| Innerhalb
von kurzer Zeit vollzogen sich bei den beiden Chemnitzern Tefla
& Jaleel mehrere Veränderungen, von den reisenden Zonis
zu dem nachdenklichen "Interview", und jetzt zum dem internationalen
Bounce Album "Direkt neben dir", auf dem selbst US Rapper
wie Tragedy Khadafi mitwirkten. Wir versuchten Licht ins Dunkel
zu bringen...
Bumbanet: Morgen wird euer Album in den
Läden stehen, ist so was ein besonderer Tag?
Jaleel: Am Anfang denkt man immer, dass man das Album sofort herausbringen
möchte. Aber das ist irgendwann vorbei. Man erlebt dann die
ganzen Schritte mit, vom Videodreh bis zur Promotion, man hat dann
immer genug zu und weiß gar nicht wie schnell die Zeit vergeht.
Trotzdem ist natürlich die Spannung da, man will wissen was
geht und lässt sich immer gerne überraschen, vor allem
hofft man, dass das Album halbwegs gut ankommt. Deshalb ist das
schon ein besonderer Tag.
Tefla: Ich schließe mich dem Reden meines Vorgängers
an.
Bumbanet: „Direkt neben dir“ ist der Titel
des Albums, was wollt ihr uns damit sagen?
Jaleel: „Direkt neben dir“ hat zwei verschiedene Bedeutungen.
Alles was auf dem Album drauf ist, sind Dinge, die sehr real sind,
die dir passieren können, und vor allem Dinge, die uns und
in unserem Umfeld passiert sind. Außerdem bezieht sich das
insofern auf uns, weil wir eine bodenständige Band sind, die
alles mitmacht und sich nicht in den Himmel stellt; also direkt
neben dir ist – einer von dir.
Bumbanet: Mittlerweile seid ihr ja von eurem „Wenn
Zonis Reisen“ Image weg, warum und wieso?
Tefla: Wir sehen das eher so, dass wir mit unserem letzten Album
„Interview“ in eine andere Richtung ausgeschlagen sind,
und jetzt eher wieder an unsere ersten Sachen, die „Streckenabschnitt“
Maxi anknüpfen. Wir machen wieder mehr Entertainment. „Interview“
war etwas komplett anderes, ein ernstes Album, das in einem anderen
Kontext stattgefunden hat, in einer anderen Situation entstanden
ist. Jetzt sehen wir viele Dinge lockerer und haben uns selbst auch
locker gemacht. „Direkt neben dir“ ist jetzt einfach
nur fresh.
Bumbanet: Wie kam es denn dann zu der anderen Sichtweise
nach „Interview“?
Tefla: Es ist jetzt nicht so, dass wir großartig darüber
nachgedacht hätten. Wir haben uns einfach frei gemacht von
sämtlichen Zwängen. Man kann sich natürlich hinsetzen
und sich über jeden Scheiß bis zum Umfallen Gedanken
machen… Der Hauptunterschied zwischen „Interview“
und „Direkt neben dir“ ist, dass wir uns bei dem ersten
Album mehr überlegt haben, was wir sagen, um niemandem auf
die Füße zu treten, und jetzt sind wir wesentlich freier
in den Sachen, die wir gemacht haben. Wir sind vielleicht viel einfacher
geworden. Außerdem haben wir wieder mehr auf Skills geachtet,
was wir bei „Interview“ auf eine gewisse Art und Weise
über Bord geworfen haben. Damals hatten wir uns gesagt, wir
wollen Dinge beschreiben und darüber tiefsinnig nachdenken,
und jetzt haben wir wieder mehr an unseren Rapstyles gearbeitet.
Für uns ist es einfach ein großes Album, ohne dass es
großspurig ist; und ein leichtes Album, ohne dass es anspruchslos
ist. Man kann es durchhören und hat Spaß dabei, und das
denke ich ist auch die Hauptsache. Entertainment ist der rote Faden
von dem Album, mit zwei Ausnahmen vielleicht.
Bumbanet: Diesmal kommt die Produktion und die Beats komplett
aus eurem eigenen Haus, wie kam es denn dazu? Wollte ihr keine anderen
Produzenten mehr?
Tefla: Ja, diesmal ist alles komplett von Jaleel, Shusta oder Ron,
ein Beat ist von den Analphabeten. Das sind einfach die Beats, die
uns am besten gefallen haben. Aber es gibt jetzt keinen bestimmten
Grund dafür, es war nicht so, dass wir den anderen Scheiß
nicht fresh genug fanden. Es ging ja auch alles sehr schnell, wir
sind jetzt erst ein Jahr und vier Monate nach unserem letzten Album,
und schon ist das neue Album fertig. Wir hätten es auch schon
eher herausbringen können, aber wir haben uns einfach diesen
Zeitpunkt gesetzt, um die Dinge richtig zu machen und auch noch
mal darüber nachdenken zu können.
Jaleel: Wir wollten nicht einfach etwas hinschustern, es gab noch
genug Punkte, an denen wir gefeilt haben. Und das dauert halt seine
Zeit.
Bumbanet: Es gab also keinen Grund eine reine Phlatline
Produktion abzuliefern?
Tefla: Nein, zumindest keinen der musikalisch begründet wäre.
Wir waren so schnell im Studio, dass wir auch gar keine Zeit gehabt
hätten, uns andere Beats anzuhören. Direkt nach dem letzten
Album haben wir angefangen neue Sachen zu schreiben. Aber ich denke,
dass ist auch die Stärke des Albums, dass es dadurch einfach
spontan ist, ein ehrliches Rapalbum.
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