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Bumbanet: Habt ihr euch auch überlegt wenn ihr mit diesem
Album erreichen wollt, wer eure Zielgruppe ist?
Microphone Mafia: Das ist uns egal, jeder gehört dazu
egal welcher Nationalität der mit unserer Musik down
sein kann, der versteht was wir mit unserer Musik ausdrücken
wollen und uns zuhört. Aber ich würde keine Musik für
eine bestimmte Gruppe machen, Rap ist für jeden da.
Bumbanet: Euch hatte das damals wirklich genervt, als ihr dieses
Label Multi-Kulti aufgedrückt bekommen habt?
Microphone Mafia: Es ging gar nicht mehr um unsere Musik sondern
nur noch um Multi-Kulti. Es hieß nur, da sind Ausländer
auf der Bühne die über ihr Leben rappen. Das wurde zum
Programm gemacht, und nachdem die Leute ihr Gewissen beruhigt hatten
warst du uninteressant. Als es dann Anschläge gab wurden wir
wieder gerufen, und als sich die Wellen wieder geglättet hatten
wurden wir ins Jugendzentrum zurückgeschickt. Bei unseren Interviews
ging es nicht mehr um unsere Musik sondern wir wurden nur gefragt:
du bist doch Türke, rede mal über deine Probleme. Dieser
Schwachsinn hätte nie im Vordergrund stehen sollen, es ist
scheissegal wo du herkommst, Hauptsache du machst gute Musik und
gute Inhalte. Wir wurden nur auf unsere Nationalität reduziert.
Bumbanet: Habt ihr denn aktiv etwas unternommen um nicht wieder
in diese Ecke gerückt zu werden?
Microphone Mafia: Am Anfang hatte uns Deutsch nicht gefallen, und
in Englisch konnten wir nicht rappen, also haben wir in unserer
Muttersprache gerappt. Zuerst haben wir das genossen, wir hatte
sehr viele Auftritte, aber dann haben wir gesehen, dass es den Leuten
gar nicht um uns ging. Die Leute wollten nur sich selbst supporten,
sich selbst gut darstellen. Das Stück Infernalia
spricht dazu auch Bände.
Bumbanet: Seid ihr denn heute immer noch in Sachen Anti-Rassismus
unterwegs?
Microphone Mafia: Unser Album handelt insgesamt von Respekt, das
ist ein roter Faden der sich durch das ganze Album zieht. Respekt
vor unseren Eltern, Respekt vor Freunden und Respekt vor der ganzen
Gesellschaft. Also einfach der Respekt vor den Menschen, den man
braucht. Aber natürlich auch Respekt in der HipHop Szene. Was
momentan bei Freestyle Battles so abgeht; ich sage dir ganz ehrlich,
wenn ich bei einem Freestyle Battle wäre und jemand meine Mutter
beschimpfen würde, dann würde ich das Mikrofon zur Seite
legen und dem eine reinbatzen. Die Leute provozieren auf Teufel
komm raus und die Grenzen werden einfach überschritten. Natürlich
ist auch noch Rassismus unser Thema, aber versteckt. Wir wollen
zeigen, dass wir Probleme vor der Haustüre haben und nicht
für Gangsta Scheisse nach Amerika gehen müssen.
Bumbanet: Was hälst du denn von Projekten wie Brothers
Keepers?
Microphone Mafia: Brothers Keepers ist eigentlich ein gutes Projekt.
Ich kenne die meisten Rapper da und die Idee ist auch gut. Natürlich
gibt es Verbesserungsvorschläge, aber die gibt es für
alles. Brothers Keepers ist endlich mal wieder eine Bündelung,
ein Zusammenschluss, ähnlich wie auch bei Kanal Attak, wo wir
dabei sind. Ich hoffe nur, dass es so weiter geht und Adriano
nicht nur eine Gewissenberuhigung für die Kiddies und Redakteure
war.
Bumbanet: Du hast ja eben schon die Darstellung von Ausländern
in den Medien angesprochen, dazu habt ihr den Song Original
auf dem Album, denkst du dass das ein großes Problem ist?
Microphone Mafia: Es kommt halt bei Switch so rüber als ob
jede türkische Frau rumkreischen, oder als ob jeder Türke
wie Erkan & Stefan reden würde. Das ist einfach eine Ausländer-Verarschung.
Und irgendwelche Schmocks kommen dann zu meinen Eltern und sagen:
Ey Alter bist du krass. Das ist einfach subtile Fremdenfeindlichkeit.
Kaya Yana kann es machen, Django Asül auch. Die machen es nicht
um die Leute zu veraschen sondern es ist eine Selbstsatire. Mundstuhl
und Co ebnen dem Vorurteil, dass Türken eben einfach Asi sind,
den Weg. Und das ist wirklich gefährlich.
Bumbanet: Zurück zu Infernalia, das Cover wurde
gemacht von Leonard Pena, der in Texas im Gefängnis sitzt.
Wie kam es dazu?
Microphone Mafia: Der Leonard Pena sitzt lebenslänglich im
Texas State Prison und da machen die Latinos aus Leintüchern
mit Tinte Bilder. Irgendein Galerist in den Staaten hat das ausgestellt
und eine Galerie aus Köln hat das gesehen und das auch hierher
geholt. Das war ein Bekannter von uns und der hat uns dann darauf
aufmerksam gemacht. Wir haben uns das dann selber angeguckt und
das eine Bild ausgesucht. Leonard Pena selber kennen wir nicht.
Das ist schon komisch, da arbeiten fünf Leute indirekt an einem
Projekt, vier die in Deutschland die Musik machen und einer der
in Texas das Bild macht. Da sitzt einer tausende Kilometer weit
weg, man kennt ihn nicht, aber der drückt in seinem Bild genau
das aus was du in deiner Musik fühlst. Die Träume, Gefahren
und Verluste.
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