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  • K.I.Z. – Hurra die Welt geht unter

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Vertigo Berlin (Universal Music) – 10. Juli 2015

    Liebes Feuilleton der Zeit, liebes ARTE, liebe staatliche Medien, eigentlich ist es ja gut, dass ihr KIZ jetzt entdeckt, also dass ihr sie überhaupt entdeckt. Nur folgt ihr jetzt nicht auch ein wenig dem Mainstream, nachdem absehbar war, dass die Popularität der Vier exponentiell ansteigt und die Platte verdammt durch die Decke gehen könnte?
    -Was mich vermuten lässt, dass Euer plötzliches Interesse auch ein wenig dem Schielen nach Trends geschuldet ist: Platz 1 der Album- Charts.
    Ich werfe Euch das jetzt deshalb vor, da “Hurra die Welt geht unter” von den letzten vier Alben definitiv das Schwächste ist; was in KIZ- Dimensionen aber dennoch bedeutet, dass es verdammt gut ist. Denn Genialität bleibt genial, auch wenn die Platte nach den ersten Durchläufen qualitativ und quantitativ hinter den letzten zurück bleibt. Zur Genialität und zum absoluten Alleinstellungsmerkmal dieser Herren hab ich mich schon ehedem ausreichend geäußert und bleibe in den folgenden Zeilen sachlich- sofern mir das gelingt.

    Die auch hier wieder zelebrierte große Kunst von K.I.Z. ist es, vermeintlich versöhnliche Beats, die den Kopf zum Nicken oder den Arsch zum Shaken bringen, zu konterkarieren mit Texten, die einem die Spucke im Hals stecken bleiben lassen. Der Beat von “Glücklich und satt” hat den Flavor eines Golden-age-Tracks irgendwo zwischen Naughty by nature und Fettes Brot. Der Text (nur von Tarek) ist einmal mehr ein vielfältiges Panoptikum der Abgründe der menschlichen Seele.
    Auch “Verrückt nach Dir” oder “Superstars” lassen einen von der Grundstimmung her bouncen, bis man der Texte gewahr wird.

    Ob es dieses großartige Konzertintro ist, das wirkt wie eine Hymne, die der Eröffnung der DDR-Volkskammer gut zu Gesicht gestanden hätte oder das Erscheinungsbild und die Inszenierung der neuen Live-Shows von K.I.Z., die mindestens genauso viel Provokationspotential mit ihrer militaristischen Ästhetik bieten wie der Sound und das martialische Auftreten von Rammstein, K.I.Z. bleiben die relevantesten Künstler dieses Landes!
    Wobei Rammstein durch ihr pures Auftreten eigentlich mehr provozieren müssten, denn ihnen fehlt jeder Anflug von Ironie, und somit hätte ihre Ästhetik bestimmt auch einem Herrn Goebbels gemundet, von dieser Meinung weiche ich nicht ab.

    Doch zurück zur Platte: “Wir”, der Track, der die Platte eröffnet, ist die ‘Proclamatio deo ipse’ und endlich die Klarstellung dessen, was wir ohnehin schon alle gewusst haben; die Kannibalen sind Götter; und die Orsons, Trailerpark und 257 ihre Epigonen, wie Tarek zuletzt richtig resümiert. Und musikalisch ist es eine Offenbarung aller Mittel, zu denen HipHop im Jahre 2015 fähig ist.

    Doch nun leider zu den Tracks, auf die zumindest ich als älteres Semester nicht klar komme. Das liegt zum Beispiel bei “Boom boom boom” nicht am Text, denn der ist brilliant, sondern daran, dass der Beat als Botenstoff hier nicht wirkt, denn das ist irgendwie so Ibiza-EDM-Zeug. Diese Einordnung mag völlig daneben sein, so viel Desinteresse ist für diese musikalischen Gattungen vorhanden.
    Auch “Ariane”, für dessen Text Nico allein verantwortlich zeichnet, ist so ein Fall, in dem der Text für den Beat entschädigt.

    “Was würde Manny Marc tun” ist mit Sicherheit ist der sickste Track, den man seit langem gehört hat: thematisch und musikalisch dunkle Strophen und eine Ballermann-Hook mit besagtem Manny Marc. Und sieht man einmal davon ab, dass Audio 88 presst, als müsste er nach einem Halbmarathon diese Bars spitten, ist die Nummer auf befremdliche Art und Weise gut.
    Zum titelgebenden Track hat man sich noch Deutschlands derzeit heißeste Gesangsstimme Henning May geholt, Kölns Tom Waits. Es ist ein mehr als würdiger Abschluss der Platte mit Spass an der Postapokalypse anstatt Fatalismus.

    Und wieder gilt, auch Platten, die in Kannibalen-Maßstäben oberes Mittelmaß sind, müssen andere erst einmal nachmachen.

    Wertung: ★★★★½







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