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Anti-Flag spielten am 8.5.2002 zusammen mit Millencolin und den
Donots in Stuttgart-Filderstadt. Wie jedes Jahr beim traditionellen
Millencolin Konzert war das Publikum geil drauf, die Vorbands waren
cool und nur Millencolin stand wieder stocksteif auf der Bühne,
aber das tat dem Ganzen nichts ab, auch wenn das Konzert um 22:56
(!) aus war. Anti-Flag auf jeden Fall waren an diesem Abend eindeutig
Pulikumsliebling, zumindest den Schlangen vor dem Merchandise Stand
nach zu urteilen, und deshalb hier und jetzt auch das Interview
mit Pat, dem Schlagzeuger der Ami-Punker aus Pittsburgh...
Bumbanet: Eure neue Platte ist gerade erschienen...
Anti-Flag: Ja, "Mobilize" ist am 12. Februar rausgekommen,
ich weiß nicht, ob man sie in Deutschland schon bekommt.
Bumbanet: Wofür soll man mobilisieren?
Anti-Flag: Mobilisieren für den Frieden, für Aktionen.
Die "Warhawks" mobilisieren ständig für den
Krieg, und jene von uns, die sich für Frieden und Gerechtigkeit
einsetzten, sollten sich auch zusammentun und mobilisieren. Darum
geht es bei dem Namen unserer CD, und deshalb heißt auch unsere
Tour "Mobilize for Peace".
Bumbanet: Wenn man unsere heutige Zeit mit den Mit-Neunzigern
vergleicht, hat sich ja schon einiges getan.
Anti-Flag: Ja das stimmt. Damals, in den späten Achtzigern
und frühen Neunzigern, hatte keiner eine Ahnung von Weltbank,
G8 und WTO und was sie tun, wie sie alles kontrollieren und wie
sie solchen Unternehmen Geld geben, die arme Länder ausbeuten.
Auf einmal haben die Leute gemerkt, dass sie ihre Ärsche hochkriegen
müssen, dass sie was tun müssen. Das hat angefangen 1999
in Seattle und dann auch in Europa.
Bumbanet: Wie kamt ihr dazu?
Anti-Flag: Ach weist du, du schaust dich einfach um in der Welt,
du triffst Leute, und sie geben dir einfach neue Ideen, nicht nur
das was sie dir in der Schule und im Fernsehen erzählen. Du
lernst immer mehr dazu, und dann merkst du: Hoppla, da stimmt doch
was nicht! Das Internet ist dafür offensichtlich ein sehr gutes
Mittel, es ist jetzt viel leichter zu organisieren und das Netzwerk
wächst ständig. Kommunikation ist immer sehr wichtig.
Es gibt jetzt das "Inside Underground Network", dass von
berühmten Persönlichkeiten wie Howard Zinn und auch uns
unterstützt wird. Das erleichtert die Zusammenarbeit enorm.
Bumbanet: Auf eurer letzten CD stand das Statement: "Anti-Flag
is not Anti-American". Dann habe ich gelesen, das ihr es bereut
dies geschrieben zu haben...
Anti-Flag: Wir stehen natürlich immer noch dazu. Anti-Flag
ist gegen die amerikanische Regierung und gegen ihren Nationalismus,
nicht aber gegen das amerikanische Volk. Es gibt im amerikanischen
Volk genauso wie in jedem Volk bessere und schlechtere Menschen,
das ist überall gleich, egal welche Sprache die Leute dort
sprechen. Es war wohl ein Fehler in dem Sinne, dass es viele falsch
verstanden haben und gedacht haben wir schwächeln ab. Die Botschaft
kam einfach nicht richtig rüber. Es war wohl ein Fehler es
auf das Front-Cover zu schreiben ohne es richtig zu erklären,
aber wir alle lernen aus unseren Fehlern.
Bumbanet: Was denkst du über Bands wie Kid Rock und Limp
Bizkit, die in letzter Zeit sehr nationalbewusst rüberkommen?
Anti-Flag: Naja, ich mein, in meinen Augen sind das einfach Sumpfköpfe.
Es ist schon erschreckend, aber sie sind nicht in meiner Szene und
ich will auch nichts mit ihnen zu tun haben. Jedes Land hat immer
ein Problem mit Nationalismus, auch Amerika, besonders seit dem
11ten September. Aber viele sind seitdem politischer geworden, und
ich habe auch das Gefühl, dass viele Kids, die zu unseren Konzerten
kommen, schon wissen was in der Welt abgeht. Auf jeden Fall hat
der 11te September viele Themen ans Tageslicht gebracht, die vorher
einfach verschwiegen wurden. Es werden jetzt ganz andere Themen
auf den Titelblättern diskutiert, nicht mehr unbedingt wer
jetzt gerade wessen Schwänze lutscht und welcher kalifornische
Abgeordnete welches Mädchen verführt...
Bumbanet: Haben sie das Mädchen jemals gefunden?
Anti-Flag: Nein, immer noch nicht. Klar, es ist eine schreckliche
Situation, aber es verdient einfach nicht so eine riesige Aufmerksamkeit
von den Medien, dass über fast nichts anderes mehr geredet
wird.
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