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Interview: NJ Bloodline News

Bumbanet: Inwiefern anders ?

NJ Bloodline: Der ganze Stil, die Atmosphäre einer Show. Die Kultur, die Reaktionen der Leute. Mir ist aufgefallen, dass die Leute dich live auch gut finden, wenn sie nicht tanzen. Dann klatschen sie vielleicht nur, aber sie zeigen einem, dass man ankommt. In Amerika flippen die Leute entweder komplett aus, oder sie sagen dir, wie scheisse deine Musik ist. Wenn man in den Staaten spielt, weiß man halt was einen erwartet, während hier jede Show anders ist. Allerdings ist es auch ein Unterschied, ob man in New Jersey oder in Kalifornien spielt. Es ist überall anders.

Bumbanet: Hattet ihr auch schon die Möglichkeit, euch hier ein bißchen was anzusehen ?

NJ Bloodline: Ja, wir haben den Dom in Köln und Ulm besichtigt. Wir waren auch schon in Berlin. Ich kann den anderen zwar nicht all die Dinge zeigen, die ich mir damals als Tourist angesehen habe, aber wir haben dennoch schon eine ganze Menge Sightseeing gemacht. Allein durch die Tatsache, dass wir von einem Ort zum anderen fahren, kriegen wir viel zu sehen.

Bumbanet: Ihr seit ja mit dem Hardcore der Ostküste aufgewachsen.Wo ligen eurer Meinung nach die Schwerpunkte der Szene und deren Veränderungen ?

NJ Bloodline: Als ich ca 13 Jahre alt war, ging ich das erste Mal auf eine Show, d.h. vorher war ich ab und an mal auf irgendwelchen Metal Konzerten, aber dann ging ich zum ersten Mal auf ne HC-Show. Wobei man auch sagen muss, dass HC alles von den Dead Kennedy´s bis hin zu Slayer bedeutete. Man sah die Punks, Skinheads und Straight-Edge Kids alle auf einer Show vereint. Heute ist alles getrennt. Gründet man heute zum Beispiel eine Death Metal Band, der Gesang ist aber völlig untypisch, so wird ein Label ein extra Sublabel erfinden, dass nur diese Art des Death Metal vertritt. Dann stürzen sich die Leute auf einmal alle auf diese Bands...Ich fing eigentlich an auf Shows zu gehen, weil ich tanzen wollte. Ich ging mit vielen Freunden, gab irgendwelchen Mädels, die nicht im Pit waren, meinen Schlüssel, Geld und die Kippen und los ging´s. Wir tanzten wirklich zu jeder Band. Heute kommt es mir so vor, als ob die Leute ohne jegliche Beweggründe zu Shows gehen. Es geht darum gesehen zu werden und es gibt dementsprechend viele Poser. Betrachtet man die Veränderungen der Szene im musikalischen Sinne, so hat sich da nicht ganz so viel geändert. Es gab schon immer sehr viele Bands. Welche die richtig gut waren und andere, die die guten kopierten.

Bumbanet: Was hat euch überhaupt zum Hardcore gebracht ?

NJ Bloodline: Ich hab schon immer gerne Punk und Metal gehört und als ich dann älter wurde und ernstes Interesse an Musik entfaltete, hörte ich Bands wie Iron Maiden, Slayer und Bad Brains. Ich liebe auch die Misfits und Sex Pistols. Ich war also eher in der Metalszene und in da war man gegen Hardcore und..hehe.. ich hab da ordentlich mitgemacht: wenn einer meiner Metalkumpels sagte:"Hey Hardcore ist scheisse!" dann plapperte ich das schön brav nach und es hieß:"Ja, genau mann, das ist schlecht!". Irgendwann war ich auf einmal auf der ersten Show. Ich sah die Leute tanzen und dachte mir nur: Hey, das ist echt cool! Und schon bald hörte ich mir Bands wie Agnostic Front und Madball an. Das gute war, dass wir in einer Gegend lebten, wo man einfach alle Bands live sehen konnte, von denen man mal was gehört hatte. Egal wer, aber jeder spielte irgendwann mal in New York! Mein erstes Konzert war aber in New Jersey und die Leute gingen so ab, dass ich mit nem Haufen blauer Flecke und Prellungen nach Hause kam. Irgendwann fühlte ich mich dann reif für eine Show in New York. Als ich meinen Freunden davon erzählte, waren die der Meinung, dass wir das dort bestimmt nicht überleben würden, aber wir nahmen trotzdem den Zug und kamen auch wieder heil zurück! Seitdem liebe ich Hardcore Shows.

Bumbanet: Gibt´s denn eine Show, an die du dich immer erinnern wirst?

NJ Bloodline: Ja, meine erste, Murphy´s Law war das! Einfach genial!

Bumbanet: Seit ihr straight-edge?

NJ Bloodline: Nee, wir waren es nie und haben uns auch nie wirklich damit beschäftigt! Ich war mal für ein halbes Jahr Vegetarier, aber dann habe ich angefangen Fisch zu essen und dann kam Hühnchen dazu.. naja. Ich bin der Meinung, dass man Tiere, die sowieso schon tot sind, ruhig essen kann. Wenn man etwas mit der Intention macht, positives für einen selbst zu tun, find ich das allerdings ziemlich cool! Wir lieben es halt Party zu machen! Der ganze S.E. Hype ist für uns alter Kram, schon fast kein Teil des Hardcores mehr. Für mich bedeutet Hardcore, die Musik mit coolen Leuten zu genießen und neue Bekanntschaften zu machen. Das ganze andere Zeug drumherum teilt die Leute nur. Viele Leute in den Staaten haben uns zum Beispiel keine Shows spielen lassen, weil wir nicht wie sie s.e. waren! Als wir damals zum Hardcore kamen, war es anders. Es bedeutete, dass man an einem Ort sein konnte, an dem man sich wohl fühlte. Man konnte einen Knochen durch die Nase tragen, es interessierte niemanden. Man konnte einfach nur man selbst sein und wurde akzeptiert.

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Autor:
Nora Wünsch
Photos:
NJ Bloodline

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