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  • Xatar – Baba aller Babas

    Von Haris Rakovic

    Label: Alles Oder Nix Records (Groove Attack) – VÖ: 1. Mai 2015

    Xatar „iz da“! Eigentlich müsste man damit dieses Review schon beenden. Denn was soll man schon sagen, außer dass man sich als (Deutsch-)Rapfan Xatar einfach anhören muss. Aber ich will mal nicht so sein und verlier’ doch noch ein paar Worte zu ihm.
    Nachdem er einen Goldtransport überfiel und Gold im Wert von 1,8 Mio. erbeutete (das Geld ließ sich bis heute nicht finden), saß er dafür seit 2010 im Knast, doch jetzt ist er wieder da. Er ist ein durch und durch authentischer Gangster, auch vor dem Goldtransport war er kein „rechtskonformer Zeitgenosse“ wie er das wohl sagen würde. Anders als auf dem Vorgängeralbum „Nr. 415“, das heimlich in Haft aufgenommen wurde, ist in „Baba aller Babas“ Xatar klarer dahingehend, dass das Gangster-Leben nicht das ist, womit er sein junges Publikum reizen will.
    Stattdessen bringt er uns in Zeiten von unterirdisch schlechtem, frauenfeindlichem und pseudoaggressivem Rap wieder die guten alten Beats näher. Es erinnert absolut an den Golden Age des Hip Hop: Beats, Flow, Texte: einfach alles weckt in einem die 90er. Endlich ein Deutschrap-Album, das nicht von gezwungenen Spits, Doubletimes und Wie-Vergleichen überflutet ist. Stattdessen gibt es jazzige und funkige Beats im West- und Eastcost-Stil, gute Flows, ein paar gute Features (abgesehen von Haftbefehl und Olexesh) und Texte, die einfach genau das sind, was Hip-Hop ausmacht.
    Man muss der Vollständigkeit halber dazu sagen, dass Xatar selber einer dieser Menschen ist, die gerne mal abwertend als Kanacken bezeichnet werden. Auch seine Musik richtet sich –Achtung, dieses Mal politisch korrekt- an ein Publikum, das osmanisch bzw. nahöstlich geprägt ist. Fakt ist: Xatar gab „Kanacken“ und speziell Kurden eine eigene Identität und eigenen Stolz. Aber „Baba aller Babas“ ist dennoch eine Platte, die man sich problemlos kopfnickend anhören kann, auch wenn man selber eher nicht in diese Schublade passt. Man wird jedoch merken, dass hier und da Begriffe und Insider enthalten sind, die in den „Shishabar-Slang“ passen. Eigentlich mag ich dies alles nicht, schon deshalb, weil das die Existenzberechtigung von Typen wie Kollegah und Farid Bang ist, die für einen Golden Age-Dogmatiker wie mich ein reines Rapdesaster darstellen. Aber damit muss man sich eben abfinden, schließlich ist der abwertende Begriff “Kanacke” vom Ausländer zum Inbegriff einer ganzen Subkultur geworden und in dieser darf der eigene Jargon natürlich nicht fehlen.
    AON greift an! Mit SSIO im Team ist Xatar mit seinem Label AON (Alles oder Nix Records) definitiv gut genug aufgestellt, um sich auch mit einer Größe wie Kool Savas anzulegen und genau das tut er, frei nach dem Motto „Schnapp dir den Größten“. Wenn das andere versucht haben, konnte man darüber nur lächeln, weil Savas unbestritten eine Ikone des Deutschraps ist. Aber Xatar entwickelt sich ebenfalls in genau diese Richtung. Vor allem weil er –ähnlich wie Savas- deutschen Rap auf ein neues Level bringt und wieder eine gewisse Qualität einkehren lässt.
    Frisch und angriffslustig, so will man Xatar haben und so haben wir ihn. Rap wie er sein muss: Nichts für Gutmenschen, konfliktbereit, aber trotzdem mit einer Prise Humor, vernünftige Beats und natürlich fehlt die Message nicht. Spätestens mit „Meine große Liebe“ ist inhaltlich für Gänsehaut gesorgt.
    Ein großartiger Rapper, ein großartiges Label, ein großartiges Album. Ist zwar nichts für jedermann, aber, dass es gut ist, lässt sich nicht bestreiten. Nicht umsonst stehen die ganzen halbstarken Rapper jetzt Schlange, um Xatar zu dissen, und somit zumindest einen Hauch seines Erfolgs zu erschnuppern.

    Wertung: ★★★★½







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