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Bumbanet:
Spielen die Texte bei euch eine wichtige Rolle, in Relation zu der
Musik?
Patrice: Die Texte spielen eine sehr wichtige Rolle,
deshalb verstehen wir auch Bands ohne Aussage nicht. Wir machen
keine Texte, die Anweisungen mit dem erhobenen Zeigefinger liefern,
wir wollen mehr die Problematik aufzeigen, die wir selber vor unserer
eigenen Haustür haben. Jeder, der etwas die Augen aufmacht,
kann diese Problematik auch erkennen. Jeder gegen jeden
ist das beste Beispiel dafür auf der EP. Es gibt einfach zu
viele Leute, die nicht mehr hingucken. Wenn die Obdachlosen in Berlin
ihre Zeitung verkaufen, dann dreht sich jeder weg. Aber die Problematik
ist trotzdem da. Wir versuchen halt den Leuten zu sagen, dass ur
viel Scheisse passiert. Gerade deswegen sind unsere Texte auch in
Deutsch. Auf der anderen Seite ist es auch so: stell dir einen 13jährigen
vor, der deutsche Musik hört. Der hört Jürgen Drews
im Fernsehen, der hört Volksmusik im Fernsehen. Und wenn der
18 ist, denkt der, das ist deutsche Kultur.
Bumbanet: Schreiben nur du und Brix die Texte?
Patrice: Ja, Brix und ich. Aber wenn jemand im Studio
eine andere Idee hat, dann greifen wir das natürlich auf. Alle
sind an der Musik beteiligt, aber jeder hat sein Ressort. Marlon
kümmert sich als Drummer um die Samples und Beats. Und so hat
jeder seine Aufgabe.
Bumbanet: Glaubt ihr, dass zu wenige Bands in
Deutschland zu diesen Themen Stellung beziehen?
Marlon: Auf jeden Fall, ich finde es auch sehr merkwürdig,
wir in den letzten 10 bis 15 Jahren politische Texte unter den Tisch
gefallen sind. In den glorreichen Punkzeiten waren politische Texte
noch völlig normal. Und dann kommt jetzt auf einmal so etwas
wie der Krieg in Afghanistan und Politik ist wieder in aller Munde.
Patrice: Ich denke, es gibt schon genügend
Bands, die deutsche Musik machen, gute deutsche Musik. Mit Texten,
wie wir sie machen, ist es aber verdammt schwer einen Deal zu kriegen.
Und es gibt auch wenige Leute, die sich offen trauen, ihre Meinung
zu sagen. Und umso schwerer ist es, das bei einer Plattenfirma durchzusetzen.
Aber das Potential ist da. Dort wo wir in Berlin proben, gibt es
sehr viele Bands, die sehr gute Musik machen, aber es kommt halt
nicht viel nach aussen.
Bumbanet: Ihr nennt eure Musik Berlin Speech
Core. Wehrt ihr euch gegen den Begriff Crossover?
Marlon: Crossover kann man fast zu jeder Musik sagen.
Klar sind wir Crossover, schon wegen unseren Typen. Aber ich sehe
Crossover nicht als enge Sparte an, das ist ein dehnbarer Begriff.
Patrice: Ich denke mit Berlin Speech Core treffen
wir unsere Musik besser auf den Punkt. Die am meisten intensive
Form deutsche Texte hörbar zu machen.
Bumbanet: Ihr habt auch mal betont, dass Berlin
Die Stadt für euch ist. Gibt es dafür bestimmte Gründe?
Marlon: Berlin ist einfach etwas Besonderes. Dort
sind Ost und West verschmolzen und dadurch hat sich etwas eigenes
entwickelt, was man sonst nirgendwo findet. Das hat man in München
nicht, und in Hamburg nicht.
Patrice: Ich habe mal zweieinhalb Jahre in Düsseldorf
gewohnt, das war grauenvoll. Ich bin dann wieder abgehauen, und
am Wochenende bin ich immer nach Köln gefahren. Aber Berlin
ist unschlagbar. Andererseits ist es in Berlin aber schwierig, sich
als Band einen Namen zu machen. Es gibt dort so viele Bands und
das Publikum ist einfach überreizt. Mittlerweile ist es so,
dass man Geld zahlen muss, wenn man spielen will.
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