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  • Tocotronic (Das rote Album)

    Von Arno Friedrich

    Vertigo Berlin (Universal Music) – VÖ: 1. Mai 2015

    Tocotronic. Erster Mai 2015, elftes Album, dreizehn Songs, kein Titel. Eine Farbe. Rot.
    Man könnte vermuten, es handle sich hierbei um ein politisches Statement, und liest man die Tracklist, wo u.a. einer der Songs den Titel „Solidarität“ trägt, wird der Eindruck vielleicht bestätigt; aber Tocotronic, gerne linksorientiert politisch engagiert, legen ein Album über die Liebe vor und bedienen sich dabei eines für sie eher ungewöhnlichen Genres. Dem Pop.

    Ich schreibe in voller Absicht „bedienen“ und nicht „versuchen an“, denn mit dem roten Album beweist das Quartett nicht nur einmal mehr, zu den kreativsten und einflussreichsten deutschen Bands der Gegenwart zu gehören, sondern dass sie wirklich große Musikkünstler sind.

    Beim ersten Hören zauberten mir die dreizehn Songs ein breites Grinsen ins Gesicht.
    Praktisch jeder Song überrascht auf seine eigene Art und Weise. Musikalisch wie lyrisch.
    Dabei sind Rick McPhail (Git), Jan Müller (Bass), Arne Zank (Drums) und Dirk von Lowtzow derartig konsequent und angstfrei, das sie es schaffen, ohne Scheu vor Kitsch ein Pop-Album hinzulegen, als wäre dieses Genre ihr ureigenes.

    So lässt sich die Platte ästhetisch wohl eher dem Camp zuordnen als dem Kitsch. Der englische Begriff meint die positive Umdeutung von Kitsch. Lou Reeds „Transformer“ ist ein großes Beispiel für Camp. Musikalisch werden auf dem roten Album alle Pop-Register gezogen. Wenn sie wollen, klingen die Tocs wie die Eels, singt Dirk wie Morrissey, kommen Assoziationen zu Pavement und den Magnetic Fields. Produzent Moses Schneider und Sounddesigner Markus Ganter verhelfen hier zu einem brillanten, klaren Klangbild. Inhaltlich „fasst einen unter der Decke das Chaos an“, gilt es zunächst die heimatliche „Oase der Langeweile“ zu verlassen, haben die Außenseiter unsere „Solidarität“, wird „den Erwachsenen ins Gesicht gespuckt“, haftet aneinander (im doppelten Sinne der „Haft“), „schmilzt dahin“ und mutiert zum divenhaften „Rebel Boy“. Alle Aspekte der „Liebe“ scheinen vertreten, Jugend, Aufstand, Freundschaft, Mut und Angst, Wahnsinn und Gefahr.

    Unfassbar nahezu, wie hervorragend die vier ihr Handwerk verstehen, um sich so einer Thematik, diesem Genre zu stellen, ohne peinlich zu scheitern. Denn diese Gefahr besteht natürlich. Aber das Tocotronic völlig angstfrei scheinen, wenn es um ihr künstlerisches Schaffen geht, ist lange bekannt. So ist ein Album entstanden, das Spuren hinterlässt. Sich auswirkt. Man kann jedenfalls gespannt sein, wohin sie ihre Kreativität und assoziative Kraft noch treibt. Zunächst jedoch überwiegt die Freude über eine neue Deutschlandtour und das vorliegende wunderbare rote Pop-Album.

    Wertung: ★★★★☆







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