doofe: Was ist Dancehall?

Meine Musik heißt "Dancehall" und ist der Sohn des Reggae und der Bruder des Hip Hop. Es ist Reggae Clubmusik, weißt Du? Das ist der Vibe, wenn Du mich fragst.

Vater Reggae ist klar. Aber seit wann ist Bruder Hip Hop im Spiel?

Ich habe gemerkt, dass Dancehall definitiv mit Hip Hop verwandt ist. Dancehall ist ein Club-Ding und ist schon in der Hinsicht mit Hip Hop verwandt. Aber auch so: Kool Herc (einer der ersten Hip Hop DJs in New York) wird allgemein als der angesehen, der diesen Style, diese ganze Bewegung, entwickelt hat. Er ist einer der Großen seiner Generation. Und der kam auf Jamaika zur Welt. Und das gilt auch für andere einflussreiche Hip Hop-Künstler. Wie etwa Salt'n'Pepa. Eine von ihnen, Pepa, kommt aus Jamaika. Oder auch Heavy D, Special Ed, und- ich weiß nicht, ob den Jeder kennt- Shinehead? Diese Jungs wurden alle auf Jamaika geboren. Slick Rick und Doug E. Fresh haben karibische Wurzeln, Granada und Jamaika, respektive. Und natürlich auch Christopher Wallace, also Biggie (Smalls a.k.a. The Notorious BIG) und Busta Rhymes. Sie haben Verbindungen nach und Wurzeln auf Jamaika. Leute wie KRS-One haben oft jamaikanische Chants in ihren Songs benutzt. Dem muss ich auch Respekt zollen. Es gibt also im Hip Hop viel Einfluß aus Jamaika. Womit ich nicht sagen will, dass unsere Musik nicht auch umgekehrt vom Hip Hop beeinflusst wurde. Wir machen immer noch viele Cover, wie alle wissen. Aber schon der große Bob Marley selbst, der Reggae international und im ganzen Universum berühmt und bekannt machte, hat gesagt, dass er vom Blues der 50er Jahre inspiriert wurde. Das zeigt mir nur, dass die Musik in unserer Zeit einfach komplett "vermischt" ist. Früher war alles eine Frage der kulturellen Identität. Die europäische Musik hatte viel mit Saiteninstrumenten und Streichern zu tun. Das afrikanische Ding war der Beat, die Drums, zumindest mehr. Inder spielten Flöten und so. Heute kommt alles zusammen. Und Hip Hop hat R&B und Soul miteinander verschmolzen. Und jetzt verschmilzt es das auch noch mit Dancehall. So ist es im Laufe der Jahre geschehen. Und es ist einfach eine Genesis, die ich mit Freuden sehe.

Shaggy war ja eher im Pop erfolgreich. Ansonsten beschränkt sich der Einfluss von Dancehall im Hip Hop eher auf kurze Zitate. Vielleicht abgesehen von Ini Kamoze oder so. Aber zumindest was den großen Durchbruch im Hip Hop-Markt angeht, bist Du eigentlich der erste vom Hip Hop akzeptierte Dancehall-Star, oder?

