| Curse
ist zurück! Nun, wirklich weg war er nie, aber mit seinem neuen
Album "Innere Sicherheit" ist dem 24-jährigen Mindener
ein Quantensprung in der deutschen HipHop Landschaft gelungen. Fast
vier Jahre ist es her seit meinem letzten Interview mit ihm, vieles
hat sich seit dem geändert. Curse jedoch scheint noch immer
derselbe zu sein und irgendwie auch wieder nicht. Er wirkt entspannter
und gelassener, man weiß nicht ganz ob das seine Natürlichkeit
oder seine Professionalität ist. Äußerst redebereit
wie immer ist er auf jeden Fall...
Bumbanet: Dein neues Album hast du „Innere Sicherheit“
genannt, diesen Titel kann man in mehrfacher Hinsicht deuten?
Curse: Genau so hab ich mir das auch gedacht. Hauptsächlich
bezieht „Innere Sicherheit“ wirklich auf ein Gefühl,
die Sicherheit um sich selbst. Mein letztes Album war ja sehr introvertiert,
ich habe mich viel mit meiner Vergangenheit beschäftigt, und
auch viele Sachen angesprochen, über die ich nachgedacht hatte.
Aus diesem Prozess heraus ist eine gewisse Reife entstanden, ich
habe mit meinem ganzen Leben einen Schritt gemacht und mit der Vergangenheit
ein bisschen abgeschlossen. Ich schaue jetzt in die Zukunft, ich
schaue sehr positiv in die Zukunft. Deshalb bin ich jetzt auch bereit
neue Sachen zu machen, neue Entscheidungen zu treffen und neue Wege
zu gehen. Das kann man aber auch nur mit der nötigen Sicherheit,
seiner Basis machen. Aus diesem Grundgefühl ist das Album entstanden.
Ich muss jetzt nicht mehr beweisen, dass ich der tollste Rapper
bin. Auf der anderen Seite weist „Inneres Sicherheit“
auch auf die politische Seite hin. Es ist auch das erste Album von
mir, bei dem ich sage, dass es in gewisser Weise politisch ist.
Bumbanet: Ging es dir dabei auch darum eine konkrete politische
Stellung zu beziehen?
Curse: Es ist schwer das zu sagen. Ich würde sagen nein, denn
ich sage auf dem Album nicht, dass man eine bestimmte Partei supporten
oder wie die 68er sein soll. Es ist eher so, dass ich denke, dass
95 Prozent der Jugend in Deutschland Politik verdrossen sind, dazu
zähle ich auch mich selber. Das liegt aber nicht daran, dass
wir keine Meinung und keinen Plan haben, oder uns das nicht interessiert,
sondern wir haben das Gefühl, dass das alles über unsere
Köpfe hinweg passiert. Aus diesem Gefühl heraus hab ich
halt geschrieben, die Probleme und Missstände in Politik wie
auch im Sozialen, die ich persönlich sehe, habe ich aufgewiesen.
Dabei habe ich versucht, nicht zu sagen alles ist scheiße,
wir kotzen jetzt alle, sondern ich habe versucht positive Resonanz
daraus zu ziehen, auch wenn das manchmal schwierig ist. Der Grundton
ist bei mir: wenn euch die Sachen nicht passen, dann rafft euch
auf, seid laut und sprecht die Scheiße an. So viele Menschen
gehen jetzt wegen dem Krieg auf die Straße. Meine Message
ist eher ein Aufruf zum Selbstbewusstsein und zur Eigenverantwortung,
auch zur Eigeninitiative.
Bumbanet: Es ist also auch das bislang positivste Album
von dir…
Curse: Auf jeden Fall. „Feuerwasser“ war sehr zerrissen,
wie der Name auch schon sagt, positiv, negativ, Party, es war sehr
gegensätzlich. „Von Innen Nach Aussen“ war dann
sehr viel homogener, mehr zusammenpassend. Introvertiert und reflektierend.
Das neue Album ist sehr viel offener, mehr positive Feelings ohne
dass es lustig wäre. Ich sehe viele Dinge jetzt anders, sehe
bestimmte Sachen anders, gehe anders durch mein Leben, und das äußert
sich natürlich auch in meiner Musik. Das heißt aber nicht,
dass das Album „smiley face“ wäre, sondern eher
„uplifting“, das ist ein schönes Wort.
Bumbanet: War es denn konkret so, dass du gesagt hast,
ich will jetzt ein positives Album machen, oder war es einfach dein
Leben, dass du in den letzten Jahr geführt hast, der Grund
der dahin geführt hat?
Curse: Man kann sich natürlich entscheiden. Man kann sich
hinsetzen und sagen, ich schreibe nur über die Sachen die mich
abfucken, oder umgekehrt. Mir war es wichtig ein Album zu machen,
das zwar Probleme aufzeigt und nicht verleugnet, aber die Gesamtstimmung
sollte positiv bleiben. Es sind natürlich auch persönliche
Songs auf dem Album, Sachen die einen schlechten Ausgang haben.
Aber gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig positiven Input
zu haben. Wenn du das Radio oder den Fernseher einschaltest ist
alles kacke. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Schulbildung schlecht.
Es gibt immer mehr Ghettoisierung, Verfall der Gesellschaft. Deshalb
finde ich es wichtig den Leuten positiven Input zu liefern, das
was ich auch selber bekommen will. Ich mache immer ein Album, das
ich auch selber gerne hören will.
Bumbanet: Du hast jetzt zum zweiten Mal selber produziert…
Curse: Ja, auf dem letzten Album auch schon. Den letzten Song „Schein
Heilig“ hab ich gemacht. Auf dem neuen Album habe ich auch
nur einen Song gemacht, die erste Single „Hand Hoch“.
Ich habe zwar ein paar mehr Beats gemacht, aber mit denen hat sich
das nicht so ergeben. Auf jeden Fall probiere ich viel selber aus.
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