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  • Susanne Blech – Welt verhindern

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Cat in the Box (Broken Silence) – VÖ: 9. Mai 2014

    Um Rechenschaft abzulegen, warum ich diese Platte erst jetzt bespreche, muß ich ein wenig ausholen: Ich gebe zu, diese ganze Electropunk-Nummer war mir jahrelang suspekt, all diese Deichbuden und Frittenkinder. Sie ist es großteils immer noch.
    Ich scherte alles über einen Kamm. Bis ich bei “Susanne Blech” angekommen war, auch mit Verzögerung. Einen der Herren kannte ich schon seit Jahren in anderer beruflicher Eigenschaft aus dem Netz. Im Frühsommer war ich dann auf ihrem Konzert.
    Ich kann mit reinstem Gewissen behaupten, dass es nicht an der Tatsache liegt, dass ich die Jungs alle kennenlernen durfte, dass sie mir inzwischen warm das Herz und peitschend das Tanzbein umspülen.
    Mein Musikverständnis war langsam reif dafür. Denn schon im Konzertvorfeld feierte ich plötzlich einzelne Tracks.

    Grund ist unter anderem die Herangehensweise, die irgendwie intellektuell und doch augenzwinkernd ist.

    Denn wo “Deichkind” sozialistische Parolen oder Gemeinplätze auch für Gerüstarbeiter verständlich raushauen (apropos Gemeinplätze: mir ist durchaus klar, dass nicht alle Gerüstarbeiter von schmalem Verstand sind, aber das Bild geht meines Erachtens doch in Ordnung) und Frittenbude Sehnsüchte der Heranwachsenden befriedigen, geht die “Blech Susi” andere Wege: kryptische Wortspiele und Texte zum um die Ecke denken. Man hat unter anderem auch Herrn Stuckrad-Barre als Ideengeber (“Die Katzen von Beate Zschäpe”).
    Das klingt erst einmal Avantgarde, aber musikalisch nicht notwendig gut, vielleicht sogar sterbenslangweilig, ist es aber nicht.

    Denn zum zweiten sind es die Beats, die peitschen (“Wir werden alle nicht Ernst Jünger”). Und zum Dritten sind es die Melodien: die gehen einfach ins Ohr. Melodien? Ja! Zum Teil sind sie wirklich gesungen (“Liebe neue deutsche Welle”, “Die Katzen von Beate Zschäpe”), und wenn nicht, dann ist da immer diese wage Melodie durch die Instrumentierung, die die zumeist skandierten Texte gesungen wirken lassen. Das Hirn hat viel Phantasie.
    Auch das macht die Musik so sehr aus, zumindest bei mir.
    Aber auch die Instrumentierung und die Arrangements sind so vielschichtig, dass sie einem traditionell der elektronischen Musik skeptisch bis feindlich eingestellten Menschen von sich einnehmen.
    Und live sind “Susanne Blech” eine Macht. Und zwar ohne die ganzen Gimmicks, die Deichkind live auffahren.
    Brauchen sie auch nicht, denn die Musik spricht für sich. Und zugegeben, die drei wie Derwische herumspringende Herren auf der Bühne auch. Wobei ich fast die nicht minder wichtigen Herren an Gitarre/ Bass/ Synth und Schlagzeug vergessen hätte: Kay, Jens und Dennis machen live den Druck, der es den anderen erst ermöglicht, so abzugehen und live alles aus den Angeln zu reißen.

    Wertung: ★★★★½







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