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Interview: Manifesto News

Bumbanet: Früher habt ihr nur auf Englisch oder Portugiesisch gerappt, jetzt sind eure Texte auf Deutsch. Wie kam der Wandel?

Rico: Für mich ist es wichtig, dass alle Leute mich verstehen können. Deshalb habe ich auch damals angefangen auf Englisch zu rappen, damit mich international jeder versteht. Ich hatte aber festgestellt, dass ich nicht an das Niveau meiner amerikanischen Kollegen, was Lyrics und Rhymes angeht, rankam. Ich bin zwar Südamerikaner, aber ich bin halt kein English Native Speaker. 1993 haben mich die deutschen Sachen noch nicht geflasht, ich fand das damals noch nicht überzeugend, und deshalb blieb ich auch erstmal auf der Ami-Schiene. Langsam stieg dann aber das deutsche Rap-Niveau, sowohl was Texte als auch Beats angeht, und Lou schrieb für sich privat dann auch schon deutsche Texte. Er hat uns damit überzeugt, und so kann uns jeder in Deutschland ja auch am besten verstehen. Wir drei haben aber auch vor in unseren Heimatländern zu rappen...

Bumbanet: Ihr habt also schon vor, mal wieder zurück in eure Heimatländer zu gehen und dort HipHop zu machen?

Lou: Das sind die Roots und die sollte man nicht vergessen.

Reddi: Das ist das Thema Unabhängigkeit, was wir haben. Vor zwei Jahren durfte ich Manifesto kennenlernen und mit ihnen das Projekt starten. Daraus hat sich dann auch das Label BSE-Records entwickelt, das dahinter steht. Wir haben mit MP3's angefangen und hatten innerhalb von vier Monaten 20.000 Downloads unserer Tracks. Vor einem Jahr haben wir dann einen Plattenvertrag mit JamFM gewonnen, von 3100 Bewerbern. Der Plattenvertrag war mit 500.000 Mark dotiert, wir haben also Video und alles drum und dran bekommen. Wir haben diesen Vertrag aber abgelehnt und stattdessen BSE-Records erweitert, weil wir den ganzen Shit komplett selbst machen wollten, vom Vertrieb bis zum Marketing. So wollen wir uns manifestieren, deshalb Manifesto.

Bumbanet: Damit hast du unsere nächste Frage schon beantwortet! Dann mal weiter... ist Manifesto der einzige Act bei euch?

Reddi: Derzeit ist Manifesto noch der einzige Act, Manifesto wird aber nicht der einzige Act bleiben. Auf jeden Fall wird Manifesto aber für uns die Nummer 1 bleiben, da die Jungs für uns etwas Neues auf dem deutschen HipHop Markt repräsentieren. Aber wir suchen natürlich auch neue Herausforderungen.

Rico: Wir haben bei BSE-Records natürlich auch die Freiheit, wie wir sie sonst nirgendwo hätten. Zwischen uns steht eine Freundschaft. Es ist wie eine Familie.

Bumbanet: Einen Schritt zurück; was waren und sind eure Einflüsse?

Lou: Ich persönlich höre seitdem ich 12 bin HipHop. Vorher waren Michael Jackson und James Brown grosse Einflüsse für mich. Dann kam immer mehr HipHop dazu, Sachen wir Run DMC. Zur Zeit inspirieren mich Mos Def oder Talib Kweli. Das sind sehr viele Sachen.

Pablow: Ich gehe eher auf die Hardcore-Schiene ab, MOP und härtere Sachen.

Rico: Ich höre seit 1993 HipHop, seitdem ich nach Deutschland kam. In Brasilien habe ich vorher Heavy Metal gehört. Dann hat mich Snoop Doggy Dogg geflasht, da kann mir jeder erzählen was er will, ich finde sein Flow ist einzigartig. Später kamen Wutang Clan dazu, da hat mich der Sound gefesselt. Dann blieb ich auch auf dieser Eastcoast Schiene. In Bonn war früher auch ein sehr grosser Ausländeranteil, aufgrund der ganzen Botschaften, sodass ich auch HipHop aus Frankreich und ganz anderen Ländern gehört habe. Das war damals sehr offen.

Bumbanet: Wo ihr es gerade angesprochen habt mit Ausländern, im Moment gibt es ja den Trend, dass fast alle einen Song gegen Rechts machen, wie ist denn eure Position dazu?

Lou: Daran sollte man auf jeden Fall immer denken und dafür seine Zeit opfern.

Reddi: Man muss was dagegen machen, und zwar zu 100 Prozent. Man darf weder in der Ecke stehen noch mit Gewalt dagegen gehen, sondern mit Intelligenz. Und am besten sollte man das so rüberbringen, dass es der Glatzenmann auf versteht, ist zwar schwer kann aber trotzdem passieren. HipHop ist im Moment die richtige Revolutionsvariante dafür. Unser Staat macht anscheinend nichts, wenn man an Wurzen denkt, das ist mehr als ein Skandal. Mit HipHop hat man die Chance da etwas zu machen, und die Chance muss man wahrnehmen.

Rico: Es ist hier ganz komisch, die Nazis dürfen ganz offiziell und geschützt ihre Parolen vermitteln, aber wenn du gegen den Castor protestiert, wirst du verhaftet. Unsere Aufgabe ist es, da den Ausgleich zu setzen. Wir müssen bei den Leuten einen Gedankenprozess auslösen und dazu sind wir Künstler da. Vor allem haben wir selber auch den Rechtsradikalismus erlebt, ich und mein Kumpel Pablow, deshalb ist mir das auch sehr wichtig. Das Ansehen der deutschen Nation wird ja auch verschlechtert, wenn in irgendwelchen Zeitungen die Deutschen immer mit einem Pickelhelm charakterisiert werden. Die meisten Deutschen denken doch multikulturell, das ist nur eine kleine braune Masse, die anders denken.

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Autor:
Bumbanet Redaktion
Photos:
BSE-Records

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