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  • Antilopengang – Anarchie und Alltag

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Jochens kleine Plattenfirma (Warner) – VÖ: 20. Januar 2017

    Die Antilopen machen die tollste Platte, die der deutsche HipHop seit Langem gesehen hat. Und dennoch schwingt bei mir Ambivalenz mit, denn ich befürchte etwas.
    Als ich letztes Jahr bei einem großen HipHop-Festival war, war ein einziger politischer Stand in der Halle, von der AntiFa. Als ich vor ein paar Monaten auf einem Konzert einer von Audiolith gesignten HipHop-Crew war, bestand das Publikum lediglich aus politischen Linken von AntiFa bis zu den Jungen Grünen und es wurde “Alerta, alerta Antifaschista” skandiert.
    Ich mag bei HipHop-Jams/ -Konzerten nicht politisch vereinnahmt werden. “Atombombe auf Deutschland”, die zentrale Aussage von “Baggersee” ist mir zu extrem, auch wenn ich weiß, dass das Stilmittel der Übertreibung bemüht wird.
    Was aber nicht heißt, dass politische Aggressivität mir grundsätzlich gegen den Strich geht. Bei dem Opener der Platte, “Das trojanische Pferd“, machen sie das besser, da in einen Kontext eingebunden, der sich mir erschließt.
    Überhaupt ist es der beste Track der Platte.
    Was aber nicht heißt, dass sie danach abbauen. “Patientenkollektiv” spricht jedem aus der Seele, der schon einmal mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte. “Doch der Abgrund ist nicht weg, sondern wartet, ich ziehe meinen Antrieb aus dem Wissen, dass er da ist.”

    Die Antilopen oszillieren zwischen Sozialkritik, ironisch dicker Hose (“Fiasko”) und Selbstzweifeln bis zu einer Intensität, dass man Angst um die Jungs hat. Aber das genau macht die Jungs aus. Kaum eine andere deutsche Rapcrew musste so viel durchmachen, der Selbstmord von NMZS hat die Antilopen geprägt und sie gehen mit einer unfassbaren Reflektiertheit und Tiefgang an ihre dritte Crewplatte.
    Sie sind gereift und wütend. Wütend darüber, dass sie bei der Presse durchgereicht wurden, wütend, in ein gewisses Schema gepresst worden zu sein. Sie fühlen sich nicht heimisch in einer Gesellschaft, in der plötzlich jeder etwas von ihnen will; eine Gesellschaft, für die sie doch vormals Loser waren.

    Aber sie können auch andere Töne: “Pizza” lässt einen bei aller Systemkritik auch schmunzeln.
    Ganz nebenbei kreieren die Antilopen neben textlicher Raffinesse auch noch Hooks, die in großen Teilen die Qualität zu Ohrwürmern haben.
    Und die Beats? Die sind so dick, dass meine Mitbewohnerin gerade schon geklopft hat, ich möge den Bass runterdrehen, obwohl der eh schon ganz unten ist.

    Mir wird die Review jetzt schon etwas lang, und weil ich mich gern jetzt ausschließlich dieser Platte widmen möchte, um sie in allen ihren Facetten erfassen und genießen zu können, “Fugen im Parkett” zum Beispiel mit Schorsch Kamerun.
    Apropos Features: das zweite und letzte Feature sind gewohnt tighte und witzige Zeilen von Fatoni.
    Es gibt sooo viel zu entdecken auf der Platte: “Hilfe” zum Beispiel startet mit einem Reggaebeat und mündet in ein Punkgewitter.
    So, genug der Worte. Noch kurz das Cover erwähnt, dass auch ganz außergewöhnlich ist.
    Jetzt zünde ich mir jetzt eine Kippe an meinem freien Tag, lehne mich zurück und genieße die Platte.

    Eins sei noch gesagt, auch wenn ich es nicht über den Mensch, sondern nur über den MC sagen kann:
    Jakob, Du fehlst!

    Wertung: ★★★★★







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