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Interview: MC Rene (1/3) News

Kein anderer Rapper aus Deutschland musste in den letzten Jahren so viel Kritik einstecken wie Rene El-Khazraje. Von Braunschweig, über Köln nach Berlin, immer wieder hin und her führte sein Weg, von der Freestyle Bühne über Mzee, Fila Records bis zum seinem eigenen Label Improversum, jetzt. Das startete er mit seinem Freund und Langzeitgefährten Django. Wir nutzten die Zeit und sein neues Album "Scheiss auf euren HipHop" um Vergangenheit zu beleuchten und nach seinem neuen Weg zu fragen...

Bumbanet: Fangen wir mit deinem Album an, „Scheiss auf euren HipHop“, warum hast du diesen provokanten Titel gewählt?

MC Rene: Ganz einfach, „Scheiss auf euren HipHop“ bedeutet nichts anderes als scheiss auf eure Regeln, scheiss auf diese HipHop Uniformität, scheiss auf diesen HipHop Faschismus der in Deutschland ist. Die Leute machen immer das was HipHop will, aber nie das, was sie selber wollen. Sie übernehmen meistens nur die Attitüden aus Amerika, oder irgendwas, was andere schon vorgelebt haben. Die Leute trauen sich nicht, einfach mal einen neuen Weg zu gehen. MC Rene war schon immer ein Künstler, der schon immer ein bisschen was anderes gemacht hat als die anderen, ähnlich wie die Fünf Sterne. Ich kann auch sehr emotionale Sachen machen, eigentlich alles Styles. Und deswegen sage ich „Scheiss auf euren HipHop“, weil nach über 100 Sendungen Mixery und überhaupt merkst du, dass die meisten nichts zu sagen haben. Ich will nicht nur noch über HipHop reden sondern HipHop machen, denn wir man hört gibt es noch andere Themen auf meinem Album, da geht es nicht nur um HipHop.

Bumbanet: Heißt das, dein Album ist in dieser Hinsicht negativ eingestellt?

MC Rene: Nein, überhaupt nicht. Mein Album ist überhaupt nicht negativ, der Titel ist ein rein polarisierendes Statement, das die HipHop Nation spaltet, aber das ist nicht negativ. Ich sage ja nicht, es ist alles scheisse. HipHop ist für mich eine freie Sache und ich möchte das durch Leute wie mich, die ein bisschen iller sind, die sich etwas trauen, nach vorne bringen. Ich versuche die Leute, durch mein eigenes Beispiel, zu motivieren, ihren eigenen Weg zu gehen. Und das ist doch eigentlich, wie auch das Album, eine positive Einstellung. Klar sind auf dem Album auch traurige Momente, aber die gehören auch dazu, um neue Kraft zu schöpfen.

Bumbanet: Auf deinem Album sind auch nur wenige Features, kommt das auch durch die Sachen und Erfahrungen, die dich in letzter Zeit geprägt haben?

MC Rene: Ja, warum soll ich jetzt auf Teufel komm raus Features mit bekannten Leuten machen. Natürlich habe ich Features mit bekannten Leuten auf dem Album, aber nur sehr dezent. Das finde ich sehr schön, du hast Gentleman im ersten Song „Never Give Up“, wo es darum geht, dass jeder es schaffen kann. Und im letzten Song „My Man“ hast du den Xavier Naidoo, ein Song der sehr traurig ist. Das sind zwei komplett verschiedene Welten, wo ich mich auch auf zwei verschiedene Vibes einstellen kann. Genau das auf dem Album zu zeigen, war für mich auch sehr wichtig. Und Features habe ich nur mit den Leuten gemacht, auf die ich richtig Bock hatte. Das sollte auch nicht unbedingt mit Leuten aus der HipHop Ecke sein, sondern mit Gentleman aus der Dancehall Szene, und Xavier, der Soul Musik macht. Aber in erster Linie handelt es sich um ein Solo-Album von mir, deshalb sollen die Leute auch MC Rene bekommen und die Features bleiben dezent.

Bumbanet: Dein Style auf dem Album, ist es richtig, dass da etwas weniger Freestyle drin steckt?

MC Rene: Definitiv. Vom Inhalt heißt es ganz klar: No Freestyle. Es gibt einen Song, „Spliff That Shit“, da ist etwas Nonsens im Text, aber ich fand den Strassen Vibe einfach so cool auf dem Track. Aber ansonsten stimmt das schon. Von der Arbeitsweise her, haben wir meine Stärken herausgekitzelt. Wir haben also die Beats genommen und ich habe darauf gefreestyled. So kam dann der Flow zustande. Zum Beispiel der Song „Bist du drin... spürst du das wo geht's hin weißt du das“ basiert auf einem Freestyle. Wir haben also die Energie aus dem Freestyle genommen und mit Inhalt gefüllt. Im Song geht es um die heutige Zeit, wo sich alles schnell verändert, wo man flexibel sein muss, und ob man das merkt! Das ist also eine Aufforderung: Bist du drin? Spürst du das? Flow und Vibe sind hier Freestyle, aber die Gedanken darin sind sehr genau überlegt. Auf meinen letzten Sachen hatte ich immer viel lässig Freestyle gemacht, aber jetzt bei Improversum wollte ich das anders machen. Improversum ist auch Freestyle, aber zugleich die professionelle Manifestion des Freestyles mit einem geilen Inhalt. Und spätestens nach diesem Album wird keiner mehr sagen: MC Rene macht guten Freestyle, aber auf Platte... Mit diesem Album haben wir gezeigt, dass auch geile Tracks möglich sind. Und vor allem auch Tracks, die unterschiedlich sind, die eine unglaubliche Vielfalt haben und textlich tief gehen. Die Leute die mich jetzt noch als Entertainer oder Kaspar sehen, werden mich vielleicht nach diesem Album nicht gut finden, aber sie werden sich schon Gedanken machen. Uns war auch vorher klar, dass wir das können, aber wir mussten es auch zeigen, gerade für die Fans draussen. Gedanklich knüpft das Album bei einigen Stücken ja auch an „Renevolution“ an. So der Song „Kein bisschen weise“, der ist ja gedanklich eine Fortsetzung von „Was wird morgen ein?“. Wir wollten von der Leichtigkeit nehmen, die „Ein Album Namens Bernd“ hatte, aber nur sehr wenig davon, und textlich wie auch musikalisch das „Renevolution“ Ding weiterentwickeln und das alles vermischen.

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Autor:
Bumbanet Redaktion
Photos:
MC Rene

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