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Interview: Joy Denalane (1/3) News

„...ich bin einfach Joy“

Es liegt an so vielen Dingen, ein Album zu produzieren, an das man auch noch Jahre nach Veröffentlichung gerne zurück denkt. Nur wenige haben das Glück und gute Bedingungen, oder nutzen sie ordentlich aus. Joy Denalane hat die Gelegenheit am Schopfe gepackt. Nach unangenehmen (Label-)Erfahrungen vor einigen Jahren, hat die Berlinerin mit „Mamani“ ein kleines Kunstwerk geschaffen. Sie bediente sich bei den Aufnahmen fröhlich der verschiedensten Musikstile, scheute auch nicht vor markanten, afrikanischen Klängen zurück und paßt somit in keine der gängigen Schubladen.
Mit „Mamani“ wandelt Joy auf dem schmalen Pfad zwischen Selbstverwirklichung und Selbsterkennung und bleibt trotzdem so erfrischend, das sich auch der ganz normale Hörer in ihren Texten wieder -finden kann.

Die junge Mutter hat während der Aufnahmen des Albums zu ihrer Familiengeschichte und damit auch zu ihrem Südafrikanischen Teil gefunden.
Für Joy ist es wichtig, ihren Standpunkt klar zu vertreten:„ Aus der Bio entnehmen viele Leute, daß ich eine krasse Kindheit hatte aber ich hatte eine superschöne Kindheit, wurde sehr selbstbewußt erzogen, es gab halt immer diese Diskriminierung. Ich wurde Treppen runter geschmissen und rumgeschubst. Das hat mich extrem umgehauen und ich fragte Zuhause, was los ist. Aber ich wußte ja warum ich anders aussehe, mein Vater war da meine Identifikationsfigur, ich musste ja nur auf´s Sofa schauen, denn da saß der Grund meines Aussehens! Aber ich LIEBTE meinen Vater, meine Mutter liebte ich natürlich ebenfalls. Umgekehrt war das genauso: Auch wir wurden wahnsinnig geliebt und insofern war es für uns nicht ganz so schwer wie für andere. Es gibt ganz viele gemischte Leute, die nicht mit ihrem schwarzen Elternteil aufgewachsen sind die Probleme haben mit der Identifikationsfigur, denn sie können sich nicht an jemanden wenden, sei es Mutter oder Vater.“ Sicherlich ist es für nicht-weiße Elternteile in Deutschland schwer, ihren Kindern den Weg zu ebnen, sie zu schützen und um sie stark zu machen gegenüber Menschen mit riesen Vorurteilen.
Hat ihr Vater versucht, ihr Stolz zu vermitteln?:„ So hat er es nicht gesagt- stolz sein. Er sagte, dass er aus Südafrika stammt und wir sehen dort halt so aus. Es gibt viele verschiedenen Menschen auf der ganzen Welt, ein Teil davon ist halt schwarz und haben andere Haare, aber das unterscheidet uns nicht menschlich. Dieser äußerliche Unterschied hat nix mit dem Inneren zu tun. Für mich hat das auch mehr Sinn gemacht, damit konnte ich viel mehr anfangen. Unsere Eltern haben uns schonend beigebracht, warum wir anders aussehen.“. Und damit haben die Eltern sicherlich den Grundstein gelegt für ihre tolerante Art. Denn Joy möchte auch nicht vergessen:“ Was mir immer wichtig ist: Es gibt nicht nur schwarze Diskriminierung, es gibt in Deutschland türkische Deutsche, jugoslawische Deutsche, etc. und ich reite nicht immer allzu gerne auf diesem „BLACK“ Ding herum, ich möchte nur nicht die anderen Leute vergessen , die eben auch diskriminiert werden. Vorallem Türken haben dieses Problem.“.

Für einen selbst mag es unvorstellbar sein, wie tief solche Vorurteile sitzen und wie sie zum Ausdruck gebracht werden. So erlebte Joy auch in Interviews sehr absurde Dinge:
„Aber es gibt immer noch Leute die mich darauf hinweisen. Grade gestern wurde ich gefragt, aus Minden kommend, frägt mich einer: ´Du sprichst aber ganz gut deutsch, wo hast´n das gelernt?´.
´Oh, na ich bin ´ne Deutsche, was meinste denn, warum ich so gut deutsch spreche?´.
Und damit mußt DU dich nicht rumschlagen, ist halt so! Und was mir immer ganz wichtig ist: Durch dieses „Brother Keepers“ haben ganz viele Journalisten einen schalen Nebengeschmack bekommen, und fragen: ´Und ist es denn so schlimm, wie ihr alle behautptet´?. JA, ich finde das es so schlimm ist, und ich glaube nicht das es übertrieben ist. Und es kann vielleicht bedrohlich wirken für einige Leute, wenn so ´ne Community von schwarzen Deutschen sich zusammen tut. Es gibt soviele Kollegen von Dir, die solche fragen stellen und sich überlegen ob es echt so schlimm ist. Und ich kann nur sagen, JA.“.
Und trotzdem reagiert Joy von solchen Erlebnissen nicht genervt oder verschreckt: “Nervt mich überhaupt nicht, es ist mir ein Anliegen, weil es mein Leben geprägt hat und es ist auch das, was mich immer von dir unterscheiden wird. Ich bin ne Deutsche als allererstes. Weil, meine erste Muttersprache ist deutsch und wenn ich die Melodie vom Sandmännchen höre, fühle ich mich heimisch, das ist was mich zu ner Deutschen macht.“

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Autor:
Julia Eckebrecht
Photos:
Fourmusic

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