| „Wenn man wie ich in den Sozialwohnungsvierteln von Queens aufwächst, dann muss man schon als Kind lernen sich durchzusetzen. Man muss stark sein. Ich werde versuchen, dir einen Eindruck von Queensbridge zu vermitteln. Die Housing Projects sind in etwa so groß wie zwei durchschnittliche amerikanische Städte zusammen. Für Leute von dort ist es schwierig, einen 9-to-5-Job zu bekommen oder überhaupt etwas zu essen auf den Tisch zu bringen. Das ist zwar für jeden schwer, aber für uns aus Queensbridge ist es eben noch etwas härter. Aber weil jeder dort weiß, wie schwierig es für alle ist, sind die Leute nicht so egoistisch. Wenn einer etwas hat, dann teilt er es mit seinen Leuten. Es hat etwas familiäres. Wenn ich irgendwo in einer anderen Stadt jemanden aus Queensbridge treffe, dann erkenne ich ihn sofort. Auf der anderen Seite sind die Leute dort auch sehr kreativ: Queensbridge is a place where stars is born. Schon die Kinder lernen voneinander, wie man rappt oder singt.“
Automatisch stellt sich die Frage, was aus Big Noyd wohl geworden wäre, wenn er nicht gelernt hätte zu rappen. Die Antwort fällt überraschend aus: „Ich denke, ich wäre etwas Ordentliches geworden. Ich war nämlich sehr gut in der Schule. Zwar habe ich die Schule irgendwann wegen dem Rap-Ding abgebrochen, aber vorher war ich wirklich interessiert. Ich habe auch oft die schweren Kurse gewählt, wie zum Beispiel Naturwissenschaften und Geschichte. Ich denke, ich wäre nicht unbedingt ein Wissenschaftler geworden, aber vielleicht ein Arzt. Trotzdem bin ich froh, Rapper geworden zu sein, weil ein Rapper mehr Mädchen bekommt als ein Arzt.“
Doch Noyd sieht sich auch nicht unbedingt als Berufsrapper, sondern eher als Hustler und als Gangster, wobei er nicht die gängige Definition des Wortes ‚Gangster’ zugrunde legt: „Ein Gangster ist für mich jemand, der sein eigenes Business hat und es auch selbst verteidigt, ohne die Polizei zu rufen. Ich bin ein Gangster, aber ich brauche keine Drogen oder Waffen mehr zu verkaufen. Ich drehe den Leuten jetzt lieber meine Reime an. Aber vor allem bin ich auch ein Fan. Deshalb verbessere ich mich ständig. Ich liebe Rapmusik. Ich erlaube mir selbst einfach nicht, einen peinlichen oder schlechten Reim zu benutzen. Die Rapper, die ich mag, wie Nas, Jay-Z, Prodigy oder Snoop, würden auch niemals einen peinlichen Reim benutzen.“
Die gleiche Kompromisslosigkeit zieht sich durch die Produktionsweise des „Only the strong“-Albums. Da gibt es keinen Radio-R&B, sondern harten Gangster-Stuff für die Straßen. Die Beats stammen ausschließlich aus der Familie, nämlich von The Alchemist, Havoc und ein paar jungen Producern, denen Noyd unter dem Pseudonym „Noyd Inc.“ zum Sprung ins Game verhelfen möchte. Ein Track, der heraussticht, ist das clubbige „Holdin’ it down“, und Noyd hat eine interessante Erklärung dazu: „Das ist ein Alchemist-Track, den er ursprünglich für Macy Gray gemacht hatte. Sie suchte sich dann aber einen anderen aus, also habe ich den Beat genommen. Wenn ich zu Alchemist gesagt hätte, er solle mir einen Beat machen, dann hätte er mir den typischen, harten Street-S*** gegeben. Weil er diesen Track aber für Macy produziert hat, ist er etwas anders.“
Hat Noyd denn jemals daran gedacht, seine Musik an die Radio-Anforderungen anzupassen, um etwas mehr Beachtung zu bekommen? „Nein, ich bin einfach ich. Ich mache es für die Fans, denn ich bin selbst ein Fan dieser Musik. Wenn ein Song Airplay im Radio bekommt, dann heißt das, dass viele Leute ihn mögen. Die neue Single ‚Bang Bang II’ oder ‚Get shot the f*** up’ laufen ja auch im Radio. Aber ich mache die Songs nicht, damit sie im Radio gespielt werden. Ich erzähle nur davon, was ich jeden Tag mache. Natürlich möchte ich, dass mein Album Aufmerksamkeit bekommt, damit ich vielleicht auf einem Major gesignt werde. Aber ich versuche hier nicht gerade, eine Revolution zu starten.
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