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| Music | Urbanstyle | |||||||||||
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Haas: Bei ihm ist das wirklich so, dass er ganz besessen ist, wenn ihn etwas flasht. Alle paar Tage kam er mit einem neuen Text an, es hat dann wirklich ziemlich schnell alles zusammengepasst und gestimmt. Manchmal sind wir abends um 10 Uhr aus dem Studio gegangen, und als ich dann am nächsten Morgen zurückkam, hatte Moses schon wieder zwei Strophen fertig. Dann bist du also der ruhende Pol, der die kreative Energie von Moses in geordnete Bahnen lenkt? Haas: Es ist auf jeden Fall ein Ausgleich da, aber das ist etwas zu einfach betrachtet. Pelham: Man flasht sich halt gegenseitig. Aber eine Sache muss ich noch loswerden. Als ich die Texte für Cassandras Stimme geschrieben habe, hat sich mir eine ganz neue Ausdrucksform aufgetan. Das fühlt sich fast so an, als hätte ich vorher eine Behinderung gehabt, die jetzt durch Cassandra weg ist. Aber du hast doch auch schon für Sabrina oder Xavier geschrieben. Pelham: Es ist aber schon ein Unterschied, ob du mal einen Titel schreibst oder vielleicht mal sagst: "Du, das würde ich aber so und so machen", aber dabei immer die Sichtweise des anderen annimmst, so als Form von Dienstleistung. Oder ob du wirklich in dich gehst, um ganz tief aus dir was rauszuholen, und das dann von einer anderen Person interpretieren lässt. Das ganze Album hat eine sehr entspannte, getragene Atmosphäre. Ist das das Konzept von "Glashaus" oder liegt die Stimmung an Cassandras Stimme? Steen: Ich glaube, die beiden haben eine ruhige Seite an sich gefunden. Haas: Es gab nicht das Konzept nach dem Motto "Das Album muss aber so und so werden". Es ist gewachsen. Und schnelle Stücke haben sich dabei einfach nicht ergeben. Pelham: Beats lassen ja oft Gefühle hoch schwappen, von denen du nicht wusstest, dass du sie hast. Das passiert bei mir nun mal nicht mit 120 BPM, sondern eher dann, wenn es langsam wird und der nötige Raum da ist. Das beschränkt sich aber nicht auf GLASHAUS. Hast du beim Schreiben neue Seiten an dir entdeckt? Pelham: Nee, aber mich intensiver damit, letztlich mit mir selbst, beschäftigt. Du lebst halt und erlebst. Und als wir das Zeug gemacht haben, habe ich Sachen erlebt, die verarbeitet werden mussten. Leid und Trost ziehen sich wie ein roter Faden ... Pelham: ... durch mein Leben. Jedenfalls durch diese Platte. Pelham: Wenn man die Augen aufmacht, ist es doch relativ offensichtlich, dass da draußen Leid ist. Deshalb suche und brauche ich Trost. Logo hat mein Leben auch noch andere Seiten. Ich gehe zum Beispiel gerne früh ins Bett und gucke Fernsehen. Aber darüber möchte ich keine Lieder schreiben. Du sitzt mit deiner Firma in einer stattlichen Villa, hast Autos und Geld. Was juckt dich das Leid dieser Welt? Pelham: Hmhmhm. Ich hoffe, dass du weißt, dass man trotz Villa und dem ganzen Lalala sehr wohl Leid empfinden kann. Nicht nur persönliches Leid, sondern auch Mitleid. Das hat mehr mit deiner Sicht der Dinge zu tun als damit, wie viel Geld du verdienst. Außerdem, wer weiß schon, wie viel Geld ich hab und wofür ich es schon ausgegeben habe. 3p gibt es jetzt seit zehn Jahren und hat 16 Angestellte. Willst du mit der Firma irgendwann an die Börse? Pelham: Wir haben vor zwei, drei Jahren natürlich schon mal darüber nachgedacht, es aber für unseriös befunden. Natürlich brauchen wir Geld, um unsere Ziele zu verwirklichen, aber wir sind ja nicht nur eine Geschäftsidee, sondern eine Art "Wir machen Kunst und wollen davon leben"-Veranstaltung. Das den Aktionären zu erzählen, ist wohl extrem schwierig. Ich fühle mich auch ganz wohl dabei, dass uns hier niemand reinredet. Das "Glashaus"-Album beginnt mit "Weckruf", einer zweiminütigen Aneinanderreihung von Bibelversen. Ist "Glashaus" das Glaubensbekenntnis des Moses Pelham? Pelham: Ach, das ist kein Konzept gewesen. Aber ich finde es im Moment sehr spannend, mich mit spirituellen Dingen auseinander zu setzen. Ist das der Einfluss von Xavier Naidoo? Pelham: Ich hatte schon 1990 auf meiner Platte "The Bastard lookin’ 4 the light" bibelbeeinflusste Stücke, der Titel des Albums ist ja schon bibelbeeinflusst. Es ist Unfug, dass erst Xavier Religiosität in mein Leben gebracht hat. Aber bei all dem Scheiß, den dieser Mensch gemacht hat muss man ihm lassen, dass er die Diskussion über Gott und die Bibel in der Öffentlichkeit vom Zaun gebrochen hat. Allein die ganzen Gespräche, die wir geführt haben, als er sein erstes Album hier aufgenommen hat. Das hat alles auch seinen Einfluss bei mir hinterlassen. Nicht nur bei dir. Pelham: Genau. Du hast plötzlich jemanden, der Popstar ist, eine Million Platten verkauft und sich zu Gott bekennt. Das macht es einem 12-Jährigen, der Gott in seinem Herzen hat, aber nicht weiß, ob es cool ist, der Alten, die er zum Eis eingeladen hat, von seinem Glauben zu erzählen, natürlich einfacher. Das muss man Xavier also lassen. Das Ganze wird leider nur auch zu schnell zur Farce, aber na ja. Werdet ihr Glashaus eigentlich live auf der Bühne präsentieren? Haas: Das muss man mal sehen. Mit der ersten Single "Wenn das Liebe ist" werden wir erst mal zu zweit auftreten, Cassandra singt, ich sitze am Flügel. Es wäre bestimmt toll, aber auch etwas teuer, wenn wir das jetzt komplett mit Orchester machen würden. Pelham: Wobei das bei Udo Lindenberg zum Beispiel hammerhart kommt. Ohne Sponsoring-Deal ist das jedoch tatsächlich nicht bezahlbar. Spiegelt sich in Glashaus auch der Trend zum deutschsprachigen Soul, etwas weg vom Hip-Hop, wider? Steen: Ich finde, dass Hip-Hop und Soul sehr nah beieinander liegen, bei 3p ja sowieso, schon immer.
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