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Interview: Microphone Mafia (2/3) News

Bumbanet: Habt ihr euch auch überlegt wenn ihr mit diesem Album erreichen wollt, wer eure Zielgruppe ist?

Microphone Mafia: Das ist uns egal, jeder gehört dazu – egal welcher Nationalität – der mit unserer Musik down sein kann, der versteht was wir mit unserer Musik ausdrücken wollen und uns zuhört. Aber ich würde keine Musik für eine bestimmte Gruppe machen, Rap ist für jeden da.

Bumbanet: Euch hatte das damals wirklich genervt, als ihr dieses Label Multi-Kulti aufgedrückt bekommen habt?

Microphone Mafia: Es ging gar nicht mehr um unsere Musik sondern nur noch um Multi-Kulti. Es hieß nur, da sind Ausländer auf der Bühne die über ihr Leben rappen. Das wurde zum Programm gemacht, und nachdem die Leute ihr Gewissen beruhigt hatten warst du uninteressant. Als es dann Anschläge gab wurden wir wieder gerufen, und als sich die Wellen wieder geglättet hatten wurden wir ins Jugendzentrum zurückgeschickt. Bei unseren Interviews ging es nicht mehr um unsere Musik sondern wir wurden nur gefragt: du bist doch Türke, rede mal über deine Probleme. Dieser Schwachsinn hätte nie im Vordergrund stehen sollen, es ist scheissegal wo du herkommst, Hauptsache du machst gute Musik und gute Inhalte. Wir wurden nur auf unsere Nationalität reduziert.

Bumbanet: Habt ihr denn aktiv etwas unternommen um nicht wieder in diese Ecke gerückt zu werden?

Microphone Mafia: Am Anfang hatte uns Deutsch nicht gefallen, und in Englisch konnten wir nicht rappen, also haben wir in unserer Muttersprache gerappt. Zuerst haben wir das genossen, wir hatte sehr viele Auftritte, aber dann haben wir gesehen, dass es den Leuten gar nicht um uns ging. Die Leute wollten nur sich selbst supporten, sich selbst gut darstellen. Das Stück „Infernalia“ spricht dazu auch Bände.

Bumbanet: Seid ihr denn heute immer noch in Sachen Anti-Rassismus unterwegs?

Microphone Mafia: Unser Album handelt insgesamt von Respekt, das ist ein roter Faden der sich durch das ganze Album zieht. Respekt vor unseren Eltern, Respekt vor Freunden und Respekt vor der ganzen Gesellschaft. Also einfach der Respekt vor den Menschen, den man braucht. Aber natürlich auch Respekt in der HipHop Szene. Was momentan bei Freestyle Battles so abgeht; ich sage dir ganz ehrlich, wenn ich bei einem Freestyle Battle wäre und jemand meine Mutter beschimpfen würde, dann würde ich das Mikrofon zur Seite legen und dem eine reinbatzen. Die Leute provozieren auf Teufel komm raus und die Grenzen werden einfach überschritten. Natürlich ist auch noch Rassismus unser Thema, aber versteckt. Wir wollen zeigen, dass wir Probleme vor der Haustüre haben und nicht für Gangsta Scheisse nach Amerika gehen müssen.

Bumbanet: Was hälst du denn von Projekten wie Brothers Keepers?

Microphone Mafia: Brothers Keepers ist eigentlich ein gutes Projekt. Ich kenne die meisten Rapper da und die Idee ist auch gut. Natürlich gibt es Verbesserungsvorschläge, aber die gibt es für alles. Brothers Keepers ist endlich mal wieder eine Bündelung, ein Zusammenschluss, ähnlich wie auch bei Kanal Attak, wo wir dabei sind. Ich hoffe nur, dass es so weiter geht und „Adriano“ nicht nur eine Gewissenberuhigung für die Kiddies und Redakteure war.

Bumbanet: Du hast ja eben schon die Darstellung von Ausländern in den Medien angesprochen, dazu habt ihr den Song „Original“ auf dem Album, denkst du dass das ein großes Problem ist?

Microphone Mafia: Es kommt halt bei Switch so rüber als ob jede türkische Frau rumkreischen, oder als ob jeder Türke wie Erkan & Stefan reden würde. Das ist einfach eine Ausländer-Verarschung. Und irgendwelche Schmocks kommen dann zu meinen Eltern und sagen: Ey Alter bist du krass. Das ist einfach subtile Fremdenfeindlichkeit. Kaya Yana kann es machen, Django Asül auch. Die machen es nicht um die Leute zu veraschen sondern es ist eine Selbstsatire. Mundstuhl und Co ebnen dem Vorurteil, dass Türken eben einfach Asi sind, den Weg. Und das ist wirklich gefährlich.

Bumbanet: Zurück zu „Infernalia“, das Cover wurde gemacht von Leonard Pena, der in Texas im Gefängnis sitzt. Wie kam es dazu?

Microphone Mafia: Der Leonard Pena sitzt lebenslänglich im Texas State Prison und da machen die Latinos aus Leintüchern mit Tinte Bilder. Irgendein Galerist in den Staaten hat das ausgestellt und eine Galerie aus Köln hat das gesehen und das auch hierher geholt. Das war ein Bekannter von uns und der hat uns dann darauf aufmerksam gemacht. Wir haben uns das dann selber angeguckt und das eine Bild ausgesucht. Leonard Pena selber kennen wir nicht. Das ist schon komisch, da arbeiten fünf Leute indirekt an einem Projekt, vier die in Deutschland die Musik machen und einer der in Texas das Bild macht. Da sitzt einer tausende Kilometer weit weg, man kennt ihn nicht, aber der drückt in seinem Bild genau das aus was du in deiner Musik fühlst. Die Träume, Gefahren und Verluste.

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Autor:
Bumbanet Redaktion
Photos:
Microphone Mafia, Bumbanet

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