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Interview: Curse News

Vom Underdog aus dem kleinen Städtchen Minden wurde mit seinem Debüt "Feuerwasser" einer Deutschlands wichtigster Rapper. Mit "Von Innen nach Aussen" hat er diesen Erfolg jetzt nochmal getoppt. Grund genug uns darüber zu unterhalten...

Bumbanet: Was hat sich in deinem Leben verändert nach der Veröffentlichung von "Feuerwasser" geändert?

Curse: Vieles, ich war selten zuhause, fast das letzte ganze Jahr war ich unterwegs und habe 90 - 100 Shows gemacht. Dabei habe ich viele neue Leute getroffen und bin mehr zu einer öffentlichen Person geworden, die ich vorher noch nicht war. Auf der anderen Seite ist das auch cool, ich kann mich jetzt viel mehr um meine Musik kümmern, da ich jetzt nicht mehr nebenher arbeiten muss, auf der anderen Seite ist es auch so, dass die Leute jetzt alles was ich sage oder mache extrem auf die Goldwaage legen und mir kein Privatleben mehr zugestehen. Ich bin auch nur ein 22-jähriger Typ bin der auch mal Scheiße baut. Es hat sich aber auch nicht alles von Heute auf Morgen verändert, denn ich habe jahrelang daran gearbeitet, es war ja eine relativ coole und langsame Entwicklung. 1997 habe ich die ersten Features bei den Stiebers und bei Toni L auf dem Album gemacht, dann kam meine erste Maxi Anfang 1999 und dann kam die Zweite mit einem kleinen Low Budget Video, dann kam die EP und dann das Album. Das heisst es war ein langsamer gesunder Aufstieg, deswegen war das jetzt auch nicht schockierend. Es gab natürlich Dinge, die mir im letzten Jahr passiert sind, die sehr strange waren, aber ich bin sehr dankbar, dass alles so klappt.

Bumbanet: Ist es noch möglich für dich aus dem Haus zu gehen ohne erkannt zu werden?

Curse: Ja, es kommt aber darauf an wo. Ich kann z.B. nicht auf eine HipHop Jam oder in einen HipHop Club gehen ohne erkannt zu werden, das ist klar. Alles was mit HipHop zu tun hat, da werde ich halt erkannt, aber das ist auch cool. Manchmal werde ich auch auf der Straße von Leuten erkannt, auch an komischen Orten, aber eigentlich geht das noch. Erkannt werden ist ja nicht schlimm, aber dann drangsaliert zu werden ist schlimm. Wenn ich mit einem Freund unterwegs bin, mit einer Freundin im Park sitze, oder wenn ich auf einer Party bin und ein Bier trinke, dann kommen Leute an und labern mir eine dralle Backe, das ist dann nicht so schön. Ich bin auch nicht der Mensch der unfreundlich ist und sagt "Geh weg" oder sowas, ich hör mir das dann an und hoffe, dass die Person dann selber merkt, dass sie gerade unpassend ist. Wenn die Leute nicht soviel Respekt haben zu akzeptieren, dass ich privat da bin, finde ich das sehr schade.

Bumbanet: Der Titel von deinem Album lautet "Von Innen nach Aussen", wie kamst du auf diesen Titel und was willst du damit aussagen?

Curse: "Von Innen nach Aussen" steht für mich für den Prozess des Musik Machens. Da kommen erst die ganzen Eindrücke von Aussen zu mir ran und dann verarbeite ich die und nehme das, was in mir drin ist, meine Gedanken, meine Gefühle und der ganze Shit, und bringe es nach Aussen. Das ist auch der Prozess wie ich mit anderen Menschen rede, so wie mit dir jetzt, ich bringe meine Gedanken nach Aussen zu dir, ich sage dir das, was in mir drin ist, und deswegen heisst das Album auch "Von Innen nach Aussen".

Bumbanet: Wie schreibst du deine Texte? Hast du eine bestimmte Orte oder Zeiten wann und wo du sie schreibst?

Curse: Es gibt kein Schema oder ein Ritual, sondern es ist mehr ein disziplinierter Prozess, in dem ich mir sage "Okay, ich setze mich jetzt hin und schreibe". Manchmal ist es auch so, dass ich eine Idee habe und die dann aufschreibe. Ich schreibe eigentlich immer relativ viel, meistens schreibe ich auch ganze Tracks an einem Stück. Wenn ich den Großteil eines Songs an einem Stück schreibe dann ist der Flow auch einfach gut. Ich habe beim ersten Album teilweise lange an den Lyrics rumgemacht und rumgedoktort, hier und da noch was verändert. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass da die Spontanität etwas verloren gegangen ist und das wollte ich diesmal vermeiden. Ich wollte das, was in der Sekunde aus mir rauskommt, und zwar unzensiert.

Bumbanet: Wie war die Arbeit an dem Album und mit den jewiligen Künstlern die darauf vertreten sind?

Curse: Es war für mich wichtig das zweite Album nicht unter irgendeinem Druck besser machen zu müssen. Ich habe das Album so gestaltet, wie ich es zu dem Zeitpunkt haben wollte, ich habe mich ran gesetzt und einfach Tracks gemacht, ich habe so eine Art größere Vision gehabt, wie es später sein sollte. Dann habe ich mit verschiedenen Produzenten gesprochen, habe mir Beats angehört und dann 27 Tracks zusammengetragen, aus denen die jetzige Auswahl dann entstanden ist. Genauso war es mit den anderen Artists, es waren einfach Ideen von mir zu Songs, wo ich mir gedacht habe, zu diesem Song würde der Savas einfach sehr geil passen. Dann habe ich die Leute gefragt und hatte sehr viel Glück, dass die Leute Zeit und Lust hatten da mitzumachen. Insgesamt wollte ich mich nicht neu erfinden, ich wollte nur das gleiche Essen kochen, aber mit besseren Zutaten und mit mehr Erfahrung.

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Autor:
Solange Durand
Photos:
Jive, Bumbanet

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