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Interview: Microphone Mafia (2/2) News

Ein paar Jahre vergingen. Heute kann man mit Kutlu über ein weiteres Werk sprechen. Das neue, mittlerweile also vierte Album „Lotta Continua“ ist mittlerweile fast überall erhältlich. Kultu beschreibt es selbst als ein sehr warmes Album: „In dieser langen Zeit haben wir viele Menschen kennen gelernt, von denen wir einige sehr respektieren und mögen. Für uns war Hip Hop immer ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Lebens, aber es war nie unser Leben. Unser Leben ist unsere Familie, unsere Freunde und das, was wir schaffen wollen. Freundschaft, Liebe und Zuneigung ist auch immer eine Frage des Respekts. Eigentlich sind es Stücke von 1994 bis heute. Auf der Platte stehen immer die Veröffentlichungsdaten, weil wir viele Tracks oft schon lange vorher fertig hatten, aber damals nicht die Möglichkeit sie zu veröffentlichen.“ Man holte also das nach, was man schon immer machen wollte: Ein Feature-Album. Geladene Gäste sind zum Beispiel bei den neuen Tracks Äi Tiem, Zombie Squad oder Anarchist Academy und Bektas.

„Bei Bektas’ Texten geh ich manchmal kaputt. Er ist für mich einer der Besten. Durch unseren Freund Hannes Loh lernten wir ihn besser kennen. Wir kannten uns vorher nur vom Sehen und vom Hörensagen. Für mich war es sehr wichtig, etwas mit Bektas zu machen, weil er für mich eine sehr wichtige Person ist.“
Aber jeder Track ist sehr wichtig für die drei Kölner. Sie haben viel erlebt zusammen, sind durch Höhen und Tiefen gegangen und haben nie vergessen, worum es bei ihnen eigentlich geht: Freundschaft und das Erreichen gemeinsamer Ziele. Mit Zombie Squad sind sie zwei Jahre lang auf Tour gewesen, weil sie bei derselben Booking Agentur waren. Als sie sich von dieser Agentur trennten, verlor man sich aus den Augen. Sie trafen sich alle erst sechs Jahre später wieder, und der Track „Klassentreffen“ entstand.
„Weitere Features sind zum Beispiel die WBC Crew, da hat die Chemie einfach gestimmt. Die sind auch sehr gut, somit hatten sie sich einen Platz auf dem Album verdient. Es gibt auch ältere Tracks die mir viel bedeuten. „Krankenhaus“ mit der Jazzkantine, Rossi und Tachi oder „Fressen oder gefressen werden“ mit Scope durften auf keinen Fall fehlen.“

Auch der gemeinsame Track mit D-Flame, Careem, Tatwaffe, Def Benski und vielen anderen gehörte zum Pflichtprogramm bei der Trackauswahl. Als Ex-Kölnerin wunderte mich aber schon ein Name, als ich ihn auf dem Tracklisting las. Die Höhner hatte ich bisher immer nur mit Karneval und „Gegen Rechts“-Aktivitäten in Verbindung gebracht.

„Wir sind bei der AG „Arsch huh, Zäng ussenander“, einer Künstlerinitiative gegen Rassismus und Neonazis. Es sollte ein Sampler herauskommen, auf dem jeder Künstler einen anderen covern sollte. Wir wollten dieses Lied immer covern und da haben wir gesagt, jetzt oder nie – sonst hätten wir nämlich die Rechte nicht bekommen. Und das war so geil, dass wir bei den Höhner Classics mit aufgetreten sind. Das sind drei Tage hintereinander, an denen die Höhner in der Kölner Philharmonie auftreten. Wir standen da vor 3000 Leuten, einem ganz anderen Publikum, vor dem wir sonst immer gespielt haben und performten diesen Track. Am Schluss kam der Rektor von der Philharmonie und meinte, dass er in den 20 Jahren, in denen er mittlerweile dort arbeitet, noch nie gesehen hat, dass wenn ein Künstler sagt, dass das Publikum aufstehen soll, auch alle 3000 Leute aufstehen und mitmachen. Das war ein unglaubliches Erlebnis.“
Es läuft ja alles gut, also warum aufhören? Mittlerweile finden sich die ersten Künstler auf dem Label ein. Im März wird Al dente zwei Releases herausbringen. Eines davon wird wahrscheinlich ein Anarchist Academy Album sein. Eigentlich haben sich diese Jungs getrennt, also darf man gespannt sein, ob etwas nun wirklich erscheint. An Aufhören ist auch bei der Microphone Mafia noch lange nicht zu denken.
„Es geht ja nicht nur darum, den Leuten etwas zu geben. Es ist auch wichtig, dass wir unseren Spaß daran haben, auf der Bühne zu stehen und ins Studio zu gehen. Wenn wir irgendwann dieses Gefühl verlieren, ist der Zeitpunkt gekommen aufzuhören. Mit den Straßenkindern werden wir zusammenarbeiten, und für andere Sachen sind wir immer offen. Mit einem neuen Microphone Mafia Album kann man sicher 2005 rechnen. Ein Feature fehlt auf dem jetzigen Album, nämlich die „Straßenkinder“ aus Köln-Porz, die werden aber auf jeden Fall auf dem neuen Album drauf sein. Die kennen auch noch nicht so viele, aber sie sind echt gut und fast wie Brüder für uns.“

Aber auch die Türkei wird nicht vergessen. Wie schon erwähnt, steht die Hip Hop Szene in der Türkei noch ganz am Anfang. Trotzdem kann man zusehen, wie sie jeden Tag wächst und gedeiht.
„Momentan gibt es ein paar Gruppen und MCs, die herausragen, wie zum Beispiel Yener und Hedef 12. Mit Maho B. von Hedef 12 haben wir auch ein Feature gemacht. Er ist auf unserem und wir auf seinem Album. Der Underground dort bebt unglaublich. Letztens gab es da einen Jam, da waren 2500 Leute, und das ist für die Türkei wirklich schon der Hammer. Unsere Alben werden auch dort veröffentlicht. Das „Infernalia“ Album erscheint jetzt in einer türkischen Version parallel mit unserem vierten Album hier in Deutschland.“
Aber bekommt man auch die Möglichkeit die Jungs live zusehen?

„Wir waren schon on tour und es gab wirklich gute Termine auf der Tour. In Berlin war unser Konzert ausverkauft und auch Hannover, Nürnberg und Linz waren toll. In Schwäbisch Hall waren wir nachher in der Menge und haben getanzt. Also es war eine sehr gute Tour und danken jedem der da war.“
Eine Tour gab es also schon, aber man sollte immer mal auf www.microphone-mafia.de oder www.aldenterecordz.de schauen, was sich bei den Jungs alles tut.

Autor:
Sherin Kürten (mit freundlicher Genehmigung von Classic Media www.classic-media.com)
Photos:
Al dente recordz

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