|
Bumbanet: Mit 5 Alben habt ihr jetzt sehr viele Songs, wie wählt
ihr da aus, was ihr live spielt?
Millencolin: Das ist immer schwierig. Wir spielen bei einer Show
ca. 24 Songs. 6 Songs davon sind vielleicht vom neuen Album und
dann nehmen wir einen Best Of Mix aus den alten Alben. Nach und
nach tauschen wir auch immer Songs aus, die wir einfach nicht mehr
hören können. Wenn du einen Song zu oft spielst dann langweilt
er dich irgendwann. Auf der kommenden Tour werden wir vielleicht
ein paar alte Songs spielen, die wir seit 1994 nicht mehr gespielt
haben, einfach um der Crowd etwas neues zu bieten. Und dann gibt
es natürlich auch die Klassiker, die wir live wie Mr.
Clean - mindestens 600-mal gespielt haben, die aber einfach
Pflicht sind. Das macht uns nicht unbedingt Spaß, aber Hauptsache
ist den Fans macht es Spaß, und deren Reaktionen machen uns
dann wiederum Spaß. Wenn ich zu einem Konzert gehe will ich
auch nicht nur die neuen Sachen hören. Es kommt auf den richtigen
Mix an um das Konzert interessant zu halten.
Bumbanet: Eure Tour startet in Australien, gibt es da einen
bestimmten Grund für?
Millencolin: In Australien kam unser Album schon früher heraus,
ebenso war es auch schon beim letzten Album. Wenn wir dann da zuerst
auf Tour gehen ist alles noch frisch. Und außerdem wollen
wir da so schnell wie möglich hin weil dort noch Sommer ist.
So können wir dem schrecklichen Wetter hier entfliehen.
Bumbanet: In Europa wird Anti Flag euer Support sein, wählt
ihr die Band selber aus?
Millencolin: Normalerweise liegt die endgültige Entscheidung
bei uns. So wollen wir z.B. Bombshell Rocks mit nach Amerika nehmen.
Aber die Vorschläge kommen meistens von den Plattenfirmen,
wenn wir sagen dass wir auf Tour gehen. Die sagen dann, die und
die Band würde gerne mitkommen und wir suchen dann eine aus.
Das funktioniert immer ganz gut. Wichtig ist auch, dass du einen
guten Mix hast, eine Band die uns gut ergänzt und auch nicht
genau das Gleiche macht.
Bumbanet: Beim letzten Mal waren viele Hallen ausverkauft, werdet
ihr diesmal in größere Hallen ziehen?
Millencolin: Das ist nicht wirklich unsere Entscheidung. Hoffentlich
werden unsere Booker die richtigen Locations wählen. Ich hasse
es wenn die Shows schon einen Monat vorher ausverkauft sind und
uns nicht alle Fans sehen können. Außerdem können
viele Leute, die hinten stehen, bei einem ausverkauften Konzert
die Band kaum sehen. Allerdings fand ich die Hallen beim letzten
Mal schon ziemlich groß.
Bumbanet: Was denkst du denn über den Punk Hype mit Bands
wie Blink 182 oder Sum 41 in den USA?
Millencolin: Wir haben schon mit beiden Bands gespielt. Vor allem
hatten wir schon Konzerte mit Blink 182 als die noch nichts waren.
Ich mag die Jungs auch wirklich gerne, mit Travis habe ich allerdings
noch nicht gesprochen, er war damals noch nicht in der Band. Blink
182 werden ja vor allem durch die Medien so groß gemacht.
Mit Sum 41 haben wir auf der Warped Tour gespielt. Die sind halt
eine kleine Band die es von einem Skatepark aus nach oben geschafft
hat. Es ist gut zu sehen, dass es auch kleine Bands schaffen können
so groß zu werden. Ich habe nichts gegen Bands jeglicher Art,
so lange die Band das macht was sie will, wie sie sich fühlt.
