• Rubriken

  • Schlagwörter

    Beatsteaks Björk Blumentopf Busta Rhymes Deichkind Eminem Fettes Brot Foo Fighters Gentleman Jack Johnson Jan Delay K.I.Z. Kanye West Kool Savas Korn Mando Diao Princess Superstar Rihanna Snoop Dogg Wu-Tang Clan
  • Meta

  • Turbostaat – Abalonia

    Von Andreas Iken

    Pias Germany – VÖ: 29. Januar 2016

    Mit Abalonia ist es zunächst einmal wie mit jedem Turbostaatalbum. Musikalisch durchaus zugänglich wirkt die Lyrik der Husumer Band erstmal sperrig. Daher braucht es auch ein paar Durchläufe, bis man in den Flow des Albums kommt.
    „Ruperts Gruen“ ist als Opener ein typischer Turbostaatsong, der nach kurzem Intro schnell Fahrt aufnimmt. So ist er auch Auftakt der Geschichte, die uns die fünf Herren um Sänger Jan auf dieser LP erzählen. Die Protagonisten sind getrieben von Flucht, Verzweiflung („Wenn das Funkeln einmal fehlt, hat er gar nichts mehr. Nimm es nicht weg von ihm.“ – der Zeuge) und Heimatlosigkeit. Wer es plakativ mag, der durchforstet die Songs nun nach Anspielungen zur aktuellen politischen Lage. Wer genauer hinhört, der merkt, dass die Band diese Themen viel grundsätzlicher behandelt und vielmehr darauf bedacht ist, ihre Geschichte zu erzählen. Dennoch sind diese Themen sicher auch nicht zufällig gewählt. Bei Zeilen wie „Ganz oben in der Mitte wohnt der Hass.“ (Der Wels) oder „Man führte Krieg in aller Herren Länder, […] im Scherenschnitt glänzt unsere Fassade.“ (Die Arschgesichter) ertappt man sich dann allerdings doch des Öfteren bei Assoziationen zu „besorgten Bürgern“ oder untätigen Politikern.
    Um wieder mehr zur Musik zurückzukommen, so bilden für mich die zwei Songs im mittleren Teil des Albums das Herzstück dieses Albums. „Wolter“ vor allem, weil es in seiner Konstruktion recht unüblich für diese Band ist. Kein in sich geschlossener stringenter Ablauf, vielmehr ein Song in drei Akten: ein langes ruhiges Intro, die Instrumente alle recht zurückgenommen. Der mittlere Teil nimmt dann etwas Tempo auf, bleibt dabei aber immer noch recht träge und melancholisch, sphärische Gitarrenklänge und stark hallender Gesang unterstreichen diese Atmosphäre. Nach kurzer Erholung und flüsterndem Gesang endet der Song in einem Chor. „Eisenmann“ führt diese Stimmung weiter: Dezente Drumparts, eine träge Bassline, eine minimalistische Gitarrenmelodie, klanglich aber mit großer Tiefe, nur ein ums andere mal etwas aufgewühlt durch den Refrain.
    Die Reise endet dann in „Abalonia“ mit einem klassischen Turbostaat, eine treffendere Formulierung fällt mir dazu einfach nicht ein. Als kleiner Zusatz sei noch erwähnt, dass die neuen Songs sich auch live hervorragend in den Bandkanon einfügen. Auf einer ersten Tour zum neuen Album waren die fünf Husumer unter anderem am 23. März im Wiesbadener Schlachthof zu Gast und zeigten sich bereits sehr gut eingespielt, das Publikum war zudem bereits sehr textsicher. Aber den Ruf, eine gute Liveband zu sein und eine treue Hörerschaft zu haben, haben sich Turbostaat nicht erst in diesem Jahr erarbeitet.
    Im turbostaatschen Universum ein verhältnismäßig ruhiges Album, aber angereichert mit typischer Melancholie und kryptischer Lyrik, ist „Abalonia“ nicht nur eine einmalige Reise wert. Vielleicht trifft man sich ja demnächst mal dort!

    Wertung: ★★★★☆







    Weitere Artikel:







    Keine Kommentare »

    Keine Kommentare vorhanden.

    Kommentar schreiben

    Connect with Facebook