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Interview: Microphone Mafia (1/3) News

Die Microphone Mafia aus Köln hat einen langen Weg hinter sich. Von Höhen bis Tiefen hat die Crew um Signore Rossi und Little Asia, sowie DJ Ra alles erlebt. Vom Major Deal fanden sie den Weg zu ihrem eigenen Label Al Dente Records. Zu dritt - nach dem Abschied von Dennis Dio Morell - machten sie jetzt weiter und brachten ihr drittes Album "Infernalia" heraus, weshalb wir mit Kutlu aka Little Asia sprachen...

Bumbanet: Euer neues Album habt ihr „Infernalia“ genannt, gibt es da eine bestimmte Bedeutung?

Microphone Mafia: „Infernalia“ ist eigentlich ein frei erfundenes Wort. Die Geschichte liegt eher darin, dass wir seit ungefähr 12 Jahren in Deutschland Rap machen und du in dieser Zeit auch mitbekommst, was in der ganzen Szene schief läuft. Nicht nur in der Szene, sondern auch in der Gesellschaft. Für uns beinhaltet „Infernalia“ die kleinen Gemeinheiten die wir mit unseren Liedern gerne einigen Leuten antun. Jeder Track hat eine Message, die an bestimmte Leute gerichtet ist. Deshalb „Infernalia“: teuflisch, gemein, aber trotzdem gut.

Bumbanet: Gab es mit drei Alben bei euch auch eine Weiterentwicklung?

Microphone Mafia: Wir haben uns menschlich sehr stark verändert. 1996 kam das erste Album , da hört man noch die jugendliche Wildheit, die Reime werden den Leute mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen. Das zweite Album „Microphonia“ kam 1998, da waren dann alle Texte auf Deutsch. Man hatte uns damals gesagt, ihr rappt zu wenig auf Deutsch – ihr seid doch aus Deutschland. Deshalb haben wir uns gesagt, bevor wir wieder in die Multi-Kulti Schiene gedrängt werden und als Vorzeige Kanaken genutzt werden, von manchen Sozialpädagogen und von Abzockern, die Benefiz Konzerte veranstalten und das Geld dann in die eigene Tasche stecken, machen wir es nur noch auf Deutsch, um nicht in eine Schublade gesteckt zu werden. Das hat aber auch nichts gebracht, weil es einmal – meiner Meinung nach - nicht so ein starkes Album war, und weil es nicht in unserer Natur lag. Wir wollen nunmal vier-, fünfsprachig rappen. So sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir bei „Infernalia“ wieder das machen worauf wir Bock haben. Zudem sind wir in unseren Gedanken, Texten und unserem Verhalten gereift. Das alles hat sich zu „Infernalia“ ergeben.

Bumbanet: Hat sich durch den Abschied von Dennis Dio Morell auch etwas an den Abläufen verändert?

Microphone Mafia: Eigentlich nicht, wir haben immer noch die selbe Arbeitsweise wie früher. Es ist schade, dass Dennis aus beruflichen Gründen aufgehört hat, aber der einzige Unterschied ist der zahlenmäßige. Das ist genau so wie beim Molch, wenn der Schwanz abfällt wächst er wieder nach.

Bumbanet: Was sind denn im Speziellen die Dinge, die sich bei euch und in eurer Sichtweise geändert haben?

Microphone Mafia: Beim ersten Album „Vendetta“ gab es noch Stücke wie „wir leben als vereinte Nation Hand in Hand in Deutschland“. Das war einfach zu blauäugig, aber damals haben wir daran geglaubt, dass wir alle zusammen in Frieden leben können. Wir leben schon über ein Vierteljahrhundert hier in Deutschland, werden aber immer noch als Ausländer verschrien. Manche Vorurteile haben wir damals noch nicht erkannt, die ganze Switch Scheisse im Fernsehen, oder Mundstuhl und Ritchie, das ist einfach nur eine Ausländer-Verarsche. Wir greifen jetzt andere Themen auf, Stücke über unsere Eltern wie „Denkmal“, oder „Ich hätt gern“. In den Texten kann man also eine deutliche Reifung sehen. Musikalisch benutzen wir wieder echt abgedrehte Samples, so tibetanische Bläser, die auch live in Tibet eingespielt wurden. Es ist einfach kompakter geworden. Die jugendliche Frische des ersten Albums und das Konzept des zweiten Albums haben wir bei „Infernalia“ zusammenbringen können.

Bumbanet: Wieso genau habt ihr euch wieder stärker auf türkische und italienische Raps konzentriert, habt ihr gesehen dass ihr mit Deutsch doch nicht alle Adressaten erreicht?

Microphone Mafia: Für mich gibt es sowieso keinen deutschen Rap, Rap ist international. Man sollte auch nicht von der deutschen Rapszene sprechen, wurde doch türkischer und italienischer Rap hier in Deutschland erfunden, u.a. von uns. Wenn man nur vom deutschen Rap spricht wischt man damit alles weg was vorher da war, die ganzen Immigranten Kinder die seit den späten 80ern in den Jugendzentren gebreakt, gemalt und gerappt haben. All die werden unter dem Label Deutsch-Rap einfach erdrückt. Die Sprüche von manchen Rappern, „Rap kommt nur aus der gutbürgerlichen Mitte“, sind der größte Scheiss den es gibt. Natürlich gibt es hier keine Ghettos wie in Amerika; aber fahr doch mal nach Köln-Chorweiler, fahr doch mal nach Berlin-Wedding. Da gibt es auch soziale Brennpunkte, das sind auch Ghettos auf ihre Art und Weise. Und wenn solche Sprüche kommen dann sagen wir einfach: dann gehören wir eben nicht dazu. Wir haben nie das Gefühl bekommen, dass auch Türken, Italiener und andere Schwarzköpfe zur Szene dazugehören dürfen. Die Szene wurde auch erst durch das Label Deutsch-Rap in den Medien akzeptiert, vorher war es nur eine kindliche Spielerei. Wir sind eben untypisch für die deutsche Szene und das wollten wir jetzt auch in unserer Musik, Produktionsweise und in unseren Texten deutlich machen.

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Autor:
Bumbanet Redaktion
Photos:
Microphone Mafia

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