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Interview: Bektas News

Der Berliner Rapper Bektas ist erst 25 Jahre alt, hat aber bereits Features bei RZA und Mystikal. Wie fragten ihn wie das kommt und vieles mehr in unseren Interview...

Bumbanet: Du bist ja relativ neu am Start mit deiner ersten Maxi, wie ging es bei dir los?

Bektas: Ich bin Anfang der 90er zum Rappen gekommen. Erst habe ich die Texte von amerikanischen Rapper, die meine Vorbilder waren, nachgerappt. Später hat mich ein Freund aus der Klasse wieder neu animiert, in dem er mich herausgefordert hat, jede Pause wollte er mit mir battlen. Ich hatte damals aber nicht auf Deutsch gerappt. So habe ich mir in drei Monaten dann einen Reimschatz angebaut und dann habe ich ihn herausgefordert. Fünf Jahre habe ich dann auf Jams gefreestylt, damals Anfang der 90er gab es ja auch noch viele Jams - nicht so wie heute. Dann haben wir irgendwann angefangen Texte zu schreiben. Ich rappe jetzt seit 10 Jahren, aber jetzt erst kommen meine ersten Veröffentlichungen. Meine erste Single hieß "Was Lousn" mit drei Tracks. Jetzt arbeiten wir an einer zweiten Single und einem Album.

Bumbanet: Was erwartet uns auf deinem Album und wann?

Bektas: Hoffentlich kommt das Anfang 2002 raus, es ist nämlich schon fast fertig und wird 15 Lieder enthalten, dazu zwei türkische Bonustracks und den ein oder anderen Skit. Der Name des Album lautet "Alis im Wunderland". Insgesamt wird das Album zweigespalten sein. Ein Teil autobiographische Raps und ein Teil Stories.

Bumbanet: Du hattest auch noch Veröffentlichungen im Ausland?

Bektas: 1996 hatte ich zwei Tracks auf einem türkischen Album. Ich hatte ja auch noch andere Projekte, wie eine Tour mit Peter Maffay.

Bumbanet: Hast du eigentlich damals, als du nur deine Feature Sachen gemacht hast, auch darüber nachgedacht, mal selber was zu machen?

Bektas: Ich hätte nie gedacht, dass es soweit kommt, dass ich nur den ganzen Tag mit Musik beschäftigt bin. Früher bin ich zur Schule gegangen und das war nur ein Hobby. Und gerade in Berlin ging es nie um eine Marketing Basis, Geld oder Platten zu machen. Irgendwie hat sich dann alles so ergeben, noch während meines Abiturs hatte ich meine erste Veröffentlichung in der Türkei, aber trotzdem hatte ich das noch nicht so ernst genommen. Ich wollte dann anfangen zu studieren, aber nach der Tour mit Peter Maffay - das war der auschlaggebende Punkt - konzentrierte ich mich dann ganz auf mein Ding. Plötzlich habe ich Sachen erlebt, von denen ich nie geträumt habe. Und inzwischen mache ich nichts anderes mehr. Früher bin ich einfach zu meinem DJ Smolface - wir kennen uns noch aus Sportzeiten - gegangen und habe einfach gerappt, ohne Verantwortung. Ich hätte echt nie gedacht, dass es so kommt.

Bumbanet: Wie kam's dazu, dass du von Jive gesignt wurdest?

Bektas: Ich habe Ende 1998 angefangen, Demos zu verschicken. Auch bei der Maffay Tour habe ich dann den Leuten die Demos persönlich in die Hand gedrückt. Erst kamen aber nur Absagen oder gar nichts zurück. Bevor ich dann zu Jive kam wurde ich vom Berliner Label Such-a-Sound gesignt. Darüber kamen dann mehrere Major Angebote, und Jive hatte das Beste. Die wollten den gleichen Weg wie wir gehen.

Bumbanet: Wie sehen deine Einflüsse aus, ist das auch viel aus der Türkei?

Bektas: Unterbewusst auf jeden Fall. Ich habe seit meinem zwölften Lebensjahr nichts anderes gemacht als Folklore zu studieren. Erst habe ich angefangen Saz zu spielen und dann kam auch die türkische Literatur hinzu. Später hatte ich natürlich andere Vorbilder, aber die kann man nicht mit dem vergleichen. Meine ganzen Vorbilder sind Menschen, die gar nicht mehr leben, sondern im 18. und 19. Jahrhundert gelebt haben. Mein Einfluss aus der Türkei ist vor allem inhaltlicher Art. Die türkische Folklore - auch wenn es da ein breites Spektrum gibt - basiert sehr auf Inhalten. Das wird man auch bei meinem Album merken, der Inhalt ist das Wichtigste an meinen Texten. Mein Ohr ist auch anders geschult, Türken hören eher höhenlastiger. Deshalb klingt der Sound dort auch weicher, da gibt es keine fetten Beats. Egal wie emotional die Musik ist, die Beats sind leicht, durch die wird keine Power rübergebracht. Seit ein, zwei Jahren ist auch die Umwelt ein grosser Einfluss für mich, das was mich direkt umgibt. Familie oder Freunde, Leute die man kennt. Meine Familie war ein sehr grosser Einfluss, dazu muss man wissen aus was für einer Familie ich komme: Meine Eltern kommen aus Mittel-Anatolien, direkt vom Land. Meine Oma väterlicherseits war Analphabetin. Als sie mit siebzig Jahren in die Stadt kam hat sie autodidaktisch Lesen und Schreiben gelernt. Im Dorf konnten viele nicht lesen und schreiben, die haben deshalb die Sprache anders gefühlt und konnten die Worte rückwärts sprechen. Deshalb hatte die Sprache in meiner Familie eine grosse Bedeutung. Ich sehe mich persönlich auch als Sprachrohr meiner Familie und meiner Vorfahren. Eine Zeitlang waren auch amerikanische Acts ein grosser Einfluss für mich, Big L, Hieroglyphics, Tha Funky Homosapien und Ice Cube.

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Autor:
Bumbanet Redaktion
Photos:
Jive

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