| Sabrina Setlur ist momentan in aller Munde. Schön, dass es aufgrund ihres Albums ist und nicht wie in den letzten Jahren wegen ihres Privatlebens. Auch ich traf mich mit Sabrina in Hamburg, um über ihr Album zu sprechen. Obwohl sie vor mir ungefähr acht Stunden mit anderen Redakteuren gesprochen hatte, nahm sie sich ausreichend Zeit, um mit mir ein ausführliches, informatives und sehr ehrliches Interview zu führen.
Als Sabrina 1993 von dem namentlich wohl bekannten Thomas Hofmann (Rödelheim Hartreim Projekt) entdeckt wurde, war wohl noch keinem bewusst, was da auf uns zukommen sollte. Mit „Hier kommt Schwester S“ und „Ja klar“ machte sie 1995 erfolgreich auf sich aufmerksam, so dass ihr Debütalbum „S ist soweit“ im selben Jahr noch die Charts stürmte. Zwei Jahre lang wurde dann auf weitere Releases gewartet. Das zweite Album „Die neue S-Klasse“ und die dazugehörigen Singles „Folge dem Stern“, „Du liebst mich nicht“ oder das legendäre „Frei sein“ featuring Xavier Naidoo waren große Erfolge. Moses Pelham hatte inzwischen 3p gegründet, und so war es möglich, ihre Platten auf diesem Label zu veröffentlichen. Zusammen mit Martin Haas produziert er bis heute sämtliche Veröffentlichungen der Rödelheimerin. Auch heute ist Moses noch stets an Sabrinas Seite.
„Moses bedeutet alles für mich. Zum einen ist er auch mein Entdecker, zum anderen ist er nicht nur mein Produzent, sondern auch mein Mentor. Das hört sich vielleicht alles sehr schleimig an, aber ich habe sehr viel von ihm gelernt, und ich respektiere ihn in aller Hinsicht, sei es seine Arbeit oder als Mensch. Ich bin überzeugt, dass er einer der talentiertesten Menschen ist, die es überhaupt gibt und ich bin sehr stolz mit ihm zusammenzuarbeiten. 3p hatte immer meinen Rücken, egal wo ich war. Ich glaube, ich würde mich in so einem großen Label gar nicht wohl fühlen. Moses fördert die Kunst und gibt den Künstlern Zeit sich zu entwickeln und die Kunst so zu betreiben, wie man es für richtig hält.“ Bis 2001 kann Sabrina drei Alben und eine Menge Singles auf ihrem Konto verbuchen. Nach dem dritten Werk „Aus der Sicht und mit den Worten von …“ und den darauf folgenden Singles „Hija“ feat. Cora E. und Brixx, „Letzte Bitte“ und „Alles“ folgte 2001 „Keine ist“. Dann wurde es eher ruhig um Sabrina, zumindest was die musikalische Seite angeht. In der Presse verschwand sie aber eigentlich nie ganz. Ihre Kurzbeziehung zu Boris Becker war für die Medien ein gefundenes Fressen. Sabrina musste lernen, was es heißt, von der Presse verrissen zu werden und zuzusehen, wie Freunde oder Familie belästigt werden. Trotzdem konnte sie auch viel lernen. Nach einer musikalischen Auszeit folgt nun ihr nächster Streich und sie genießt es wahrlich, endlich über ihr Werk „Sabs“ sprechen zu dürfen.
„Ich bin glücklich, über die Platte sprechen zu können, weil ich glücklich über das Album bin. Das gesamte Album ist viel direkter, man findet schnellere und härtere Beats, und es ist eine abgeschlossene, runde Sache. Ich komme schneller zum Punkt als bei den vorherigen Sachen. Das war auch das ursprüngliche Konzept, das ich mir mit Moses überlegt habe. Wir haben uns hingesetzt und waren uns einig, dass wir dieses Album konzeptionieren wollen.“
Als erste Singleauskopplung entschied man sich für „Ich bin so“. Gerade in diesem Track merkt man, wie sich Sabrina entwickelt hat. Sie hat dazugelernt und weiß, wie man mit der Presse umgehen sollte. Mit „Ich bin so“ liefert sie zwar keine Antwort darauf, warum Zeitungen meinen, dass ihre Gewichtabnahme oder ihr Privatleben ein ganz großes Thema seien. Aber sie ist nun mal so, dass die Zeitungen über sie schreiben wollen. Es wäre schön gewesen, hätten sie sich auch jetzt auf das Wesentliche konzentriert, nämlich Sabrinas Musik.
„Man kann es ja nicht beeinflussen, wenn Leute Dreck über mich schreiben. Ich gehe ja mal davon aus, dass keiner von diesen Leuten meine Platte gekauft hat, weil es sie gar nicht interessiert, wer ich wirklich bin oder was ich tue. Mich interessieren diese Leute deshalb genau so wenig. Es ist bestimmt kein Wunsch von mir in diesen Blättern zu stehen. Ich denke, ich bin jetzt gewappneter und auch vorsichtiger geworden, was die Presse angeht. Ich gehe jetzt einfach mit anderem Wissen heran als noch vor ein paar Jahren. Das ist schon ein „Learning by doing“- Prozess gewesen. Wäre ich die Schule nicht gegangen, hätte ich sicher nicht meine Lehren daraus ziehen können.“
Es gibt viele, die eine vorgefertigte Meinung von Sabrina haben. Ihr ist das ziemlich egal. Sie lässt sich davon nicht abhalten ihr Ding durchzuziehen und versucht sich nicht zu verändern. Warum auch, denn wo bliebe dann die Ehrlichkeit in der Musik?
„Es ist mein Album, und ich überlege mir, was ich will und wie ich es präsentiere. Das ganze Gerede ist unwichtig. Ich habe meine eigene Schublade, das bin ich. In welche Schublade die Leute mich stecken, das ist mir völlig egal. Passt du nicht in diese, suchen sie eine andere für dich. Ich gehe nicht darauf ein, deshalb können mir diese Leute nichts. Ich bin so wie ich bin und so ist das.“
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