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  • Beginner – Advanced chemistry

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Vertigo/ Universal – VÖ: 26. August 2016

    Es war dieser Moment vor ca. einer Woche bei “Neo Magazin Royale”, als Dende und die Freien Radikale die Schiffshörner von “Ahnma” anspielten, als mir bewusst wurde, dass “Ahnma” sich schon längst im kollektiven Gedächtnis der Menschen unter- und vielleicht auch über- 40 festgesetzt hatte.

    Als “Ahnma” rauskam vor ein paar Wochen, haben sich die Leute an Gzuz abgearbeitet. Alte Menschen, die so nützliche Zitate einstreuen wie “Ich höre seit mindestens … Jahren keinen Rap mehr, denn da ist schon seit Ewigkeiten nichts Gutes mehr nachgekommen” freuen sich dann auf die neue Beginner, nur um dann zu heulen, dass sich da so ein Gangsta auch noch mit nacktem Oberkörper durch das Video gestikuliert.
    Ich hatte oft Angst, dass ich mit meinen fast vierzig Lebensjahren auch zu unbeweglich wäre in Bezug auf das, was aktuell im Rap so passiert. Zum Glück habe ich aber andere Umstände als “peinlich” empfunden, diesen Gentleman zum Beispiel. Soll abhauen nach Jamaica, ich vermisse ihn nicht; Gzuz setzt Maßstäbe. Textlich bleiben Eißfeldt und Denyo Äonen hinter dem zurück, was sie in Bambule oder B.A.H. am Start hatten; lediglich Denyos Satz mit der afrodeutschen Bank vermag es, einen schmunzeln zu lassen.

    Wenn man selbst Lust hat auf so vieles, nur nicht auf Texte zu schreiben und zu spitten, empfiehlt es sich, Leute ans Mic zu bitte, die gewohnt solide Arbeit abliefern und den Standard oben halten, als da wären Samy a.k.a. der fünfte Beatle a.k.a. der vierte Beginner oder Megaloh. Dende fungiert als Märchen-Opa Saint-Exupéry, kann man mögen, muss man aber nicht. Auch Baba Haft bleibt leider deutlich hinter seinen Möglichkeiten.

    Wäre da nicht die angenehm unaufgeregte Autobiographie namens “Es war einmal…” mit einem großartigen Video oder der Beat zu “Ahnma”, wäre “Advanced chemistry” arm; “Thomas Anders” geht auch noch gut klar. Ansonsten dürfte sowohl textlich als auch musikalisch- also beatwise- um Einiges mehr passieren. Der Beatwechsel bei “Schelle” hat was, aber nur, wenn der Beat weg vom Reggae geht.
    Können wir uns nicht mal drauf einigen, dass dieser Humpta-Humpta- Reggae mit Bob Marley zusammen gestorben ist?
    Nach so vielen Jahren kann eine solche Platte nur eines bedeuten: da wollten drei wohl mal wieder Kohle machen.
    Apropos Kohle: ein mir persönlich aber auch deutschlandweit durchaus bekannter MC und HipHop-Experte echauffierte sich neulich darüber, dass Eißfeldt und Denyo davon rappen, dass sie es auch finanziell schwer hatten am Anfang. Dem steht gegenber, dass sich sogar schon “Flashnizm”angeblich laut Denyo 10.000 mal verkaufte und es sich somit schon bei den minderjährigen Beginner alles andere als um “struggelnde Artisten” handelte. Dies’ komische Selbstverständnis, eine mäßige Platte, aber die stetige Behauptung der dicksten Klöthen als auch das Erscheinen von Uwe Seeler im Video sprechen eine deutliche Sprache: die eines vorangaloppierenden Realitätsverlustes.

    Wertung: ★★☆☆☆







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