Es ist nicht nur mein Werk. Ich rede auch davon, dass heutzutage Hip Hop-Produzenten Songs produzieren, die wie Dancehall-Tracks klingen. So wie zum Beispiel Timbaland mit "Ugly" für Bubba Sparxx. Ich liebe den Produzenten und den Künstler, aber es klingt sehr nach Dancehall. Und auch diese eine Nummer von Tweet, die genau wie dieser Song von Beenie Man ist. Das klingt für unsere jamaikanischen Ohren sehr vertraut. Und bestätigt uns auch irgendwie. Denn all diese Jahre haben die Medien, unserer jamaikanischen Medien, immer wieder geschrieben: "Dancehall ist zu monoton. Es ist immer wieder dasselbe. Und außerdem macht ihr zu viele Coverversionen." Aber das ist nunmal der Vibe auf Jamaika, also machen wir das. Wir mögen einfach Musik. Dafür werden wir kritisiert und müssen uns dann diese Sachen anhören. Sowas haben sie früher auch über Hip Hop gesagt. Aber jetzt sehe ich hier Produzenten, die hier Dinge machen, die wie das klingen, was wir machen. Es erinnert mich an die Achtziger, als Hip Hop größer wurde und viele gesagt haben, dass sich das nicht durchsetzen würde. Dann geht auf einmal Deutschland darauf ab. Und dann Japan. Und viele dieser Leute haben doch keine Ahnung, was Method Man sagt. Viele Leute verstehen ja auch nicht, was ich gerade sage. Aber trotzdem hören sie meine Musik und sie gefällt ihnen. Und deshalb erinnert mich diese Entwicklung im Hip Hop an das, was jetzt mit Dancehall passiert. In den Clubs läuft die Musik ja schon seit Jahren. Ich war irgendwo in einem Club in Manhattan und der DJ spielte Dancehall. Und nicht mal modernen Dancehall, sondern einen alten Track von 1991. Der Künstler hieß Dirtsman, er war Papa Sans Bruder. Mittlerweile ist er tot. Da dachte ich mir: "Diese Musik von diesem Typ läuft in einem Club und er selbst ist an einem anderen Ort. Ich frage mich, ob er das da oben mitkriegt? Und ob sein Bruder das weiß?" Und ich denke nur: Wow! Und diese Leute in dem Club kannten den Song und sangen mit. Das ist Macht. Das ist Musik, die bleibt. Ein echter Teil der Musikgeschichte. Es macht einen echten Unterschied. Und es ist Clubmusik. Einfach ein Vibe.

Du hast eben die "Globalisierung" des Hip Hop angesprochen. Es gibt in Deutschland auch einige "heimische" Dancehall-Künstler. Gentleman zum Beispiel.

Gentleman! Den kenne ich! Der ist verrückt! Ein echt guter Typ. Der klingt wie Sizzla oder so, echt Hardcore. Der ist super! Ich war letztes Jahr mit ihm zusammen auf Tour in Deutschland. Ich war mit Red Rat und Buccaneer in Leipzig und Berlin. Wir waren überall in Europa. In Deutschland und ich glaube auch in Holland ist Gentleman in unserem Vorprogramm aufgetreten. Er war der Wahnsinn! Total wild! Ein guter Typ. Hardcore!

Auf deutsch klingt Gentleman wie jeder andere Kölner auch. Aber wenn's um englisch geht, kommt da nur der verschärfteste jamaikanische Akzent, echtes "Patois".

Das ist auch bei einigen Japanern so. Die kommen nach Jamaika und können eigentlich nicht so gut englisch, aber "Patois" beherrschen sie perfekt. Das ist schon lustig.

Ist es nicht besonders lustig, wenn sie zum Beispiel Zitate aus deinen Songs benutzen?

