• Rubriken

  • Schlagwörter

    Beatsteaks Björk Blumentopf Busta Rhymes Deichkind Eminem Fettes Brot Foo Fighters Gentleman Jack Johnson Jan Delay K.I.Z. Kanye West Kool Savas Korn Mando Diao Princess Superstar Rihanna Snoop Dogg Wu-Tang Clan
  • Meta

  • Editors – Violence

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    PIAS/ rough trade – VÖ: 9. März 2018

    Seit jeher ist es Brauch, dass Platten mit 10 Liedern oder darunter entweder sehr lange Songs haben müssen oder aber qualitativ in so wenigen Songs einfach Maßstäbe zu setzen haben, ergo sich keine Schwächen leisten sollten.

    In den Siebzigern war Ersteres usus, später versuchten Bands wie Weezer in 10 Songs und nur bedingt mehr als 30 Minuten, den Wahrnehmungsirrtum, dass Quantität statt Qualität maßgeblich sei, zu beseitigen. Dieser durch die Erfindung der CD mit ihren 80 Minuten Fassungsvermögen verursachte Umstand hält sich bis heute.
    Violence von den Editors ergießt sich mit den 9 (!) Nummern auf immerhin gut 43 Minuten.

    Und um es schon einmal vorwegzuschicken: mehrere der Songs kann man nach dem Kriterium skippen, dass die Jungs um die Ausnahmestimme Tom Smith das schon einmal wo besser gemacht haben.
    “Cold” gehört zum Beispiel zur Kategorie “muss jetzt nicht unbedingt sein…”.
    Im Gegensatz hierzu wirkt “Hallelujah (so low)” isoliert betrachtet ein wenig wie das, was “Song 2” für Blur war, eine Befreiung aus einem Korsett…
    “Isoliert betrachtet” deshalb, weil “Violence” auf Albumlänge nicht ansatzweise an Blurs selbstbetiteltes Album heranreicht, mit denen den Jungs damals die Befreiung vom BritPop-Image gelang.

    “Violence” als Titeltrack ist die Erwähnung wert, da es in guter alter Editors-Manier den Spagat zwischen poppiger Eingängigkeit und waviger Melancholie schafft.
    Bei “Darkness at the door” unterstützt die Melodieführung leider nicht die Opulenz der Orchestrierung, ein Refrain, der nach einfachstem Pop-Schema der 80er konstruiert wurde, überzeugt da auch nicht wirklich, da ist es auch egal, dass die Gitarre etwas nach the Edge und Joshua tree klingt.
    Auch “Nothingness” ist instrumental sehr lieblos. Aber Tom Smith macht so oft den Unterschied, diese Stimme gehört einfach zum Besten, was die Musiklandschaft zu bieten hat.
    Genau das wird ihm bei “Magazine” zum Verhängnis, da seine Stimme viel zu dramatisch ist für die Arrangements, speziell bei dem Refrain mit Tempowechsel.

    Die schönste Nummer ist- wie so oft- das ruhige einfach gehaltene “No sound but the wind”, auch das darauffolgende “Counting Spooks” hat im ersten Teil was Episches, um dann nach gut drei Minuten in die Beliebigkeit billiger 80er-Jahre-Musik abzudriften. Man verzeihe mir die Polemik, aber genau so etwas macht man, wenn man eine an Qualität und Quantität arme Platte oberflächlich fülliger wirken lassen möchte. Beim Wein nennt man das Panschen im Sinne von Verwässern, bei vielen anderen Dingen strecken.
    “Belong” als letzte Nummer sei noch einmal feierlich hervorgehoben aus dem Einerlei.
    Man wird jedoch den Eindruck nicht los, dass Smith seine meiste Energie zuletzt auf seine Duo-Aktivität mit Andy Burrows gelegt hat und seine Editors-Kollegen Songs hat vorproduzieren lassen und nur noch seine Stimme drüber gelegt hat, ohne die Zeit oder Muße, an den Gesangsarrangements zu tüfteln.
    So zumindest kommt das bei dem hier Schreibenden an. Man brauchte Material vor der Tournee.
    Und genau deshalb bleibt als Resumée, einfach die ersten vier Platen zu hören oder “All the kings”, “at all cost” und “Marching orders” von “In dream”. Dann sollte man auch für die tollen Live-Konzerte alles richtig gemacht haben. Denn live lohnt sich die Band immer.

    Wertung: ★★★☆☆







    Weitere Artikel:







    Keine Kommentare »

    Keine Kommentare vorhanden.

    Kommentar schreiben

    Connect with Facebook