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...ich bin einfach Joy
Es liegt an so vielen Dingen, ein Album zu produzieren, an das
man auch noch Jahre nach Veröffentlichung gerne zurück
denkt. Nur wenige haben das Glück und gute Bedingungen, oder
nutzen sie ordentlich aus. Joy Denalane hat die Gelegenheit am Schopfe
gepackt. Nach unangenehmen (Label-)Erfahrungen vor einigen Jahren,
hat die Berlinerin mit Mamani ein kleines Kunstwerk
geschaffen. Sie bediente sich bei den Aufnahmen fröhlich der
verschiedensten Musikstile, scheute auch nicht vor markanten, afrikanischen
Klängen zurück und paßt somit in keine der gängigen
Schubladen.
Mit Mamani wandelt Joy auf dem schmalen Pfad zwischen
Selbstverwirklichung und Selbsterkennung und bleibt trotzdem so
erfrischend, das sich auch der ganz normale Hörer in ihren
Texten wieder -finden kann.
Die junge Mutter hat während der Aufnahmen des Albums zu ihrer
Familiengeschichte und damit auch zu ihrem Südafrikanischen
Teil gefunden.
Für Joy ist es wichtig, ihren Standpunkt klar zu vertreten:
Aus der Bio entnehmen viele Leute, daß ich eine krasse Kindheit
hatte aber ich hatte eine superschöne Kindheit, wurde sehr
selbstbewußt erzogen, es gab halt immer diese Diskriminierung.
Ich wurde Treppen runter geschmissen und rumgeschubst. Das hat mich
extrem umgehauen und ich fragte Zuhause, was los ist. Aber ich wußte
ja warum ich anders aussehe, mein Vater war da meine Identifikationsfigur,
ich musste ja nur auf´s Sofa schauen, denn da saß der
Grund meines Aussehens! Aber ich LIEBTE meinen Vater, meine Mutter
liebte ich natürlich ebenfalls. Umgekehrt war das genauso:
Auch wir wurden wahnsinnig geliebt und insofern war es für
uns nicht ganz so schwer wie für andere. Es gibt ganz viele
gemischte Leute, die nicht mit ihrem schwarzen Elternteil aufgewachsen
sind die Probleme haben mit der Identifikationsfigur, denn sie können
sich nicht an jemanden wenden, sei es Mutter oder Vater. Sicherlich
ist es für nicht-weiße Elternteile in Deutschland schwer,
ihren Kindern den Weg zu ebnen, sie zu schützen und um sie
stark zu machen gegenüber Menschen mit riesen Vorurteilen.
Hat ihr Vater versucht, ihr Stolz zu vermitteln?: So hat er
es nicht gesagt- stolz sein. Er sagte, dass er aus Südafrika
stammt und wir sehen dort halt so aus. Es gibt viele verschiedenen
Menschen auf der ganzen Welt, ein Teil davon ist halt schwarz und
haben andere Haare, aber das unterscheidet uns nicht menschlich.
Dieser äußerliche Unterschied hat nix mit dem Inneren
zu tun. Für mich hat das auch mehr Sinn gemacht, damit konnte
ich viel mehr anfangen. Unsere Eltern haben uns schonend beigebracht,
warum wir anders aussehen.. Und damit haben die Eltern sicherlich
den Grundstein gelegt für ihre tolerante Art. Denn Joy möchte
auch nicht vergessen: Was mir immer wichtig ist: Es gibt nicht
nur schwarze Diskriminierung, es gibt in Deutschland türkische
Deutsche, jugoslawische Deutsche, etc. und ich reite nicht immer
allzu gerne auf diesem BLACK Ding herum, ich möchte
nur nicht die anderen Leute vergessen , die eben auch diskriminiert
werden. Vorallem Türken haben dieses Problem..
Für einen selbst mag es unvorstellbar sein, wie tief solche
Vorurteile sitzen und wie sie zum Ausdruck gebracht werden. So erlebte
Joy auch in Interviews sehr absurde Dinge:
Aber es gibt immer noch Leute die mich darauf hinweisen. Grade
gestern wurde ich gefragt, aus Minden kommend, frägt mich einer:
´Du sprichst aber ganz gut deutsch, wo hast´n das gelernt?´.
´Oh, na ich bin ´ne Deutsche, was meinste denn, warum
ich so gut deutsch spreche?´.
Und damit mußt DU dich nicht rumschlagen, ist halt so! Und
was mir immer ganz wichtig ist: Durch dieses Brother Keepers
haben ganz viele Journalisten einen schalen Nebengeschmack bekommen,
und fragen: ´Und ist es denn so schlimm, wie ihr alle behautptet´?.
JA, ich finde das es so schlimm ist, und ich glaube nicht das es
übertrieben ist. Und es kann vielleicht bedrohlich wirken für
einige Leute, wenn so ´ne Community von schwarzen Deutschen
sich zusammen tut. Es gibt soviele Kollegen von Dir, die solche
fragen stellen und sich überlegen ob es echt so schlimm ist.
Und ich kann nur sagen, JA..
Und trotzdem reagiert Joy von solchen Erlebnissen nicht genervt
oder verschreckt: Nervt mich überhaupt nicht, es ist
mir ein Anliegen, weil es mein Leben geprägt hat und es ist
auch das, was mich immer von dir unterscheiden wird. Ich bin ne
Deutsche als allererstes. Weil, meine erste Muttersprache ist deutsch
und wenn ich die Melodie vom Sandmännchen höre, fühle
ich mich heimisch, das ist was mich zu ner Deutschen macht.
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