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Interview: Bintia News

Es war einer dieser verregneten Tage Anfang Mai als am frühen Nachmittag bei uns das Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung, im HipHop Büro Berlin sitzend, war wie erwartet Bintia. Bintia, die jetzt in Kürze ihr erstes Album vorlegen wird, was aber eigentlich alles andere als selbstverständlich ist, auch für sie.

Geboren wurde die heute 22 Jährige in Magdeburg, und soweit ist ihre Biographie noch ganz gewöhnlich. Ihr Vater war Afrikaner und ihre Mutter Deutsche, und Bintia begann sich schon in frühen Jahren für Handball zu interessieren, später auch für Basketball. Das sollte für lange Zeit ihre große Leidenschaft bleiben, auch nach ihrem Umzug in die Karibik nach der achten Klasse. Bis dahin hatte das Leben von Bintia, die drei Sprachen fließend spricht, noch recht wenig mit Musik zu tun. Abgesehen vielleicht davon, dass sie die große Leidenschaft ihres Vaters für afrikanische Folklore und die ihrer Mutter für Freejazz mitbekam. Der Einstieg ins Musikbuisness kam dann schnell und überraschend. Während Bintia für einen Sommerurlaub in Berlin weilt trifft sie auf eine alte Freundin aus der Grundschule. Diese sang mittlerweile in der Girlgroup Finesse, denen aber die vierte Stimme noch fehlte. Also übernahm Bintia diesen Part bei der Aufnahme zur ersten Single.

Inzwischen war Bintia wieder in der Karibik zurück. Dort vollendete sie ihre Schule um dann endgültig nach Deutschland zu ziehen. Dort hatte die Single von Finesse einen kleinen Erfolg gelandet und Bintia entschied sich gegen ein Basketballstipendium für die Musik. Aus heutiger Sicht die richtige Entscheidung, aber eine Entscheidung die ihr damals bestimmt nicht leicht gefallen ist: "Ich konnte mir damals eigentlich nicht wirklich vorstellen selber Musik zu machen, ich wußte ja auch, wie viele Sängerinnen ohne Erfolg es da draussen gab. Eigentlich wollte ich lieber etwas solides machen."

Es ging dann auch erstmal bergab. Die Girlgroup löste sich auf und Bintia nahm mit Vanessa Mason ein Album auf, was aber nie released wurde. Trotzdem blieb sie am Ball, machte solo weiter und fand den Weg in die deutsche HipHop Szene. Bintia machte Kollabos mit Brixx und DCS, und gewann so an Bekanntheitsgrad. Spätestens seit der Hitsingle "Weit Weg" der Deichkinder dürfte dann auch jedem ihr Name und ihre Stimme zu Gehör gekommen sein. Und noch ein weiterer Feature Track ist nicht ohne Bedeutung, "Clubflash" auf dem Spezializtz Album. Denn mit deren Rapper Harris ist sie mittlerweile verheiratet und beide haben zusammen einen Sohn. Deshalb wird sie auch in Deutschland wohnen bleiben, was eigentlich nie ihre Absicht gewesen ist, was verständlich ist, wenn man so lange in der Karibik gelebt hat.

Ein Song auf ihrem Album erinnert auch an das karibische Flair, "Aux Caraibes". Während sie sonst deutsch singt, weil die Leute hier sie deutlich verstehen sollen, benutzt sie auf diesem Song die französische Sprache: "Ich hatte zuerst auch einen deutschen Text zu diesem Song, aber ein paar Kollegen meinten, das klänge zu sehr nach NDW." Musikalisch orientiert sich das Album an Soul, HipHop und R'n'B, beeinflusst wurde Bintia aber hauptsächlich nur durch alte Soul Größen. Der HipHop Einschlag kommt dagegen hauptsächlich durch die ganzen Gastfeatures auf dem Album, so gaben sich MC Rene, Bektas, Brixx, Spezializtz und Montell Jordan die Ehre. Auch die Produktion wurde von Homies aus der deutschen HipHop Szene übernommen, DJ Derezon aus Berlin, Headrush Roman und Headrush Plattenpapzt, Superjam und DJ Rocky (liefert auch die Beats für das Afrob Album) wirkten mit. Veröffentlichen wird das Album das Label Def Soul, bei dem Bintia sehr glücklich über ihre Freiheit ist, am 18. Juni. Mit dem Album will Bintia keine bestimmte Zielgruppe ansprechen, das typische HipHop Publikum oder 12 Jährige strebt sie aber nicht an.

Bleibt nicht mehr viel zu sagen. Freuen kann man sich auch noch auf einige kleinere Live-Gigs. Denn diese Qualitäten hat sie bereits auf Tour mit DCS, dem Plattenpapzt, Deichkind und Mellowbag, sowie dem Splash Festival unter Beweis gestellt. Gerne will sie auch mit einer kleinen Liveband auftreten: "So groß wie bei Freundeskreis wird die bestimmt nicht, das ist leider eine Kostenfrage." Dann war unser Telefongespräch auch schon vorbei und die Dinge nahmen wieder ihren Lauf.

 

Autor:
Bumbanet Redaktion
Photos:
Def Soul, David Cuenca

Bumbanet Magazine

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