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Feature: Bushido (2/5) News

Bumbanet: Die Beats machst du ja selber.

Bushido: Ja.

Bumbanet: Wie lange arbeitest du an einem?

Bushido: Das ist unterschiedlich, alter. Bis irgendwie alles so passt. Wenn du einen Beat samplest, sprich Sachen samplest, ist es überhaupt nicht schwer irgendwie einen Beat zu machen. Alle stellen sich das irgendwie so ultra kompliziert vor. Produzenten schaffen es echt eine ganze Stunde Sendung bei Mixery voll zu packen, wenn sie vom Beat machen erzählen. Aber im Prinzip sind es drei vier fünf Minuten wenn du mit einem Sample arbeitest. Es ist nicht großartig, wenn du irgendwie versuchst einen Sample in einen Loop zu bringen und dann packst du noch paar Drums mit ein, dann war´s das auch schon. Dann ist es fertig, alter. du siehst dann die Leute nicken oder du speicherst das Ding gar nicht. Wenn du halt Sachen einspielst, so wie es halt auf dem Bordstein ist, teilweise auch mit Live-Instrumenten, da musst du dir schon mehr Mühe geben, weil samplen kann jeder. Es kommt echt drauf an. Wir hatten teilweise Beats da saßen wir ne Stunde dran und dann haben wir es gelöscht. Dann geht es ganz schnell in 10 Minuten, das passt, das passt, dann kommt die Bassline da drauf und dann passt es so. Wenn du merkst das dass Beat machen zum Akt wird, dann solltest du erstmal Pause machen, weißt du? Weil dann wird es kein cooler Beat. Das muß schon alles schnell gehen, sonst kannst du es vergessen. Wenn es ein Kampf wird, dann ist immer ein Abturn.

Bumbanet: du hast deine Samples schon angesprochen. Woher beziehst du Sie? Hast du bestimmte Quellen?

Bushido: (lacht) Damals wo es die Mauer noch gab, hatte ich Männer bei der Stasi gehabt ... nee nee, meine Quellen sind meine Ohren, weißt du was ich meine?

Bumbanet: Na ja, aber ich mein, gehst du in Plattenläden und suchst nach alten Sachen, oder...

Bushido: ...oder geh ich bei Napster und lade mir irgendwelche Sachen runter?

Bumbanet: Zum Beispiel…

Bushido: Nee nee, es ist alles so ne Mischung aus allem. du bist die ganze Zeit unterwegs und deine Ohren hast du immer offen. Irgendwann kommt was in dein Gehör wo du denkst „Uh, alter, irgendwie kann ich daraus einen Loop machen". Egal ob du das im Plattenladen holst, im Internet runter lädst, es von na DVD samplest. Wenn ich meinen MiniDisc Player wieder an meine X Box anschließe geht das auch, letztendlich muß die Datei bei mir auf dem PC liegen damit ich daraus einen Beat machen kann. Wie es dahin kommt ist halt mal so und mal so. Alles was zu Verfügung steht wird genutzt.

Bumbanet: Ok. Wieso überragen deine Gangster Story Lieder wie „Vaterland" und „Stupid White Man"?

Bushido: du meinst überwiegen, nicht überragen.

Bumbanet: Verzeihung.

Bushido: (lacht) Bitte ins Interview mit einfügen dass ich dich verbessert habe, ja?

Bumbanet: Natürlich, ich schreib alles auf.

Bushido: Also Magda, du hast eine falsche Frage gestellt, das heißt nicht überragen sondern überwiegen.

Bumbanet: Danke schön.

Bushido: Ja, zu der Zeit wo ich den Bordstein aufgenommen habe war alles so locker und lässig, weißt du? Wenn es uns gut geht, wie es uns eigentlich die ganze Zeit gut geht, dann besteht unser Leben daraus dass wir auf der Straße rumhängen und mit dem Roller rum fahren. Kleine Kinder laufen draußen rum und klauen den Damen ihre Handtaschen und so ne Scheiße. Dann passiert halt nur ein Ding, du hängst draußen rum, versuchst die Zeit tot zuschlagen und versuchst irgendwie an Geld zu kommen damit du dir irgendwas leisten kannst. Das spiegelt sich auch in den Tracks wieder, wenn ich jetzt irgendwie was rappe - die Leute stempeln das dann irgendwie als Gangster Story ab, dann sag ich „Ja, das ist so grade passiert in der Erfahrung oder in einer anderen". Weißt du? Bei „Vaterland" da muß schon so was kommen wie der Irak Krieg, damit ich mir über andere Sachen Gedanken mache. Da musste ich den Track machen, da konnte ich nichts bringen über irgendeine Scheiße die ich mit Drogen mache. Da hab ich mir gedacht, das ist jetzt irgendwie in meinem Kopf drinnen und das versuch ich jetzt irgendwie auf einen Zettel zu schreiben und einen Track draus zu machen, weißt du? So ist halt ein Track wie „Stupid White Man" oder „Vaterland" raus gekommen. Na ja „Vaterland" ist im Prinzip was ruhiger gemacht, aber auch auf „Ich hab voll die dicken Eier". Wie gesagt das liegt alles sehr an der Tagesform und an den Sachen die grade passieren. Jetzt im Moment, leider, seit dem Freitag... ich würde jetzt auch keinen Gangster Track machen, weißt du was ich meine? Selbst wenn ich es wollte, könnte ich es nicht machen, alter. Mein ganzes Innenleben, mein ganzer Kopf, mein ganzes Herz ist komplett einmal um 90 Grad gedreht, alter. Ich könnte jetzt gar nicht schreiben wie cool ich bin, weißt du? Der nächste Track den ich mache, der ist auf jeden Fall für Maxim, deswegen mach ich mir erstmal so einen ruhigen Tag. Ich kenn den Unterschied zwischen einem Track den du mal eben in einer halben Stunde schreibst und den Leute cool finden und dem Track den du in drei vier Stunden schreibst, der dir dann aber in einer Woche immer noch was bedeutet. Für Maxim muss auf jeden Fall so was passieren.

