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Feature: Dejavue (1/1) News

Nachdem die Berliner Dejavue Crew aufgrund zu geringer Verkaufszahlen von BMG nach nur einem Album wieder vor die Tür gesetzt wurde, erscheint nun ihre neue Scheibe wieder in Eigenregie. „Naturtalent“ ist sowohl auf ihrer Homepage www.proletnstuff.de als auch bei den gängigen Mailorders zu bestellen. Paul Schlagk sprach mit einem selbstbewussten Double NO79, seines Zeichen einer der beiden MCs.

Bumbanet: Die neue Single „Von 0 auf 100“ klingt nicht annährend so poppig wie eure früheren Tracks. War das ein bewusster Schritt, nach dem Motto „wir können auch anders“?

Double NO79: Der Beat ist schon undergroundiger, obwohl ein paar Samples drin sind. Wir wurden auch ziemlich oft in diese Popecke gedrängt, aber wir waren nie die, die alles super ausproduziert haben. Wir haben immer das gemacht, worauf wir Bock hatten. Wir hören uns total vieles an und finden auch Sachen cool, die aus dem Underground sind. Ich sehe mich selber auch nicht als „Overground“. Wir haben gemerkt, dass es wirklich nur darum geht, den Vibe einzufangen. Das ein Feeling rüberkommt, dass ist doch das Wichtigste an Musik. Da ist es eigentlich egal, wie gut oder schlecht die Sachen produziert sind. Nach unten hin finden es immer weniger Leute cool, dass ist ja klar. Aber manchmal hat auch die Dreckigkeit von einem Beat das gewisse Etwas.

Bumbanet: Der Dancehall-Einfluss, der noch eure Single „Made 2 Chill“ prägte, ist auf dem neuen Album völlig verschwunden.

Double NO79: Bei „Made 2 Chill“ war es so, dass wir mal HipHop-Reggae-Crossover machen wollten. Wir waren, und da bin ich mir relativ sicher, die erste Crew, die auf Reggae-Beats in Deutsch gerapt hat. Die ganzen anderen Sachen kamen alle nach uns. Das wurde dann auf jeden Fall auch ein ziemlicher Trend. Wir haben damals voll viel Reggae gehört und wollten einfach mal etwas Neues machen. Zusammen mit Pyranja haben wir auf dem „Zwei Dumme ein Gedanke“-Album ja noch ein zweites Ding in der Richtung gemacht.

Bumbanet: Bei „Good Old Times“ erinnert ihr euch an eure glücklichen Zeiten vor dem Major-Deal. War die Geschichte mit BMG wirklich so nervenaufreibend?

Double NO79: Immer, wenn man zurückdenkt, kommt es einem so vor, als ob es früher etwas leichter gewesen wäre und man nicht so viele Sorgen gehabt hätte. Wir haben von BMG eine Menge Druck bekommen. Das ging irgendwann so weit, dass man selber einfach keine Ideen mehr hatte. Ich habe mir dann auch zuviel Druck selber gemacht. Man muss lernen, dass, wenn man kreativ sein will, sich nicht eine zu hohe Meßlatte auflegen darf. Dann kommt ganz schnell der Punkt, wo du deine Texte wegschmeißt, weil du sie nicht für gut genug empfindest. Am besten kann ich schreiben, wenn ich mir gar nichts bei denke, wie bei „Von 0 auf 100“. Ich persönlich hatte ungefähr ein halbes Jahr eine richtige Blockade.

Bumbanet: Mit eurem „Statement“ probiert ihr zu erklären, warum auch Battle-Rap eine Existenzberichtigung hat. Wie kam es zu diesem Text?

Double NO79: Viele Leute sagen: „Battle-Rap? Das ist nicht innovativ!“ Aber alles hat einfach seine Vor- und Nachteile. Ich finde zum Beispiel, dass bei sehr inhaltsreichen Sachen oft die coolen Rhymes und Flows fehlen. Als MC kannst du dich entscheiden, was du nach vorne stellen willst. Worauf willst du dich konzentrieren? Dendemann zum Beispiel hat seine Prioritäten ganz klar auf den Rhymes liegen. Dem geht es nicht so krass um Flow oder Inhalt. Ich glaube, ihm macht es einfach Spaß, seine Rhymes zu finden. Curse, sage ich jetzt mal, geht es überkrass um Inhalt und weniger um die Rhymes. Mir persönlich sind Punchlines halt sehr wichtig, coole Sätze, coole Sprüche. Bei dem Album haben wir wirklich eine ganze Menge Facetten gebracht. Bei unseren Sachen muss man oft zweimal hinhören, wegen der Doppeldeutlichkeit. Die Sprüche sind auch wirklich innovativ und es steckt oft vielmehr drin als man irgendwie denkt.

Bumbanet: Was steht in Zukunft an?

Double NO79: Nach diesem Album wird jeder erst mal seinen Solo-Tonträger droppen. Mein Solo-Album ist schon fertig und komplett von mir und meinem Kumpel Fresh Phylix produziert. Wir beide sind Pimpstyle Productions. Mit dem Dejavue-Album werden wir aber erst mal noch auf Tour gehen.

Bumbanet: Vielleicht noch ein paar Worte zu eurem Konflikt mit Rhymin Simon.

Double NO79: Wir wollen das nicht mehr aufbauschen, weil das eigentlich schon alles gelaufen ist. Es gibt überall eine Menge Stress deswegen, weil viele Rhymin-Simon-Fans jetzt aggro auf uns sind. Wir waren halt genervt von so einer Geschichte, die er während seines und vor unserm Auftritt Anfang Mai im 2Be-Club abgezogen hatte. Wenn er uns nicht mag und unsere Musik Scheiße findet, ist das völlig okay, aber er sollte sich schon respektvoll uns gegenüber unterhalten.

Weiteres Interview (2000)

 

Autor:
Paul Schlagk
Photos:
Dejavue

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