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In
Köln trafen wir die zeitlich gestressten Aphrodelics zu einem
kurzen Interview. Die Wiener haben seit kurzem ihr drittes Album
"Enormis" auf dem Markt, über das auch unser Gespräch
ging...
Bumbanet: Was erwartet uns auf eurem neuen Album "Enormis",
was ist neu?
Clumzy: Wir waren jetzt zwei Jahre sehr kreativ und haben probiert
neue Sachen zu machen. Wir wollten nicht mehr irgendwas machen wie
beim ersten Album, sondern wir haben uns ein Konzept und eine Linie
überlegt. Ein halbes Jahr haben wir dann konzipiert und ein
dreiviertel Jahr aufgenommen und Tracks gesammelt. So sind wir nach
New York gefahren und haben Features gemacht, you know the whole
thing.
Shegun: Das Album ist eine Weiterentwicklung von unserem Style.
Wir haben mehr daran gearbeitet und gefeilt. Wir sind erwachsener
und älter geworden. Unsere Einflüsse haben sich auch etwas
verändert.
Bumbanet: Habt ihr euch gezielt Leute für die Features
gesucht oder waren das Leute mit denen ihr down seid?
Shadee: Mit den Spezializtz sind wir zum Beispiel down. Die anderen
Sachen sind aus gegenseitigem Interesse und Respekt entstanden.
Man hat sich halt überlegt, wer gut zu dem Track passen könnte.
Bumbanet: Auf eurem Album sind jetzt auch vermehrt elektronische
Einflüsse, hat das mit der Szene in Wien zu tun?
Shegun: Teils hat das mit Wien zu tun, teils damit, dass wir die
HipHop Geschichte sehr ernst nehmen, und da war es bisher so, dass
sich alle stets weiterentwickelt haben. Ich habe im Moment leider
das Gefühl, dass - speziell in Deutschland - sich nur die MC's
weiterentwickeln, nicht aber die Musik. Und wir haben halt einen
anderen Ansatz und setzen auf andere Werte. Wir wollten etwas zur
Entwicklung beitragen. Wien hat sich da natürlich mit seiner
Elektronikszene angeboten. Außerdem waren ja die ersten HipHop
Sachen auch elektronisch, aber das wurde immer weiter runterformatiert
und damit ist auch die Qualität zurückgegangen.
Bumbanet: Wie kamt ihr eigentlich zu eurem Label BMG, das ist
ja nicht das typische HipHop Label?
Clumzy: Wir haben uns von Anfang an schon selber organisiert und
haben dann einen Special-Deal mit der BMG ausgemacht. Die kreative
Linie haben wir immer noch unser eigenen Kontrolle, wir machen unser
eigenes Artwork und unsere eigenen Internetseiten. Der Deal kam
eigentlich durch unsere erste Single "On the Rise" 1994 zustande.
Unser A&R aus München hat das gehört und ist nach
Wien geflogen, weil er das geil gefunden hat.
Bumbanet: Ihr seid auch viel in New York, gibt es eine Stadt
die euch am Besten gefällt?
Clumzy: Es ist nicht nur New York bei uns, wir sind einfach global
international. Wir sind auch gerne in Frankreich, Holland und Deutschland.
Dort wo uns die Musik hinzieht, gehen wir hin, dahin wo Leute sind
mit denen wir arbeiten wollen. New York ist natürlich für
HipHop das Mekka und so haben wir dort mit Masta Ace recorded oder
das Streettape mit Tony Touch aufgenommen. New York ist einfach
unser second home.
Shegun: Wir wollen dort auch unser nächstes Album aufnehmen.
Shadee: Wenn wir da runterfahren ist das einfach wie food for the
brain oder food for the soul. Die Leute da spornen dich alle an
noch mehr zu tun. Es gibt da sehr viel Konkurrenz, aber kein Konkurrenzverhalten,
das ist das Ding. Es ist ganz egal wie tight du bist in America,
es kommt auf die Connections und die Originalität an. Auf jeden
Fall ist es cool da drüben rumzuhängen und seine Musik
zu machen.
Bumbanet:
Es gibt auch immer Leute, die Probleme haben mit englischsprachigem
Rap aus Österreich, Schweiz oder Deutschland. Bekommt ihr das
auch mit?
Clumzy: Nein, es gibt Crews, bei denen das nicht akzeptiert wird,
weil sie es einfach nicht gut rüberbringen. Das sind zwei verschiedene
Sachen. Rap besteht aus der Musik und der Liveshow, und das macht
den Eindruck auf die Leute. Auf einem Konzert hört sich doch
kein Publikum die Rhymes an, das interessiert kein Arsch. Es geht
nur um den Hype, wie du reinknallst. So machen wir das, und wenn
wir einmal reingeknallt haben dann ist schon der grösste Teil
der Angst von den Leuten weg.
Shegun: Mir ist es noch nie so vorgekommen, als ob die Leute mit
uns ein Problem hätten, weil wir englisch rappen. Für
uns ist das so selbstverständlich, und auch die Ergebnisse
- gewollt oder ungewollt - die wir damit erzielen, sind beachtlich.
Die Amerikaner rufen uns ja an oder laden uns ein. Die Amerikaner
haben damit auch kein Problem, wenn das irgendwo abläuft, dann
hier, das ist ein einzigartiges Phänomen.
Bumbanet: Bringt ihr euer Album auch in anderen Ländern
heraus?
Clumzy: Unsere Alben ist in den Staaten, in Holland und in Kenia
gelandet, Musik geht überall hin. Mit "Enormis" versuchen wir
jetzt aber erstmal in Europa zu landen, und dann mal gucken was
sonst noch geht.
Bumbanet: Ihr bringt ja live immer eine grosse Show, könnt
ihr das mal beschreiben?
Clumzy: Angefangen haben wir eigentlich mit 3 MC's und einem DJ,
und das war's auch beim ersten Album. Jetzt wollten wir aber die
Liveshow auch auf ein nächstes Level bringen, also arbeiten
wir mit Live-Percussion, Videowand und Cubes. Das machen Freunde
von uns aus Wien. Das soll einfach ein riesen Ding werden und das
ist uns auch wichtig. Ich habe schon so viele Gruppen gesehen, wo
ich mir gedacht habe, dass die live viel schlechter als auf Platte
sind, und so soll es bei uns nicht sein.
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