Sie zitieren bestimmte Sachen, wie zum Beispiel "Deport Them". Und dann fragen sie mich: "Was sagst Du danach?" Bei "Gimme The Light" ist es jetzt etwas einfacher. Ich habe versucht, da eher vom Hip Hop beeinflußte Ausdrücke zu benutzen. Internationale Einflüsse, wie zum Beispiel bei "dro". Jamaikaner sagen doch nicht "dro". Am Anfang wussten die Jamaikaner nichts damit anzufangen: "Wie sagt man das jetzt? "Pass the drow"? "Pass the dior"?" Ich musste es erst mal erklären und dann verbreitete sich das Wort. "Oh, das ist ein neues Wort für Ganja? Sehr gut. Ein echter Weed-Song, cool!" (Zu diesem französischen Champagner) sagen wir auch nicht "Moe" in Jamaika. Wir sagen: "Gib mir den Moet." Ich benutze vertraute Begriffe. Wie auch "dough". Das sage ich immer. Auf Jamaika sagt man "Money" oder "Cash". Manchmal benutzen die Leute auch "dough" in diesem Sinne, aber eher selten. Ich benutze sie, weil sie international sind. (singt) "Cause I'm inna the vibe and I got my dough/ bus another buckle a moe." Das letzte bedeutet: "Bust another bottle of Moet" (mach noch `ne Flasche "Moët et Chandon" auf). Indem ich diese Sprache benutze versuche ich moderner zu sein. In "Like Glue" singe ich auch: "All I know the time is getting dread/ Need a lotta trees up in my head". Jeder weiß, was das bedeutet: "Time is getting dread and I need trees up in my head." (Es ist Zeit, zu kiffen). Ich habe auch den Song "Get Busy" auf dem Album, der für mich der universellste Party-Song auf dem Album ist. Denn er hat Worte, die schon viele Leute benutzt haben, die ich aber auf meine eigene Art und Weise sage. Es geht so: "Get busy/ Just shake that booty non-stop when the beat drop just keep swinging it/ Get jiggy/ Get crunked up percolate anything you want to call it/ Oscillate your hip and don't take pity/ Me want fi see you get live `pon the riddim weh me ride/ And me lyrics provide Electrickcity/ Gal Nobody Can't do you nuttin`/ Caw you don know your destiny". Diese Worte sind einfach....natürlich kann man sie nicht verstehen, wenn man kein englisch versteht. Aber ich denke, dass ich sie schon ziemlich deutlich sage. "Let's party!" Das zeigt auch meine Entwicklung im Vergleich zum ersten Album. Da war zum Beispiel "Deport Them" (, den zuerst Niemand verstanden hat). Jetzt ist es ein bisschen besser und die Leute verstehen die Songs schneller.

Dein neuer Hit in New York ist "I'm Still in Love With You", ein echter jamaikanischer Klassiker. Und eher "Lovers Rock" als "Dutty Rock", oder?

Ja, das verdanke ich Murray Elias (dem A&R Project Coordinator und einem der "Executive Producers" des Albums). Er ist sehr cool, ein guter Mann. Er weiß viel über diesen Style. Und er erzählte mir damals von diesem Projekt und dass es großartig wäre, dabei zu sein. Über die Jahre haben mir die Leute immer wieder gesagt, dass ich ein guter DJ (ein jamaikanischer DJ ist eher das, was man sonst einen MC nennt) bin und reichlich Melodie habe. Aber sie meinten auch, dass ich es mal mit etwas Old School-Zeug versuchen sollte. Und ich habe das nie gemacht. Hauptsächlich, weil ich beweisen wollte, dass ich ein echter Dancehall-Künstler bin. Wo ich herkomme, hat man mich früher oft als "Uptown Sensation" abgetan. Ich fiel auf, weil ich anders und nicht hardcore war. Also wollte ich mich beweisen und habe nur noch "Hardcore Riddims" gemacht. Statt der entspannteren Sachen. Murray meinte, dass ich es auf diesem Album mal versuchen sollte. Weil es Wachstum, Entwicklung zeigt und anders ist. Ich habe sowas früher schon mal auf Dubplates gemacht, aber das ist etwas besonderes. Ich bin mir sicher, dass man in Deutschland weiß, was "Dubplates" sind. Er (Murray) meinte also, dass wir das machen sollten. Also gingen wir zu "Steely & Clevie" (legendären jamaikanischen Produzenten, die den Song geschrieben haben und für deren "Tribut-Album" der Song aufgenommen wurde). Die Sängerin (auf dem Track) heißt "Sasha". Sie hatte mal einen Song auf dem "Deport Them"-Riddim. (singt) "I would like to get to know you, Baby/ Like to get..." Ich mochte ihren Vibe noch von diesem Song und meinte; "Okay, lass es uns machen!" Es ist also ein Remake eines großen, alten, jamaikanischen Hits. (singt) Ein großer Vibe!

Dein Album erscheint aufgrund einer "strategischen Allianz" von VP Records und Atlantic weltweit über Atlantic und deren Partner. Was ist das für ein Gefühl, der erste Künstler zu sein, der im Zuge dieser Zusammenarbeit auf die Welt losgelassen wird?

