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  • Casper – Lang lebe der Tod

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Columbia/Sony Music – VÖ: 1. September 2017

    Verehrte Visions,

    ich weiß nicht, an was es liegt, aber Fakt ist, dass ich irgendwas zur neuen “Casper” in meinem abonnierten Stammmagazin erwartet hätte. Oder seid Ihr beleidigt, weil die Platte um ein Jahr verschoben wurde?
    Dass ein Künstler, der es schafft, die Lücke zwischen Rap und Indie derart perfekt zu schließen, dass es Kreise gibt, die ihm Messias-Status zugestehen, es nicht schafft, dass ihr Euch seiner neuen Platte widmet, die unabhängig von den Features aus Eurem Kosmos (Blixa Bargeld, Portugal.the man) zumindest eines nicht ist, irrelevant.
    Wollen wir mal hoffen, dass es nur eine Timingsache war, dass Ihr bei Bemusterung schon Redaktionsschluss hattet.

    Nochmal zurück zur Verspätung der Platte. Der (Indie-) Boulevard titelte Anfang März, dass Casper geheiratet hatte.

    Entgegen Caspers eigener Stellungnahme, wonach der verspätete Release damit zu tun hatte, dass Casper die Platte für noch nicht gut genug befunden hatte, kann man aus der Platte der Texte wegen mutmaßen, dass die Releaseverschiebung auch andere Gründe hatte.

    Der Hobbypsychologe wagt einmal folgende gewagte Analyse: Caspers jetzige Angetraute trat zu besagtem Zeitpunkt in sein Leben, als er meinte, mit dem Album rauskommen zu können. Eine neue intensive Liebe bedingt, dass man alles noch einmal überdenkt und die eigenen künstlerischen Aussagen auf die Zumutbarkeit hin für den neuen Partner/ die neue Partnerin hin abklopft.
    Und das hobbypsychologische Ohr und Hirn maßt sich an zu erkennen, dass Casper keinesfalls in sich selbst ruht und eins mit dem Leben ist. Der Titeltrack “Lang lebe der Tod” ist eine Ode an die Dunkelheit, dass sämtliche Musiker der großen Gattung Wave und NDW der Arrangements wegen und auch aufgrund der gefühlvollen Hook aufhorchen dürften.

    Diese Düsternis als Marschrichtung für die ganze Platte anzunehmen, wäre jedoch voreilig. Das durchaus bekannte “Alles ist erleuchtet” schlägt schon ganz andere Töne an. Dennoch, auch dieser Song als auch der Nächste, “Keine Angst”, wirken im Kontext des Plattentitels wie eine Selbstberuhigung, ein Aufbäumen in der Depression.
    Die Platte mag für manchen Psychologen erscheinen wie eine Selbsttherapie, dies aber im positivsten Sinn. Sie mündet mit “Flimmern, Flackern” in genau diese Selbstzweifel, die Casper umtreiben im Bezug auf die Liebe und Verlustängste.

    “Lang lebe der Tod” ist eine herrlich existentialistische Platte, eine Reduktion auf die existentiellen Gedanken, eine unfassbar persönliche und dennoch vielseitige Platte.

    Das Verschieben um ein Jahr hat sich definitiv gelohnt, die Scheibe ist bis jetzt Caspers “Opus magnum”.

    Einen Wermutstropfen gibt es noch: eine vielgebrachte Floskel in Musikrezensenten-Kreisen ist “Live unspielbar.” Nur schade, dass sich das im Kontext zu Casper ein Euphemismus ist, denn man kann das live leider der wenig präzisen Liveband wegen auf das ganze Repertoire anwenden.

    Wertung: ★★★★½







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