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  • Es ist nicht alles Grunge, was glänzt – eine glossenhafte Hommage zum 20. Todestag von Kurt Cobain

    Von Frank Findeiss

    Es mutet eigentlich fast an wie der Beginn eines Märchens oder der biblischen Weihnachtsgeschichte und so könnte es in memoriam heißen:

    „Es begab sich aber zu der Zeit, dass eine Band von Aberdeen/USA ausging, die von aller Welt geschätzt wurde. Und diese Wertschätzung war die letzte und geschah zu der Zeit, da Kurt Cobain ihr Frontmann war. Und jedermann ging, dass er sie schätzen lernen wollte, in eines ihrer Konzerte, jeglicher in seine Stadt.“

    Kurt Cobain, der Heiland, der die Menschen und somit seine Jünger mit seiner Message erlöste (und am Ende auch sich selbst). Das Evangelium lautete: „Smells like teen spirit“ und es ging nicht um „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, sondern die Losungen lauteten: „It’s better to burn out, than to fade away“ oder ganz einfach: „I hate myself and I want to die“ (der eigentliche Arbeitstitel des letzten Studioalbums „In Utero“). Die 50er hatten Elvis Presley, die 60er John Lennon, die 70er Johnny Rotten und die 80er Michael Jackson. Die 90er aber gehörten Cobain und „seinem persönlichen Nirwana“, an dem bis zuletzt, nicht nur was die Texte betraf (und hier sei bemerkt, dass selbst William S. Burroughs als ewiger Junkie seinerzeit meinte, dass er bei seiner Kollaboration mit Cobain als er dessen Texte las, die „Texte eines Toten las“) jeder (An-)teilhatte durch die medial verbreiteten (eigentlich eher vermarkteten) Drogenexzesse und Nervenzusammenbrüche, da Kurt seinem Heilandsstatus nicht mehr gewachsen war. Es geschah in einer zunehmend globalisierten Welt, die ihre vom Kampf des Kapitalismus gegen den Kommunismus geprägten Gegensätze verlor (und stattdessen an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter stand, in dem man mit Handys, Internet und Digicams zurechtkommen musste) und sich dabei auch verlor. Denn in der Folgezeit verschwamm jegliche Ideologie, so auch Grunge. Der Begriff „Grunge“, der nichts anderes als „Dreck“ bedeutet und somit andeutete, dass man mit dem Unrat der vorangegangen Generationen umgehen und etwas Neues erschaffen musste, vereint verschiedene Stile und greift somit kulturell auf Dagewesenes zurück, was Grunge in einem neuen Kleid präsentierte, also wie in einer Collage vereinte: Heavy Metal, Punk und 60-/70er-Jahre-Garagenrock. Man war eben auf der Suche nach neuen Werten, nach einem neuen (In-)Halt, vor allem die Jünger Cobains (deren Sprachrohr er war), die „Generation X“ (die Verlorenen, die in eine Zeit der Auflösung und des schwindenden Wohlstands hineingeboren wurden). Grunge war ein Lichtblick, wie ein Stern, der den Weg wies und die drei Weisen aus dem Abendland hießen Charles Peterson, Everett True und Jack Endino. Ersterer seines Zeichens Hausfotograf des Grunge-Labels Sub Pop, Everett True, der Verkünder der Botschaft, der als Musikjournalist des Melody Maker mit seinem im März 1989 erschienen Artikel „Seattle, Rock City“ Grunge in die Welt hinaustrug und Endino, der „Pate der Seattle-Szene“, der nahezu jedes Grunge-Album produzierte. Sie wurden geschickt von den beiden Halbgöttern Jonathan Poneman und Bruce Pavitt, die die Grunge-Geschichte mitsamt ihrer Vermarktungsstrategie ausgetüftelt hatten. Der Heiland wusste also gar nicht, dass er nur das Mittel für ein kurzfristiges Ziel war und die Gaben, die man ihm brachte: Geld, Ruhm und eine Marketingstrategie (stellvertretend für Gold, Weihrauch und Myrrhe, auch wenn der Vergleich hier etwas hinkt) konnten ihn gar nicht locken. So war also das Ende bereits besiegelt, bevor es richtig anfing, so dass es geradezu messianisch erscheint, dass im letzten gemeinsamen Videoclip von „Heart shaped box“ der Antagonismus von Geburt und Tod virulent ist und die Symbolik des Kreuzes – vor allem auch durch die Kreuzigungsszene – überwiegt, als ob es sich um den eigenen Abgesang gehandelt hätte.
    Lieber Kurt, Du hast die zehn Gebote nicht neu geschrieben, aber Du gabst uns den Glauben wieder, den Glauben daran, dass „Sex, Drugs und Rock ‘n‘ Roll“ nicht tot sind, dass es irgendwo auf diesem Planeten noch Garagenbands oder Keller gibt, in denen authentische, nicht auf Kommerz ausgerichtete Musik gebastelt wird und den Glauben daran, dass man etwas auf die Beine stellen kann, auch wenn man nicht hochwohlgeboren ist, aber wie immer hatten die Puppenspieler im Hintergrund schon längst wieder das Fadenkreuz in der Hand und waren die Fäden am ziehen, die Fäden einer bis heute offen gebliebenen Wunde.

    Das Vermächtnis zu Lebzeiten lautet:
    Vier Studioalben: Bleach (1989), Nevermind (1991), Incesticide (1992), In Utero (1993) und ein MTV unplugged-Live-Album (1994)












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