Bumbanet: Um noch mal auf „Stupid White Man" zu kommen, hast du das Buch gelesen?

Bushido: Ja, teilweise, Auszüge habe ich gelesen und „Bowling for Colombine“ hab ich geguckt.

Bumbanet: Ist das für dich Wahrheit oder einfach guter Humor?

Bushido: Meinst du jetzt „Stupid White Man“?

Bumbanet: Ja.

Bushido: Das ist Wahrheit, alter. Mit Humor hat es leider nich viel zu tun, weißt du?

Bumbanet: Ja, es gibt ja Leute die das so sehen, ich habe Kritiken über das Buch gelesen und dort wird dies einfach als eine Art von Humor hingestellt. Weißt du?

Bushido: Das sind dann die Leute die meinen Rap als nächsten harten Möchtegern-Berliner darstellen. Weiß du?

Bumbanet: Ja.

Bushido: Das sind Leute die sich ihre Realität schön reden. Leute die meine Musik einfach als billigen Gangster Möchtegern Rap abstempeln, wollen das einfach so sehen damit sie in ihrer kleinen Welt klar kommen. Weißt du was ich meine? Leute die „Stupid White Man“ oder Michael Moore einfach als Witz oder schwarzen Humor darstellen, die haben kein Bock mitzukriegen dass es halt die Wahrheit ist. Dass es wirklich der Realität entspricht, dass die ganzen Amerikaner einfach so krass an der Uhr drehen. Ihr kleines Kartenhaus würde echt zusammenstürzen, wenn Sie meinen Rap als Wahrheit sehen würden, wenn sie Michael Moor als wahren Autor sehen würden, deswegen ist es einfach so. Der Lügner biegt sich seine Welt zusammen. Weißt du was ich meine? Ganz einfach.

Bumbanet: Du redest auf deinem Album viel von Ghetto, was ist für dich Ghetto?

Bushido: Ghetto? Ghetto ist der Ort an dem ich meine Zeit verbringe, wo ich aufwachse, wo ich lebe. Das ist Ghetto für mich. Schöneberg ist für mich mein Ghetto, alter. Jeder der da wohnt oder da rum gelaufen ist, der da mindestens eine Nacht erlebt habt, weiß was mit Ghetto gemeint ist. Weißt du? Das Problem der meisten Deutschen ist, das sie das Wort nur aus Amerika kennen, dann denken sie an irgendwelche Latinos in Los Angeles und an irgendwelche Niggers in New York und sagen halt alles andere ist kein Ghetto. Die wissen nicht das dass Wort in Südamerika eine Bedeutung hat, das dass Wort in Afrika eine Bedeutung hat, in Asien, in Russland und auch hier in Berlin. Ganz einfach so. Überall dort wo es den Menschen scheiße geht, da ist das Ghetto. Überall dort wo eine Jugend durch äußere Umstände geprägt wird, da ist Ghetto. Die Leute die bei uns Scheiße bauen, die von sich selbst sagen dass sie Gangster sind oder mit dieser Drogen-Scheiße zu tun haben, die werden dazu gemacht, alter. Und wenn du dazu gemacht wirst Scheiße zu bauen, dann lebst du im Ghetto. Ganz einfach. Ob das jetzt in Deutschland oder im Schlaraffenland oder bei Alice im Wunderland ist, weißt du was ich meine? Und das regt mich auf, wenn die Leute das so als lustig abspielen. Ihr habt alle gehört was am Freitag passiert ist, darauf darf man nicht stolz sein. Aber das zeigt den Leuten, dass wir uns die Sachen auf keinster Weise aus den Fingern saugen und wenn sie mir kein Respekt geben für das was ich mache, dann kriegen die krass auf die Fresse, ganz einfach. Ich hab das gar nicht mehr nötig, seid Freitag ist das sowieso vorbei. Schluss mit lustig. Du weißt ich bin ein vernünftiger Junge, ich hab mir die ganze Scheiße auch die ganze Zeit angehört, die sagen „Ey, komm sei mal nicht so lächerlich, lass mal das Ghetto-Gequatsche". Damit ist Schluss. Deutschland ist zu schwul dafür und wenn sie es nicht im Guten hören wollen, dann werden halt andere Seiten aufgezogen, weißt du was ich meine? Das Ding werde ich verteidigen, bis an´s Ende. Ich bin dazu verpflichtet, einer meiner besten Freunde, ein Mann der für mich wie ein Vater war hat mit seinem Leben dafür gezahlt, für diese ganze HipHop Scheiße. Und ich lass mir in die Sachen nicht mehr quatschen von irgendwelchen Spaßten aus Köln, geht nicht, alter. Regt mich krass auf.

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Autor:
Magda M.
Photos:
Aggro Berlin

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