Was schlecht ist, dass durch Blink 182 viele Nachahmer Bands hervorgerufen
werden. Die Bands haben dann kein Herz für das was sie tun,
sie tun es nur weil sie sehen, dass Blink 182 groß geworden
sind. Mit Nirvana war das genauso. Einige Bands starten, ohne Punkrock
Background zu haben, Blink 182 haben den Background. Die Frage ob
etwas kommerziell ist, ist sowieso immer relativ aus. Wie sieht
es denn mit Korn aus, wie groß die mit extremer Musik geworden
sind. Und System Of A Down werden jetzt auch richtig groß,
ich denke das ist alles kommerziell. Alle Arten von Alternative
Music sind zur Zeit richtig angesagt in den Staaten, und so ist
das alles auch kommerziell. Du kannst ja gar nicht mehr spielen,
ohne dass es nicht kommerziell ist, das ist schrecklich.
Bumbanet: Ihr habt euren eigenen Skatepark in Schweden...
Millencolin: Wir haben den vor zwei Jahren gebaut. Letztes Wochenende
hatten wir auch das 2-Jahres Jubiläum mit einem großen
Contest. Dafür wurde auch nochmal vieles im Skatepark umgebaut,
aber ich hatte keine Zeit zu helfen, weil wir ja am Album arbeiten
mussten. Es läuft sehr gut mit dem Park, die Skater kommen
auch von überall her, England, Frankreich und Dänemark.
Gestern hatten wir auch eine große Party, deshalb bin ich
heute auch noch ziemlich übermüdet und hatte Kopfschmerzen.
Bumbanet: Skatest du denn noch selber?
Millencolin: Ja, aber die Band nimmt den größten Teil
meiner Zeit ein. Und jeder der skatet weiß, dass wenn man
einen Monat nicht skatet, sich dann wieder ziemlich komisch auf
dem Board fühlt und man braucht Zeit um das richtige Gefühl
wiederzuerlangen. Und da ich nicht die Zeit habe drei, vier Tage
die Woche zu skaten, sucke ich dabei ziemlich. Trotzdem sehe ich
mich immer noch als Skater, schließlich bin ich mit dem Skateboard
aufgewachsen.
Bumbanet: Machst du denn noch andere Sportarten?
Millencolin: Hm, ich und Nikola spielen seit kurzem Golf. Bisher
hasste ich Golf immer, ich hasste es wirklich, es stand für
alles was ich gehasst hatte. Snobs und so. Dann spielten wir eine
Warped Tour Show direkt an einem Golfplatz und da haben wir es einfach
mal ausprobiert. Und es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich bin
jetzt nicht in einem Club oder so, und ich sehe es auch nicht als
richtigen Sport, aber mir macht es wirklich Spaß. Also ist
Skateboarden der einzige Sport den ich mache.
Bumbanet: Macht es für euch einen Unterschied bei Contests,
Festivals oder in Clubs zu spielen?
Millencolin: Ich mag die Club Shows am liebsten. Aber der Mix hält
es eben interessant, ich brauche da immer die Abwechslung. Es kommt
immer auf die Show an sich an, wir hatten verdammt gute Festival
Shows und verdammt gute Club Shows.
Bumbanet: Du kümmerst dich um viele Sachen bei der Band,
ist es dir wichtig die Fäden in deiner Hand zu halten?
Millencolin: Ja, ich kümmere mich um den Kontakt mit Burning
Heart und den Booking Agenturen. Aber im Moment ist es mir zu viel,
dauernd werde ich angerufen wenn ich unterwegs bin und muss wichtige
Entscheidungen fällen. Ich muss die Homepage immer updaten
und das Artwork für das Album habe ich ja auch gemacht. Es
ist schon verrückt, dass ich so viel mache, aber ich bin kein
Typ, der nur rumsitzen kann, da würde ich depressiv. Ich muss
immer was neues machen und kreativ sein. Dann bin ich glücklich,
auch wenn ich manchmal zu viel zu tun habe.
|