Das ist sehr besonders. Ich fühle mich gut dabei, an erster Front in dieser Bewegung zu sein. Denn ich bin Jemand, der fair genug ist, Platz für andere zu lassen, in die sie hinein wachsen können. Es gibt viel Gerangel und viele Intrigen in diesem Geschäft. Und ich bin Jemand, der nicht glaubt, dass ich andere unterbuttern muss um selbst irgendwo hin zu gelangen. Ich mache einfach mein Ding. Und die andern sollen ihres machen. Ich denke also, dass ich ein guter Repräsentant für Dancehall bin, der den Weg ebnet. Und ich bin stolz darauf. Ich verdanke es den Fans, den Leuten, die mich schon früher unterstützt haben. Die haben es doch erst ermöglicht, dass mich eine große Plattenfirma wie Atlantic ansieht und denkt: "Interessant...".

Das klingt ziemlich bescheiden. Und auch Dein Name ist eigentlich eher bescheiden für Dancehall-Verhältnisse.

Ich heiße nun mal Sean Paul. Im Dancehall sind die Namen normalerweise über lebensgroß. Und ich wollte mich davon absetzen. Es ist eine andere Zeit. Und ich musste auch sehr viel lernen und habe mir Zeit dafür gelassen. Ich bin nicht gleich aggressiv und angeberisch angekommen. Ich kam und meinte: "Baby Girl, don't cry no more..." Danke. Und dann ging ich wieder ab. Ich wollte gar nicht jeden Tag auf die Bühne oder vor die Kameras, weil ich wusste, dass ich das eines Tages noch so oft machen müsste, dass es gar keinen Sinn machen würde, schon vor meiner Zeit da hin zu wollen. Ich wusste schon, dass es mir eines Tages zum Hals `raushängen würde, weißt du? Ich entspannte mich und beschloss, zuerst mehr zu lernen, bevor ich einfach da raus rannte und irgendetwas machte, von dem ich dachte, dass es mein Publikum hören will. Das passiert so oft: Ein Künstler hat einen Hit und baut dann seine ganze Karriere nur um diesen einen Song herum auf. Dabei könnte er so viel mehr sein, ein vielseitigerer Künstler. Ich versuchte herauszufinden, was das Publikum von mir erwartet. Ich versuchte Songs mit verschiedenen Konzepten. So dass die Leute merkten: "Der singt ja gar nicht immer über die selben Dinge!" Ich singe über viele Ladies und Dinge, die mit den Ladies zu tun haben. Aber es sind unterschiedliche Songs. In "Baby Girl" meinte ich nur: "Weine nicht. Wenn er dich schlägt, komm zu mir." Das war echt etwas anderes damals. Beim nächsten Song ging es darum, den Ladies gegenüber nicht schüchtern zu sein. Ich selbst war ein schüchternes Kind. Also habe ich den Leuten das erzählt, was ich gelernt habe. Im nächsten Song "Deport Them" war ich dann der Player. Da hatte ich dann schon so viele Girls, dass wenn eine sich nicht benahm oder sich nicht ihren mentalen Kapazitäten entsprechend verhielt, sie einfach abtransportiert wurde, damit die nächste ran kann. Das war der Player-Vibe! Dann kam ein Song mit Vegas, bei dem wir uns um ein Girl stritten. Genau wie damals Michael Jackson und Paul McCartney bei "The Girl Is Mine". Es sind also immer wieder andere Konzepte. Es ist nicht immer wieder dasselbe. Und das geht auf dem neuen Album so weiter. Es sind alles im Prinzip Partytracks, aber trotzdem sind alle unterschiedlich.

Du hast vorhin von einer Deutschland-Tour erzählt...

