Interview: Matthias Arfmann / Turtle Bay Country Club (1/2)
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Weder der Name Matthias Arfmann noch der Turtle Bay Country Club
sind der Allgemeinheit in Deutschland ein Begriff. Ersterer auch
nicht nach einer Echo Nominierung im Jahre 2000, zweiterer höchstens
seit dem im März 2002 erschienenen Album Dub Decade.
Dabei kann man den Hamburger Matthias Arfmann zu den größten
und wichtigsten Produzenten zählen.
Seit 1981 brachte er mit seiner Avantgarde-Band die Kastrierten
Philosophen 13 LP's heraus und kam so zum Produzieren. Auf
der Hälfte unserer Karriere sind wir zu dem Schluss gekommen,
dass wir uns selber Geräte kaufen müssen und unser Zeug
am besten selber aufnehmen. Und so habe ich dann angefangen unserer
Musik selber abzumischen und zu produzieren. Ausgangspunkt
war der Punkrock, durch ihn hat Arfmann zur der Zeit als er 16 war
den Mut und das Selbstbewußtsein bekommen, selber Musik zu
machen, selber herumzustylen. Seine heutige Musik hat
damit aber nur noch wenig zu tun, auf Dub Decade hört
man wie der Name ankündigt Dub, Beats und Sounds zwischen Reggae
und HipHop. Auch wenn das nicht unbedingt etwas mit der Musik zu
tun hat, die er privat hört, und die dauernd wechselt. Im Moment
sind es die 70er, Glamour Rock'n'Roll, möglicherweise wird
sich das auch in seinen nächsten Projekten und Produktionen
niederschlagen.
Auf über 150 LP's hat er es mittlerweile gebracht, für
ihn noch lange kein Grund aufzuhören oder keine Ambitionen
mehr zu haben. Denn auf der Stelle stehen bleiben will Matthias
Arfmann nicht, Trends, Sounds und Styles verändern sich ständig
und so wird jedes neue Projekt zu einer Herausforderung. Zu seinen
Kunden gehörten und gehören die Absoluten
Beginner, Fischmob, Cora E., Patrice, Seeed, Commerical Breakup
und Jan Delay, alle mischte er entweder in seinem ersten Studio,
dem Knochenhaus Tonstudio in St. Pauli, oder
im Turtle Bay Country Club ab, womit sich auch der Name
für sein neues Projekt erklärt. Sein Einfluss auf die
Produktionen ist immer recht unterschiedlich, vor allem weil er
auch Musiker ist. Es fliesst mit Sicherheit immer sehr viel
von mir ein, aber auch immer sehr diskret. Das schlimmste was du
machen kannst, ist Sachen zu casten und zu designen, das wäre
ganz falsch. In dem Fall hätte das nichts mehr mit den Leuten
zu tun, welche die Musik nach aussen darstellen. Bei den Absoluten
Beginnern z.B. besetze ich strikt die Producer Rolle, da spiele
ich normalerweise keine Gitarre. Aber bei anderen Sachen kann es
schon vorkommen, dass ich selber Instrumente spiele. Oder ich gebe
einfach Tipps, wie man etwas spielen könnte.
Für seine Arbeit mit den Beginnern gab es auch die Echo Nominierung,
was Arfmann zwiespältig sieht. Die Konkurrenz mit Stefan
Raab damals war einfach zu groß. Das war natürlich sehr
überraschend und spannend, als ich den Anruf für die Nominierung
bekam und ich war dann auch sehr aufgeregt. Aber was mit das bedeutet
hätte... Ich meine das ist alles abgesprochen, da setzen sich
die Plattenbosse an einen Tisch und diskutieren darüber, wer
nominiert wird und wer gewinnt. Dann sagt der eine, die Sarah Connor
hat so und so viele CD's verkauft, das ist doch klar, dass die den
Preis bekommt. Und so wird das dann alles abgesprochen. Insofern
war meine Nominierung auch eine Überraschung, gut, die Platte
der Absoluten Beginner hatte sich oft verkauft.