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Band Genesis kennt jeder, ebenso ihren Sänger Phil Collins.
Weitaus weniger Leute jedoch wissen, dass Ray Wilson der Nachfolger
von Collins bei Genesis war. 1996 war das, die Zeit des Schotten,
der Anfang der 90er mit der Band Stiltskin bekannt geworden war,
bei Genesis war allerdings nicht von Erfolg gekrönt, was folgte
war der tiefe Fall. Ray Wilson raffte sich jedoch wieder auf, machte
solo weiter und fasste durch Kollaborationen wie mit den Turntablerockers
wieder Fuß. Sein Solo-Debütalbum "Change" steht
jetzt in den Läden und wir sprachen mit dem Sänger und
Songwriter in Köln über den Neuanfang und die Vergangenheit...
Bumbanet: Mit deinem neuen Album „Change“ bist
du zu einem kleinen Label, Inside Out, gegangen, warum hast du dich
für sie entschieden?
Ray Wilson: Der Grund war eigentlich ganz einfach, sie hatten dieselbe
Einstellung. Ich denke, dass die Ideen, die hinter Majors stehen,
im Moment für mich nicht richtig, nicht passend wären.
Es ist schön mit einem kleinen Team zu arbeiten, mit dem man
sich auch verbunden fühlt. Das ganze Platten-Business ist schrecklich,
das ist alles Bullshit, gerade bei den großen Firmen, die
sehen das wie ein Monopoly Spiel. Und das ist ganz einfach nicht
das, was Musik sein sollte. Deshalb bin ich über mein kleines
Label sehr glücklich.
Bumbanet: „Change“ ist dein erstes richtiges
Solo-Album, warum hast du gerade jetzt den Weg für deine Solo-Karriere
geebnet?
Ray Wilson: Ich fand einfach, dass es gerade der richtige Zeitpunkt
ist. Ich hatte in meinem Leben mit einigen Bands und Musikern zu
tun, Stiltskin und Genesis, Turntablerockers, Armin van Buuren oder
die Scorpions – jetzt wollte ich meine eigene Identität
entwickeln. Als ein Songschreiber. Als Sänger kennen die Leute
meine Stimme ja schon, denke ich, aber als Songschreiber kennt man
mich noch nicht, abgesehen von den wenigen Sachen die ich bei Genesis
geschrieben habe. Meine Karriere sollte jetzt in eine andere Richtung
gehen, in meine Richtung. Und ich fühle mich als ob ich wieder
ganz von vorne angefangen hätte.
Bumbanet: Warum hast du den Namen „Change“
für das Album gewählt, worin spiegelt sich das wieder?
Ray Wilson: Change ist die Veränderung in mir. Vor einigen
Jahren war ich noch am Boden und sehr deprimiert, sehr unglücklich.
Musik hatte mir damals keinen Spaß mehr gemacht. Ich fühlte
mich wie in einer Maschine, und als ich aus der Depression heraus
kam, begann ich Akustik-Shows zu spielen, einfach nur zum Spaß.
So habe ich meine Liebe zur Musik wieder entdeckt. Ich habe mir
zu dieser Zeit viele Fragen gestellt, über mich und mein Leben,
und ich habe in der Zeit auch viel über mich gelernt. Und deshalb
handelt Change von der Veränderung in mir.
Bumbanet: Die Titelnamen auf deinem Album sind sehr allgemein
und kurz gehalten, wie z.B. „Believe“, „Another
Day“ oder „Beach“. Es steckt aber trotzdem mehr
dahinter?
Ray Wilson: „Beach“ z.B. handelt von einem Strand im
Süden von Norwegen, das ist ein sehr belebter Strand und dort
wurden zwei Kinder tagsüber ermordet. Der Keyboarder mit dem
ich viel gearbeitet hatte lebte dort, und deshalb erinnere ich mich
an dieses Ereignis, und auch daran, dass es mich sehr berührt
hatte, dass so etwas an einem solchen Ort passieren kann. Ich meine
ein Strand ist ja eigentlich ein sehr schöner Ort, wo man glücklich
ist und Spaß hat. Das habe ich jetzt in dem Song aus einer
anderen Perspektive betrachtet, es steckt also schon viel mehr dahinter
als man vermuten könnte. Andere Songs sind über die Entwicklungen
in meinem Leben geschrieben, Sachen die passiert sind und großen
Einfluss auf mich hatten, ob es Beziehungen oder Emotionen sind.
Das Album ist so ein bisschen wie eine Biographie von mir.
Bumbanet: Meinst du, dass deine bisherigen Bands, Stiltskin
und Genesis, auch Einfluss auf deine neue Musik haben?
Ray Wilson: Ich glaube schon, aber ich kann es auch nur vermuten.
Das Einziges was ich definitiv weiß, dass die Technik, wie
bei Genesis Songs geschrieben wurden, mich beeinflusst hat. Ich
erinnere mich an ein, zwei Gespräche mit Mike Rutherford (Genesis),
darüber wie man seine Stimme in Regionen bringt, in denen man
normalerweise niemals singen würde, seinen Style zu öffnen,
sich einfach etwas härter zu pushen. Das habe ich dann auch
probiert, mit Sicherheit ist das eine der wichtigsten Sachen, die
ich aus dieser Zeit mitgenommen habe. Genauso wie endloses Jammen
und Aufnehmen, und sich daraus dann die besten Sachen herauszupicken.
Bumbanet: Wolltest du denn mit deinem Solo-Album ein bestimmtes
Ziel erreichen?
Ray Wilson: Ja, das Ziel ist einfach, die Leute zu erreichen, die
das mögen was ich mache. Ich will keine Fußballstadien
füllen, ich will auch keinen 80-Millionen Dollar Deal wie Robbie
Williams, ich will mit meiner Band einfach in Clubs spielen und
hoffe dass genug Leute da sind um das zu schönen Konzerten
werden zu lassen. Andere Ambitionen habe ich nicht mehr, ich will
nur jede Minute das genießen was ich mache, wenn ich es nicht
mehr genieße werde ich aufhören. So einfach ist das.
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