Mann, als ich da war, erzählte man mir, dass da etwa 80 Millionen Menschen leben. Wahnsinn! Neben mir im Flugzeug saß ein kleinen Mädchen und ich hatte mein erstes Album mit. Mir fiel auf, dass sie CDs hörte und ich fragte sie: "Magst Du Ragga?" Ich dachte, dass sie diesen Begriff vielleicht kennt. Dann habe ich ihr meine CD gegeben. Ich hoffe, dass sie jetzt irgendwo da in Deutschland sitzt und mich sieht. Dann kann sie allen erzählen: "Der hat mir seine erste CD gegeben!" Respekt.

Wie ist es zu dem Feature von Busta Rhymes auf dem Remix von "Gimme The Light" gekommen?

Er hat jamaikanische Wurzeln. Und er ist der einzige Hip Hop-Künstler, dem es wirklich gelungen ist, Jamaika zu infiltrieren. Die Mehrheit der Leute steht nicht so auf Hip Hop. Es gab zwar immer schon Leute auf Jamaika, die Hip Hop hörten. Die Szene lebt da schon. Aber wenn man zum tanzen geht, wird immer noch hauptsächlich Dancehall und Reggae gespielt. Hauptsächlich jamaikanische Sachen, Als das Musikfernsehen nach Jamaika kam und dann alle Kabel hatten, bekam Hip Hop einen Aufschwung. Und Busta Rhymes war einer der ersten, die nach Jamaika kamen und total abgeräumt haben. Wenn andere Hip Hopper kamen, haben die Jamaikaner das oft nicht verstanden, weil die einfach nur ihr Ding machten und nicht mit ihnen reden. Jamaikaner wollen, dass man mit ihnen redet. Sie wollen einen guten Vibe, eine Performance. Busta Rhymes kam 1997 und hatte einen Riesenerfolg. Und ich war seine Vorgruppe. Das war ein großes Ding für mich, weil ich ihn ja noch von seiner Gruppe, den "Leaders Of The New School" kannte. Es war etwas sehr besonderes für mich, dass er diesen Remix mit mir gemacht hat. Und ich bin sehr froh darüber, dass er das klar gemacht hat. Wenn Busta nach Jamaika kommt, verfällt er sofort in "Patois", wie auch am Anfang des Remixes. Er ist ein guter Typ. Und tut sehr viel für Hip Hop. Allein schon wegen seiner Energie.

Zwei andere amerikanische Gäste auf Deinem neuen Album sind Rahzel, die ehemalige Human Beatbox der Roots, und der New Yorker DJ Tony Touch.

Rahzel ist ein sehr ernsthafter Typ. Sehr cool. Und er hat schon viele Jahre in diesem Geschäft hinter sich. Er hat schon ein eigenes Album gemacht und jetzt arbeitet er am nächsten. Ich fühle ihn. Er wollte mich auf seinem Album haben und fragte, was das kosten würde. Ich meinte: "Mir wäre es lieber, dass Du auch was auf meinem Album machst." Das war ein echt guter Vibe. Das gleiche mit Tony Touch. Ich bin auf seinem neuen Album und er ist auf meinem. Es ist eine Kollaboration. Und das mag ich. Ich wollte nie einfach nur so mit Jemandem zusammenarbeiten. Tony Touch kannte ich, weil ich ihn schon oft auf Tour getroffen habe. In Miami und Orlando, zum Beispiel. Wir trafen uns öfter mal im Flugzeug und grüßten uns. So war das auch mit Busta Rhymes. Ich habe zweimal für ihn im Vorprogramm gespielt, als er nach Jamaika kam um die Insel dem Erdboden gleich zu machen. Jetzt werde ich hier oben (in New York) populär und so haben wir uns öfter im Studio wiedergetroffen. So ist es auch mit Rahzel. Unsere Leute kannten sich. Wir haben dann eine Woche miteinander abgehangen und dann einfach den Song gemacht. So gefällt es mir. Ich will wissen, wie die Leute so drauf sind, mit denen ich arbeite. Dann wird alles cool, weißt du?

www.seanpaul.de

 

Autor:
Bumbanet, Interview by Eastwest
Photos:
Eastwest

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